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Augsburger Geschichte

02.01.2020

Einzigartige Spielstätte: Der Hoffmann-Keller in Augsburg ist Geschichte

Um 1890 erstand anstelle des abgebrochenen Klosterflügels auf alten Fundamenten ein Neubau (links). Er wurde 1938 zum Theater-Betriebsgebäude umfunktioniert.
Bild: Sammlung Häußler

Plus Das Theater-Betriebsgebäude wird abgebrochen und macht einem Neubau Platz. Historische Gewölbekeller können nicht erhalten werden.

Im Juli 2018 fand die letzte Vorstellung in der 99-Plätze-Spielstätte Hoffmann-Keller des Staatstheaters Augsburg statt. Der Abschied ist endgültig: Der Abbruch des vierstöckigen Theater-Verwaltungsbaus über den historischen Gewölben des Hoffmann-Kellers hat begonnen. Das Gebäude hinter dem großen Theaterbau an der Ecke Kasernstraße/Heilig-Kreuz-Straße steht auf jahrhundertealten Fundamenten. Das ist ihm von außen nicht anzusehen.

Zwei Kellergeschosse liegen unter Bodenniveau. Die obere Kelleretage wurde um 1890 über einem uralten Gewölbekeller gebaut, den bereits die Augustiner-Chorherren von Heilig Kreuz mauern ließen. Die Tiefgewölbe waren Teil einer ausgedehnten Kelleranlage unter dem Chorherren-Stift. Was 1944 von den alten Stiftsgebäuden noch stand, wurde großteils im Bombenhagel zerstört. Auf dem freigeräumten Stiftsareal südlich der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche entstand 1958 ein Dominikanerkloster. Daran schließt sich das Theater-Betriebsgebäude an, das jetzt abgebrochen wird.

Im Juli 2018 fand die letzte Vorstellung statt

Sind die oberirdischen Stockwerke abgetragen, werden tief unten die Gewölbe des Hoffmann-Kellers zum Vorschein kommen. Das 44 Meter lange massive Kellergewölbe hatte bislang alle Abbrüche, Neubauten und Zerstörungen überdauert. Es war immer wieder überbaut worden. Es ist aus Vollziegeln gemauert, innen 5,55 Meter breit und im Scheitel 3,25 Meter hoch. Die Kellerwände sind 75 bis 100 Zentimeter stark. Der lange Gewölbekeller ist durch eine zwei Meter dicke Ziegelmauer in zwei Sektionen getrennt.

Dieser einstige Stiftskeller wurde 2003 zum Untergrund-Theater Hoffmann-Keller umfunktioniert. Der nördliche Teil wurde zum Theater, der südliche zu einem Barraum mit 83 Quadratmetern Grundfläche. An der 14 Meter langen Theke nahmen Ende Juli 2018 die Besucher nach der letzten Vorstellung endgültig Abschied von der einzigartigen Spielstätte. 15 Jahre Spielzeit waren dem Hoffmann-Keller vergönnt.

Der Abbruch dieses Theater-Betriebsgebäudes hat begonnen. 2019 erforschten die Archäologen bereits den Untergrund in diesem Bereich.
Bild: Sammlung Häußler

Gewölbe unter dem Bürohaus entdeckt

Der Dramaturg Holger Seitz hatte die mit Gerümpel und Requisiten gefüllten Gewölbe unter dem Bürohaus des Theaters entdeckt. Seine Idee: Hier könnten Stücke mit kleiner Besetzung publikumsnah gespielt werden. Das Kellertheater wäre auch für Jazz-, Comedy- und Kabarett-Abende sowie Lesungen geeignet. Die Idee wurde Wirklichkeit. Im Mai 2003 stand der Namensgeber fest: E. T. A. Hoffmann! Der Hoffmann-Keller war geboren. Aus Sicherheitsgründen durfte er nicht mehr als 99 Zuschauerplätze aufweisen.

Wann diese Keller gemauert wurden, ist bislang nicht bekannt. Vielleicht entdecken bald die Archäologen Hinweise auf die Bauzeit. Die Geschichte des Stifts reicht über 850 Jahre zurück. Ums Jahr 1160 hatten hier die Augustiner-Chorherren bei einem Spital eine Niederlassung gegründet und um 1200 eine Kirche gebaut. Von 1572 bis 1599 erstand ein ausgedehnter Bautenkomplex. Er umschloss einen Kreuzgang und einen großzügigen Garten. Die nächste große Bauphase folgte von 1681 bis 1687: Das Chorherren-Stift wurde erneuert.

Der Kupferstich dokumentiert das ausgedehnte Chorherren-Stift Heilig Kreuz. Unter dem rechten Gebäudetrakt liegt der „Hoffmann-Keller“.
Bild: Sammlung Häußler

Das wohlhabende Augustiner-Chorherren-Stift entwickelte sich zu einer geistlichen Stätte. Wissenschaft und Musik wurden hier gepflegt. Leopold Mozart und sein Sohn Wolfgang Amadeus standen in enger Verbindung zu den Chorherren von Heilig Kreuz. Die Säkularisation brachte 1802 das Ende des Chorherrenstifts. Ab 1806 diente die ausgedehnte Anlage als Lazarett für Epidemie-Kranke. 1807 übernahm sie das bayerische Militär. 1808 wurde daraus die Heilig-Kreuz-Kaserne für Artilleristen und das Fuhrwesen. Später zog das 3. königlich-bayerische Linien-Infanterie-Regiment „Prinz Carl“ ein.

Erforschung historischer Reste

Das benachbarte Heilig Kreuzer Tor wurde 1808 abgebrochen. Bei der Entfestigung Augsburgs verschwand 1867 der nahe Alte Einlass. 1876 wurden ein großer städtischer Kornstadel südlich des Stifts und weitere Gebäude abgebrochen, um Platz für ein neues Stadttheater zu schaffen. Bei den Abbrüchen beließ man unter dem Bodenniveau viel altes Gemäuer. Die Archäologen erforschten 2019 die historischen Reste vor dem Theater-Betriebsgebäude. Sie setzen ihre Arbeit unter dem vierstöckigen Gebäude nach dessen Abbruch fort.

Es steht auf dem Grund des Chorherren-Stifts. Der Weingroßhändler Franz Xaver Wiedemann hatte 1888 einen Stiftstrakt gekauft und abbrechen lassen – aber nur oberirdisch. Auf den massiven alten Fundamenten ließ er ein Wohnhaus mit Weinhandlung bauen. So blieb der tiefe Stiftskeller erhalten. Darüber ließ der Händler ein weiteres Kellergeschoss als Weinlager errichten.

1938 erwarb die Stadt das mit dem Theater-Requisitenmagazin verbundene vierstöckige Haus und ließ es zum Betriebsgebäude für die Theaterverwaltung umbauen. Im Februar 1944 brannte es zusammen mit dem Theater, dem Kulissenlager und den Theater-Werkstätten aus. Außenmauern und Kellergeschosse blieben wie beim Theater erhalten. 1952 begann der Wiederaufbau des Betriebsgebäudes. Dabei wurde viel alte Bausubstanz wiederverwendet.

Eine "Black-Box" als kleine Spielstätte

Jetzt macht das Gebäude einem Neubau Platz. Die historischen Gewölbekeller sind nicht in den Neubau integrierbar. Sie müssen aus statischen und funktionalen Gründen beseitigt werden. Im Nachfolgebau ist im Kellergeschoss eine Fläche zur Einrichtung einer „Black Box“ als kleine Spielstätte für das Staatstheater vorgesehen – als neuzeitlicher Ersatz für den Hoffmann-Keller.

Frühere Folgen des Augsburg-Albums finden Sie hier.

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