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Wertingen

13.08.2011

Ekelfleisch: Metzger wehrt sich gegen Berufsverbot

Die leer stehenden Gebäude der früheren Firma Wertfleisch in Wertingen-Geratshofen.
Foto: Foto: Wandschneider

Ein 60-Jähriger, der wegen des Vertriebs von Ekelfleisch verurteilt wurde, will seinen Gewerbeschein zurück. Eine frühere Strafe wurde aus dem Strafregister getilgt.

Die Hoffnung von Alfred Schneid, Stadtrat in Wertingen und Vize-Landrat, mit dem Urteil im Ekelfleisch-Skandal von dieser Woche sei es endgültig vorbei mit den negativen Schlagzeilen für seine Heimatstadt, wird wohl nicht in Erfüllung gehen. Der Fleischfabrikant Wolfgang L., gerade wegen gewerbsmäßigen Betrugs vom Landgericht zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, hat bereits signalisiert, er wolle seine Fleischgeschäfte wieder aufnehmen. Der 60-Jährige will dies, wie er unserer Zeitung sagte, mit juristischen Mitteln durchsetzen.

Das Landratsamt Dillingen hatte 2007 Wolfgang L., wie auch Jahre zuvor seinem verurteilten Vater Günther, den Gewerbeschein entzogen. Das Verbot erstreckt sich zugleich auf seine Ehefrau, die für Wolfgang L. als „Strohfrau“ bei der inzwischen geschlossenen „Wertfleisch GmbH“ die Geschäfte geführt hatte.

Dagegen hat die Familie L. schon vor längerer Zeit Klage beim Augsburger Verwaltungsgericht eingereicht, was ein Sprecher bestätigte. Wegen des ungewissen Ausgangs des Strafverfahrens ruhte die Klage bisher. Ein dauerhafter Entzug der Gewerbeerlaubnis käme für Wolfgang L., einem gelernten Metzger, praktisch einem lebenslangen Berufsverbot gleich. Die juristischen Hürden dafür sind jedoch hoch. Zumal der Fleisch- und Wurstfabrikant für die Justiz als nicht vorbestraft gelten muss. Gerade den älteren Bewohnern des Landkreises Dillingen dürfte das seltsam vorkommen, erinnern sie sich doch anders.

Tatsächlich hat Wolfgang L. wie auch sein Vater bereits vor 20 Jahren wegen verbotener Fleischgeschäfte schon einmal auf der Anklagebank gesessen. Wegen Subventionsbetrug, Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung musste der damals 41-Jährige eine mehr als zweijährige Haftstrafe verbüßen. Doch davon ist im aktuellen Zentralregister nichts mehr zu lesen. Die Strafen werden dort je nach Schwere der Tat nach bestimmten Fristen wieder gelöscht. Im Falle von Wolfgang L. ist dies im Sommer 2010 geschehen.

So gesehen hat Wolfgang L., auch wenn er demnächst ins Gefängnis muss, doppeltes Glück gehabt. Zum einen wäre seine Haftstrafe, da er wegen ähnlicher Delikte bereits verurteilt ist, sonst höher ausgefallen. Und Wolfgang L. profitierte noch aus einem anderen Grund davon, dass er als Angeklagter vier Jahre auf seinen Prozess warten musste – Folge der Überlastung der Richter am Landgericht. Die Strafkammer führte die „überlange Verfahrensdauer“ als dafür Grund an, weshalb sie dem Unternehmer einen dreimonatigen Strafrabatt gewähren musste. Seine Haftzeit wird sich deswegen auf 21 Monate verkürzen.

Vom Gammelfleisch-Vorwurf blieb nur wenig übrig

 

Von dem Vorwurf, „Gammelfleisch“ verkauft zu haben, blieb im Prozess wenig übrig. Was auch an „erheblichen Ermittlungsdefiziten“ liegen dürfte, die der Vorsitzende Richter Wolfgang Natale ansprach.

Dennoch, Gericht wie Staatsanwalt waren am Ende der Beweisaufnahme überzeugt, von den verkauften 130 Tonnen sei wohl das meiste nur in den falschen Kühlhäusern gelagert gewesen, die keine EU-Zulassung hatten.

Schon aus formalen Gründen war das Fleisch daher in die Kategorie 3 zurückgestuft worden. Das bedeutet: nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet. Möglicherweise hätten zumindest jene 40 Tonnen Fleisch nicht auf den Teller kommen dürfen, die in Berlin als Döner verzehrt worden sind.

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