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02.11.2008

Einmal Marmorbüste am Burgtheater sein ...

"Schauspieler sind eitel und wollen immer im Mittelpunkt stehen", sagt Michael Stange und begutachtet die von ihm gemachten Fotos. Ganz zufrieden ist er nicht. "Ich bin einfach nicht fotogen", ärgert sich der 30-Jährige mit der auffälligen Stupsnase. Dann aber widmet er sich wieder seinem Kaffee.

Seit 2007 gehört er zum Ensemble des Theaters Augsburg und hat vor Kurzem in Lessings "Emilia Galotti" einen fantastischen Kammerherrn Marinelli gezeigt. Dieser erfüllt devot und skrupellos, mal mit offener Brutalität, mal mit leiser Hinterlist, ohne Rücksicht auf Verluste, alle Wünsche seines Herrn.

Der private Michael Stange entpuppt sich als eher zurückhaltend. Er ist nicht gewillt, allzu viel von sich preiszugeben. Er kommt aus Bergneustadt, einem kleinen Ort mit 20 000 Einwohnern im Bergischen Land. Dort leben seine Eltern noch heute und dort fährt er immer wieder gerne hin. "Das ist Heimat." Sein Vater, ein Metzgermeister, arbeitet in der Stadtverwaltung, seine Mutter ist Köchin. "Ich konnte als Dreijähriger Santa Maria von Roland Kaiser singen", erinnert er sich. Seine Eltern liebten und lieben den deutschen Schlager und sind mit ihrer Clique noch immer gerne unterwegs. Noch heute ist ihnen der Beruf des Sohnes völlig fremd.

Den Virus Theater fing sich der Schauspieler in der vierten Grundschulklasse ein. Damals probte Frau Krieg, seine Lehrerin, das Stück "Bergneustadt 1301". Und Klein-Michael war als Ritter Kunibert mit von der Partie. "Ich war so nervös, dass ich kaum geradeaus schauen konnte", erinnert er sich. Seine Eltern waren begeistert. Auch der Sohnemann hatte endlich ein Erfolgserlebnis. "Ich war ein schlechter Grundschüler und ein schlechter Fußballer, da ich recht mollig war", erinnert er sich.

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Das war beim Theaterspielen egal. Der Drang zur Bühne verflüchtigte sich auch nicht, als Stange schlank wurde und in Olpe das Gymnasium besuchte. Dort spielte er in der 12. Klasse den Romulus in Dürrenmatts gleichnamigem Stück. Der Direktor, als sehr streng gefürchtet, kam nach einer Vorstellung und fragte den Gymnasiasten, ob er vielleicht nicht den Beruf eines Schauspielers ergreifen wolle.

Das tat Michael Stange auch, allerdings erst, nachdem er seinen Zivildienst in einer Schule für geistig Behinderte absolviert und zwei Jahre in Köln Sonderpädagogik studiert hatte. "Das macht mich nicht glücklich", spürte er und suchte sich eine Schauspielschule. Leipzig und Hamburg winkten ab, in Salzburg an der Universität Mozarteum kam er zum Zug. 2007 machte er dort sein Diplom und stellte sich in Augsburg vor.

Die Stadt empfing ihn gut. Es war Sommer, die Menschen saßen bis Mitternacht vor den Cafés, auch die Kollegen erwiesen sich als angenehm. Zumal Stange den neuen Schauspieldirektor Markus Trabusch vom Mozarteum kannte. Der Jungschauspieler hatte von Anfang an viel zu tun. Bei "Kasimir und Karoline" war er dabei, bei "Emil und die Detektive" spielte er sogar die Titelrolle. "Das war unheimlich anstrengend".

Auch der Narr in "Was ihr wollt" war eine Herausforderung, ebenso die "Kleinbürgerhochzeit". Doch das liebt er. "Tolle Arbeit" sagt Stange und meint damit den "Clavigo" in der Regie von Jan Philipp Gloger. Das junge Regietalent hat auch "Emilia Galotti" inszeniert. Ebenfalls eine beglückende Arbeit für den 30-jährigen Mimen. Doch wo liegt das Traumtheater? Stange braucht nicht lange zu grübeln. Das Wiener Burgtheater sei es. Allein schon, weil dort die Schauspieler als Marmorbüsten das Haus zieren. Das hat was, findet er.

Weitere Infos unter:

www.theater.augsburg.de

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