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Bert Brecht Kreis

16.01.2015

Eine feindliche Übernahme?

Der Verein erlebt einen wunderlichen Mitgliederzuwachs. Die Vorstandswahlen waren dadurch spannend wie nie

Vereinssitzungen und Vorstandswahlen sind in der Regel keine vergnügungssteuerpflichtgen Veranstaltungen. An die zurückliegenden Wahlen im Bert Brecht Kreis werden sich die Mitglieder allerdings sicher noch länger erinnern. Viele neue Mitglieder, die zum ersten Mal an einer Sitzung teilnahmen, wollten anstelle des ersten Vorsitzenden Michael Friedrichs den Künstler und SPD-Politiker Frank Mardaus in dieser Rolle sehen.

Seit 30 Jahren gibt es den Brecht Kreis. Die guten Jahre des Vereins liegen schon ein wenig zurück. Früher waren es rund 200 Mitglieder, Anfang Dezember waren es zwischen 40 und 45. Vor zwei Jahren warfen die Vereinsmitglieder die Frage auf, ob es im Hinblick auf den Altersdurchschnitt nicht besser wäre, den Verein aufzulösen, wie Michael Friedrichs erzählt. Man entschied sich anders und warb in bescheidenem Umfang neue Mitglieder an.

Spätestens bei der Dezember-Vereinssitzung im vergangenen Monat war es mit der Beschaulichkeit des Vereinsleben schlagartig vorbei. Eigentlich wollten die Mitglieder die Vorstandswahlen mit einer Diskussion über die Zukunft des Brechtfestivals und des Brecht-Hauses verknüpfen. Tatsächlich wurden an diesem Abend Wortgefechte geführt. Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel und sein ungeliebter Brechtfestivalleiter Joachim Lang waren anwesend. Langs Befürworter und Gegner lieferten sich eine hitzige, ausufernde und unversöhnliche Diskussion. Für die Wahlen blieb keine Zeit mehr.

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Eigentlich hätte die Sitzung eine Episode im Vereinsleben werden müssen. Schließlich legten sich die Wogen um das Brechtfestival durch das Eingreifen des Oberbürgermeisters schnell. Tatsächlich geschah in der Folge Wunderliches. Eine Flut von neuen Anträgen erreichte den Bert Brecht Kreis, ohne dass jemand im Verein sich dafür sonderlich ins Zeug gelegt hat. Michael Friedrichs registrierte 15 neue Mitglieder, darunter die Augsburger Internet-Blogger Siegfried Zagler und Arno Loeb, der Journalist Marcus Ertle, die Autoren Manfred Seiler und Kai Bleifuß sowie der Stadtrat Otto Hutter (Die Linke).

Als dann vergangene Woche die Vorstandswahlen stattfanden, kamen die neuen Mitgliedern zahlreich. Stand da ein Putsch im Raum? Eine (feindliche) Übernahme des Bert Brecht Kreises?

Als die Vorstandswahlen anstanden, schlug der Linken-Stadtrat Otto Hutter, der bislang noch nie auf einer Sitzung des Bert Brecht Kreises gewesen war, als neuen Vorsitzenden Frank Mardaus vor, der vor anderthalb Jahren in den Verein eingetreten war. So kam es zwischen Friedrichs und Mardaus zu einer denkbar knappen Kampfabstimmung.

Mardaus sagt, er sei im Vorfeld von den neuen Mitgliedern angesprochen worden, ob er sich den Vorsitz vorstellen könne. „Ich vermute, dass ich gefragt wurde, weil ich zuvor auch öffentlich kritisch meine Meinung gesagt habe.“ Ihm sei ein Dorn im Auge, dass die Regio das Brecht-Haus verantworte und dass Joachim Lang für das Brechtfestival verantwortlich sei.

Für die Wahl zum ersten Vorsitzenden reichte es allerdings nicht, die entschied Friedrichs mit 15 zu 12 Stimmen für sich. Mardaus wurde der zweite Vorsitzende des Kreises. Ein salomonisches Wahlergebnis. Und der Bert Brecht Kreis hat plötzlich eine Menge neuer Mitglieder, die willens sind, frischen Wind in den Verein zu bringen. „Wir brauchen aktive Mitglieder“, sagt Friedrichs. Mardaus verweist gleich darauf, dass sich der Verein auch in die Debatte um die Zukunft des Brechthauses einbringen möchte. Und Siegfried Zagler, hinter dem einige den Initiator der Eintrittswelle vermuten, der Brecht Kreis solle relevanter in der Stadt werden.

Potenzial für aufregende Diskussionen gibt es im Verein nun reichlich – etwa über die Rolle von Joachim Lang. Mit Karl-Heinz Schneider und Michael Friedrichs stehen die Befürworter von Lang nun seinen lautesten Kritikern gegenüber: Siegfried Zagler und Manfred Seiler.

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