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Region Augsburg

16.02.2017

Eingefrorene Wassertanks legen Fugger-Express lahm

Die Fugger-Express-Züge aus Richtung Donauwörth und Dinkelscherben werden im Augsburger Hauptbahnhof zur Weiterfahrt nach München zusammengekuppelt.
Foto: Silvio Wyszengrad

Beim Fugger-Express läuft es in den letzten Wochen nicht so rund - Verspätungen häufen sich. Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert jetzt den Austausch der Triebwagen ab 2021.

Beim Bahnverkehr von Augsburg nach München scheint es seit einigen Wochen wieder einmal zu haken: Nachdem der Fugger-Express zuletzt im Oktober von einer Verspätungswelle gebeutelt wurde (wir berichteten), häufen sich seit einem Monat wieder Verzögerungen. Unter anderem habe der recht kalte Januar Probleme verursacht, so die Bahn. So mussten Triebwagen aus dem Verkehr gezogen werden, weil Wassertanks für die Toilette durch die Kälte platzten. Die Folge: Teils waren beide Klos eines Triebwagens defekt, sodass das Fahrzeug nicht mehr eingesetzt wurde.

Wieder mehr Verspätungen

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat in den vergangenen Wochen Rückmeldungen von Fahrgästen ausgewertet, was Einschränkungen betrifft. Ergebnis: Im Berufsverkehr habe es alleine an den zehn Werktagen zwischen 16. und 27. Januar 18 Verbindungen gegeben, bei denen ein Zugteil (240 Sitzplätze) fehlte. Neun Züge seien mit zusammengerechnet 234 Minuten Verspätung aufgrund technischer Störungen unterwegs gewesen. Die Serie habe auch im Februar nicht abgerissen. „20 Minuten frieren am Bahnsteig, danach eine Fahrt gequetscht wie in der Sardinenbüchse und am Ende in Pasing oder Gessertshausen wegen vorzeitiger Zugwende vor dem Ziel abgesetzt – so kann aktuell ein Arbeitstag für die Pendler im Fugger-Express beginnen oder enden“, so Jörg Lange, bei Pro Bahn zuständig für den Fugger-Express. Dies sei nicht akzeptabel.

Sind die Triebwagen schuld?

Bei der Bahn verweist man darauf, dass sich die Situation seit Anfang Februar schon deutlich verbessert habe. Nichtsdestotrotz entschuldige man sich bei den Fahrgästen, so ein Sprecher von DB Regio. Teils wurden in den Werkstätten Wochenendschichten eingelegt, um die Züge in Betrieb zu halten. Alle nicht dringend nötigen Reparaturen seien geschoben worden, auch wenn dies etliche Leerfahrten zur Münchner Werkstatt in den kommenden Tagen und Wochen nötig machen werde. Konkret bereitet seit einigen Monaten Feuchtigkeit in Steckern und Sensoren von Antriebssteuerung und Bremsen Probleme. Ursache: unklar. Man werde dazu 2017 Lösungen suchen, so die Bahn. Gleiches gelte für die nachgerüsteten Trittstufen, die durch Eis und Splitt lahmgelegt werden. Und was die geplatzten Wassertank betrifft, weist die Bahn darauf hin, dass sie 2012 von Alstom eine Rohrheizung habe nachrüsten lassen, die offenbar nicht genüge. Allerdings seien im Januar neben dem Fugger-Express auch andere Zugnetze von Problemen betroffen gewesen. „Und es kommt hinzu, dass nach neun Betriebsjahren turnusgemäß die erste große Revision ansteht, sodass immer ein Triebwagen ohnehin länger ausfällt, weil er in der Werkstatt steht, und somit die Reserve kleiner wird“, so der Bahnsprecher.

Die Toiletten funktionierten nicht

Die Triebwagen haben allerdings schon in den vergangenen Jahren Schwierigkeiten gemacht, weil Toiletten nicht funktionsfähig waren oder die Schnellkupplungen im Winter vereisten, sodass Bahnmitarbeiter mit Klobürsten am Bahnsteig standen. Probleme mit der Steuerung hatten schon die Einführung des neuen Taktkonzeptes verzögert.

Pro Bahn erwartet, dass Bahn und Freistaat die Probleme lösen. Mehrere schwäbische Landtagsabgeordnete haben sich hinter das Thema geklemmt. Lange fordert, dass die Triebwagen im Rahmen der Neuausschreibung des Augsburger Streckennetzes 2021 ausgetauscht werden. Es sei bezeichnend, dass die Züge im neunten Betriebsjahr immer noch an Kinderkrankheiten leiden.

Mehr Druck bei der Pünktlichkeit

Das Verkehrsministerium hält sich dazu noch zurück. In einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Christine Kamm ans Verkehrsministerium heißt es, dass man die Anforderungen an die Züge noch nicht abschließend festgelegt habe. „Erfahrungen mit Unzulänglichkeiten von Fahrzeugen aus der Vergangenheit werden in die Formulierung der Anforderungen einfließen“, so das Ministerium. Künftig will der Freistaat auch mehr Druck bei der Pünktlichkeit machen: Verspätungen der Bahnunternehmen sollen bereits ab drei Minuten Strafzahlungen nach sich ziehen und nicht wie momentan ab sechs Minuten. Im vergangenen Jahr lag die Pünktlichkeitsquote des Fugger-Express bei etwa 91 Prozent wie in den Vorjahren auch. Angepeilt ist eine Quote von 95 Prozent. Ansonsten schneidet der Fugger-Express in einer Qualitätsrangliste der Bayerischen Eisenbahngesellschaft nicht schlecht ab. Bei Sauberkeit, Fahrgastinformation, und Funktionsfähigkeit der Ausstattung landet der Fugger-Express auf Platz 17 von 28 Bahnnetzen in Bayern.

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