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Augsburg

02.06.2018

Einige Augsburger sind froh über Baumfällungen am Herrenbach

Während viele Augsburger gegen die Baumfällungen am Herrenbach waren, sind einige Anwohner auch froh darum.
Bild: Michael Hochgemuth

Die Abholzaktion am Herrenbach sorgt für eine Protestwelle. Jetzt bedanken sich aber auch Bürger, dass die Bäume entfernt werden. Die Stadt räumt Info-Pannen ein.

Ernst und Henriette Richter sagen: „Unsere Sorgen sind riesengroß.“ Die beiden 91 und 85 Jahre alten Eheleute wohnen in einer Reihenhaussiedlung, die nur etwa 50 Meter entfernt vom Herrenbach steht. Seit Jahren wächst bei ihnen die Angst, dass Bäume in den Kanal fallen und eine Überschwemmung auslösen, die ihr Leben bedrohen könnte.

Im Streit um die Baumfällungen am Herrenbach melden sich die Richters nun zu Wort, weil sie die Rodung richtig finden. Sie sind nicht die einzigen Anwohner, die die Linie der Stadt unterstützen, am Kanal für mehr Sicherheit zu sorgen.

Die anstehenden und teilweise begonnenen Fällungen von 96 Bäumen am Damm des Herrenbachkanals zwischen Reichenberger und Friedberger Straße hatten eine Protestwelle in Teilen der Augsburger Bevölkerung ausgelöst.

Ernst Richter wohnt am Herrenbach. Er ist froh, dass die Stadt etwas unternommen und die Bäume gefällt hat.
Bild: Michael Hochgemuth

Bislang verschafften sich vor allem Bürger Gehör, die das idyllische Grün am Herrenbach vehement verteidigen. Gegner der Fällaktion sind wütend über den einschneidenden Verlust von wertvollem Grün, das Jahrzehnte lang unbeanstandet und ohne Sicherheitsbedenken der Stadt wachsen durfte. Viele ärgern sich über die Hauruck-Aktion in der Vogelbrutzeit. Andere können nicht nachvollziehen, warum nicht wenigstens ein Teil der Bäume erhalten werden kann, wie von einem Gutachter vorgeschlagen.

Einige Bürger sind froh, dass die Stadt etwas unternimmt

Doch nun melden sich auch Anwohner, die Kritikern der Baumfällungen ihre Situation entgegenhalten: „Ich werde selber weinen, wenn die Bäume weg sind, weil sie so wunderschön sind, aber so geht das nicht mehr weiter“, sagt Henriette Richter. „Wir sind froh, dass die Stadt was unternimmt.“ Die Richters erzählen, dass es an der Fallerslebenstraße viele ältere Anwohner gibt, die sich vor einer Überschwemmung fürchten, etwa, wenn umgestürzte Bäume die Brücke in der Reichenbergerstraße verstopfen oder wenn der Damm bricht.

Auch eine 42-jährige Nachbarin, die ihren Namen nicht an dieser Stelle lesen will, sagt: „Wenn von den Bäumen eine Gefahr ausgeht, gehören sie weg.“ Rund 20 Bürger in der Fallerslebenstraße haben nun einen Dankesbrief von Josef Albert an Oberbürgermeister Kurt Gribl unterschrieben. Gribl hat ihn auf Facebook gepostet. Diese Anwohner befürworten die Fällung, weil sie Sicherheit vor möglichen Sommerstürmen schaffe. Aus Sicht der Unterzeichner ist die städtische Infoveranstaltung im Pfarrsaal von Don Bosco auch gut gelaufen.

Befürworter der Baumfällungen mit Infos unzufrieden

Andere Befürworter der Baumfällungen sind mit den städtischen Informationen alles andere als zufrieden. Bis heute sei die Vorschrift nicht öffentlich vorgelegt worden, wonach die Bäume am Damm aus Sicherheitsgründen entfernt werden müssen, ärgert sich eine Anwohnerin. „Wenn die nächsten 60 Bäume gefällt werden, sollte man den Gesetzestext anbringen.“ Die Informationspolitik der der Stadt sei intransparent und sprunghaft. Auch politisch gerät die Stadt mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit zunehmend unter Druck, sogar innerhalb des Regierungsbündnisses von CSU, SPD und Grünen.

 „Auch wenn aus fachlicher Sicht die Baumfällungen notwendig sind, war die Informationspolitik gegenüber der Bürgerschaft äußerst suboptimal und darf so nicht mehr passieren“, kritisiert SPD-Fraktionsvorsitzende Margarete Heinrich. Gemeinsam mit der CSU wurde nun beantragt, die Ersatzpflanzungen direkt im Bereich des Herrenbachs vorzunehmen – mit ausreichendem Sicherheitsabstand. Die Bürger sollen danach von Anfang an in die Planungen einbezogen werden. Info-Pannen räumte der städtische Pressesprecher Richard Goerlich ein.

So geht es am Herrenbach weiter

Die Informationspolitik der Stadt sei „nicht optimal gelaufen“, teilte er am Freitag auf Anfrage mit. Die zuständigen Ämter hätten bis zum Ende versucht, erhaltende Alternativen aufzuzeigen. Es sei hoher Termindruck entstanden. Die komplizierte Lage zu kommunizieren, sei nicht gelungen. Die Stadt habe jedoch entschieden, die Bürgerinformation lieber spät als gar nicht durchzuführen. Goerlich sagt weiter, das Informationsdefizit habe Raum für Gerüchte gegeben, die in den sozialen Medien befeuert wurden. „Aus diesen Fehlern haben wir gelernt.“ Man werde nun transparent und konsequent „auf allen Kanälen“ informieren. Und wie geht es am Herrenbach weiter? Dort wurden die restlichen zur Fällung anstehenden Bäume am Freitag auf Tiere untersucht. Am Montag sollen sie fallen. Aktuell müssen 34 Bäume weg, bis Ende nächsten Jahres 96.

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Die Diskussion ist geschlossen.

01.06.2018

Rodung bitte ohne "h", das tut weh. Angst um sein Leben braucht wohl keiner zu haben. Ein vollgelaufener Keller ist sicher nicht schön, aber keine existentielle Bedrohung. Trotzdem ist klar, dass Bäume auf einem Damm nichts zu suchen haben.

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