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Porträt

06.02.2015

Eisbrecher stößt nach vorne durch

Die Rockband steigt mit ihrem Album „Schock“ sensationell auf Platz zwei in die Charts ein. Ihren charismatischen Augsburger Sänger Alexx Wesselsky überrascht das nicht

Der Riese in der schwarzen Jeans und gleichfarbigem T-Shirt mit „Eisbrecher“-Eigenwerbung erinnert auf den ersten Blick an den Grafen von „Unheilig“. Er hat ebenfalls eine markante Glatze, aber eine ungleich lässigere und humorvollere Ausstrahlung. Und er plaudert gerne – mit Niveau. In gemütlichem Oberbayerisch grüßt Alexx Wesselsky (er wuchs in Fürstenfeldbruck auf) und beginnt zu erzählen, spricht über seine Kindheit, seine Fernsehkarriere, seine Bands, spricht über Texte, über die moderne Gesellschaft und sein großes Ziel: ein Nummer-Eins-Album zu veröffentlichen.

Mit dem „Unheilig“-Grafen verbindet den gebürtigen Augsburger Alexx Wesselsky übrigens auch eine langjährige Bekanntschaft und die Fan-Basis im Lager der Gothic-Fans. Während der eine aber seinem Musikstil weitgehend treu blieb, beschloss der andere vor Jahren – und mit großem Erfolg – im großen Tümpel der Schlagerfans zu fischen.

Nun stößt auch der Sänger und Frontmann der Band „Eisbrecher“ fast bis ganz nach vorne, sozusagen in die Helene-Fischer-Region der Hitparade durch, wo gerne auch mal nur geträllert wird. Mit der Nummer Eins hat es dieser Tage zwar noch nicht geklappt, aber das neue Album der Rockband stieg sensationell auf Platz zwei der deutschen Album-Charts ein. Wesselsky & Co., so scheint es, sind gerade so richtig am Durchstarten.

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Der 46-Jährige selbst ist jedoch vom aktuellen Erfolg keineswegs überrascht: „Mit uns geht es ja schon seit Jahren stetig aufwärts.“ Und in der Tat: 2010 landete „Eisbrecher“ mit „Eiszeit“ auf dem fünften, zwei Jahre später mit „Die Hölle muss warten“ auf dem dritten und jetzt mit „Schock“ noch einen Platz weiter vorne. „Das war durchaus so geplant“, betont Wesselsky, der neben einem Geschichts- und Deutschstudium auch eine abgeschlossene Ausbildung als Medienmarketing-Fachwirt hat.

Der Sänger und Texter und sein alter Kumpel Jochen Seibert alias Noel Pix, die beiden Köpfe der Band, hatten eigentlich sogar die Chartspitze angepeilt, sie aber knapp verfehlt. Der deutsche Rapper „Favorite“ war in dieser Woche mit „Neues von Gott“ noch einen Tick erfolgreicher. Doch auch das „Eisbrecher“-Album hat vieles, das musikalischen Ruhm garantiert: Sehr einprägsame Refrains und Hooklines, also Melodienphrasen, abwechslungsreiche Lieder und eine hohe Aufnahmequalität. Im Vordergrund steht Wesselskys tiefe, charismatische Stimme, die Pix’ Kompositionen perfekt in Szene setzen. Mit harten Gitarrensounds und dynamischen Elektroklängen lässt es „Eisbrecher“, stilistisch übrigens schwer einzuordnen, so richtig gewittern.

Die Texte haben, um in der „Eisbrecher“-Metapher zu bleiben, durchaus Tiefgang und unterscheiden sich von anderen der Rockszene durch ihre klaren Aussagen. Ob „Volle Kraft voraus“ oder „1000 Narben“ , oft haben sie auch autobiografischen Hintergrund. Denn obwohl er musikalisch schon 20 Jahre relativ erfolgreich ist, hatte Wesselsky auch eine Zeit erlebt, in dem es das Schicksal nicht so gut mit ihm meinte. Als er sich beispielsweise 2003 wegen künstlerischer Differenzen von der Münchner Band „Megaherz“ trennte, stand er „kurzzeitig vor dem Nichts“. „Ich muss aber auch sagen, man darf nicht in einer Rockband spielen, wenn man die Hosen voll hat. Da brauchst du schon Eier aus Stahl.“ Klingt ein wenig nach Macho. Aber aus dem Zitat ließe sich der Titel fürs nächste Album destillieren.

Wer sich nun denkt, irgendwie kommt mir der Typ mit der Glatze auch aus der Glotze bekannt vor, dem sei gesagt: Wesselsky, der in Langweid im Landkreis Augsburg lebt, hat auch schon eine Parallel-Karriere als TV-Moderator hinter sich: Er war „Der Checker“ in der gleichnamigen Sendung beim Privatsender DMAX, in der Gebrauchtwagen überprüft und gewartet werden. Eine Beschäftigung, die ihm „durchaus gefallen“ hat.

Obwohl er sich einen TV-Job auch künftig vorstellen kann, muss Alexx Wesselsky mit „Eisbrecher“ nun erst einmal auf der Live-Bühne ran. Für Deutschlands derzeit erfolgreichste Rockband stehen jede Menge Konzerte an. spielt sie im Zenith in München. Und der Rock-Entertainer schwärmt schon vorab: „Da wird halb Langweid anreisen.“

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