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Herbstplärrer

22.08.2019

Einmal Schaustellerin, immer Schaustellerin

Mehr als nur Knöpfe drücken: Anna Diebold hat Anfang des Jahres das Fahrgeschäft ihrer Oma Karin Spies übernommen. Nun sitzen die beiden jeden Nachmittag im Kassenhäuschen und passen auf eine Horde fremder Kinder auf.
Bild: Valterio D’Arcangelo

Anna Diebold hat mit 24 Jahren das Fahrgeschäft ihrer Großmutter übernommen. Dabei wusste die junge Frau lange nicht, ob sie sich für dieses Leben entscheiden soll

Einmal im Polizeihubschrauber sitzen und die bunten Knöpfe drücken – für viele kleine Besucher auf dem Plärrer ist so eine Karussellfahrt wohl das Größte. Und während die Kinder ihre Kreise ziehen, schießen die Eltern stolz Fotos fürs Familienalbum – und erinnern sich möglicherweise an ihre eigenen Fahrten im „Kinder-Paradies“ zurück. Verantwortlich für den Volksfestspaß ist die 24-jährige Anna Diebold, die das Fahrgeschäft Anfang des Jahres von ihrer Großmutter Karin Spies übernommen hat.

Auf dem Plärrer sitzen die beiden Frauen nun jeden Nachmittag im Kassenhäuschen, starten die Fahrten, sprechen Ansagen ins Mikrofon – und passen auf eine ganze Horde fremder Kinder auf. „Viele denken, wir drücken nur aufs Knöpfchen und das war’s. Aber hinter dem Karussell steckt auch viel Verantwortung“, sagt Diebold.

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Leicht hat sich die junge Frau die Entscheidung, den Betrieb ihrer Großmutter zu übernehmen, nicht gemacht. Aufgewachsen in einer Schaustellerfamilie – ihre Eltern sind Karin und Josef Diebold –, entschied sich Diebold früh für ihren eigenen Weg. Nach zahlreichen Schulwechseln in der Grundschulzeit zog sie zu ihrer Tante und besuchte eine Realschule. Die Eltern reisten weiter quer durch Süddeutschland – und Tochter Anna jedes Wochenende hinterher.

Nach dem Realschulabschluss folgte eine Ausbildung zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen in einem Unternehmen im Kreis Augsburg. „Die Kollegen dort waren wie meine zweite Familie“, sagt sie. Auch deshalb sei es eine schwere und sehr emotionale Entscheidung gewesen, den Angestellten-Job zu kündigen und selbst einen Betrieb zu führen. „Aber ich habe mich entschieden, zu meiner Familie heimzukehren, und habe es bisher zum Glück nicht bereut.“

Zu Diebolds Familie gehört mittlerweile auch ihr Freund, den sie im Winter heiraten wird – und der selbst Schausteller ist. „Ich hatte lange Zweifel, ob ich als junge Frau alleine ins Schaustellergeschäft einsteigen kann und will. Aber dann war der Gedanke da, dass wir es zu zweit schaffen können“, sagt sie.

Ihr Partner betreibt allerdings selbst ein Fahrgeschäft im Raum Karlsruhe, ebenfalls ein Kinderkarussell. Immer werden sie also nicht zusammen auf die Reise gehen können. Doch Anna Diebold ist optimistisch, dass sich beide Fahrgeschäfte mit guter Planung unter einen Hut bringen lassen.

Bevor die Hochzeitsplanungen in die heiße Phase gehen, stehen noch einige Volksfeste an, bis die Planwagen im Herbst bis zum nächsten Frühjahr und damit auch dem nächsten Plärrer eingestellt werden. Der Plärrer ist allerdings immer etwas ganz Besonderes für sie, sagt die gebürtige Augsburgerin – umso mehr, weil viele Freunde und ehemalige Arbeitskollegen Anna Diebold in ihrem außergewöhnlichen Leben zwischen Kinderkarussell, Festplatz und Alltag im Wohnwagen besuchen kommen.

Das ganze Gespräch mit Anna Diebold können Sie in unserem Podcast „Augsburg, meine Stadt“ hören. Sie finden ihn unter www.augsburger-allgemeine.de/podcasts sowie auf den Portalen Spotify und iTunes. Dort finden Sie auch zahlreiche weitere Folgen unseres Podcasts, die sich mit interessanten Augsburgern, städtischen Entwicklungen und anderen Themen aus der Stadt beschäftigen.

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