Newsticker

RKI meldet 18.633 Neuinfektionen und 410 weitere Todesfälle
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Eklat im Prozess um den Macheten-Angreifer vom Univiertel

Augsburg

20.11.2020

Eklat im Prozess um den Macheten-Angreifer vom Univiertel

Ein 27-jähriger Mann aus Augsburg hat Ende März eine Frau im Univiertel mit einer Machete angegriffen. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot und Spezialkräften an.
Bild: Silvio Wyszengrad (Archivbild)

Plus Ein 27-Jähriger ging im Univiertel mit einer Machete auf einen Bus und eine Autofahrerin los. Bei der Vernehmung seiner Schwester im Prozess gibt es Ungereimtheiten.

Der 27-jährige Student, der Ende März im Alten Postweg mit einer Axt und einer Machete einen Linienbus attackierte und danach eine Autofahrerin angriff, ehe er von einem Anwohner überwältigt wurde, hatte zur Tatzeit weder Drogen, Medikamente noch Alkohol im Blut. Dies ergab ein toxikologisches Gutachten, das gestern im Prozess gegen den Studenten vor dem Landgericht vorgetragen wurde. Der 27-Jährige ist des versuchten Totschlags in zwei Fällen angeklagt. Wie berichtet, soll der Angeklagte in einer drogeninduzierten psychischen Ausnahmesituation gehandelt haben, nachdem er sich von Geheimdiensten, Flugzeugen und Helikoptern verfolgt gefühlt hatte.

Der Münchner Rechtsmediziner Florian Fischer schilderte dem Schwurgericht, wie er den Angeklagten am Nachmittag des Tattages in einer Arrestzelle des Polizeipräsidiums untersuchte. Wie ein getriebenes Tier sei der Angeklagte in der Zelle hin- und hergelaufen, habe mit der Faust gegen die Wand geschlagen. Er habe in arabischer Sprache Koranverse zitiert, gesungen und mit dem Körper gewippt. Den Zustand des Studenten damals bezeichnete der Gutachter als „hochpsychotisch und wahnhaft“.

Prozess: Das geschah bei dem Macheten-Angriff im Augsburger Univiertel

Am selben Tag hatte der Rechtsmediziner auch den Anwohner untersucht, der den Angeklagten überwältigt hatte. Bei der Rangelei hatte der Zeuge zwei heftige Verletzungen erlitten – einmal eine Wunde quer über die Stirn und eine Bisswunde am rechten Oberarm. Die Stirnverletzung sei mit scharfer Gewalteinwirkung erfolgt und mit einem Machetenschlag in Einklang zu bringen, sagte der Gutachter. Der Biss am Oberarm sei sehr wuchtig gewesen, dabei sei die Lederhaut durchdrungen worden, was selten bei einem Biss vorkomme.

Anwohner Igor Hübner rang den Macheten-Mann im Univiertel nieder.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Vernehmung der älteren Schwester des aus Tunesien stammenden Angeklagten endete mit einem kleinen Eklat. Die 29-Jährige, die ohne Dolmetscher in deutscher Sprache gehört wurde, erklärte sich bereit, trotz des ihr zustehenden Zeugnisverweigerungsrechts auszusagen. Als sie immer wieder erklärte, ihr Bruder sei bis zuletzt „ganz normal“ gewesen, hielt ihr die Gerichtsvorsitzende Susanne Riedl-Mitterwieser ihre Aussage vor der Kripo vor, die damals ebenfalls ohne Hilfe eines Dolmetschers aufgenommen worden war. Dabei hatte die Schwester ausgesagt, dass ihr Bruder schon Anfang 2019 psychisch auffällig gewesen sei. So soll er einmal gesagt haben: „Du wirst sehen, du wirst einen Bruder haben, der gestorben ist."

Eklat beim Prozess um den Macheten-Angriff im Augsburger Univiertel

Die Zeugin bestritt dann, bei der Kripo angegeben zu haben, dass ihr Vater nach Augsburg gekommen sei, weil sich ihr Bruder verfolgt gefühlt habe. „Das habe ich nicht gesagt“, behauptete die Zeugin nun. Was Richterin Riedl-Mitterwieser zu der Rüge veranlasste: „Sie versuchen, ihren Bruder zu schonen.“ Die Situation eskalierte, als die Vorsitzende die Zeugin fragte, ob der Anwalt ihres Bruders ihr nicht geraten habe, ihre Aussage zu ändern, damit ihr Bruder nicht in die Psychiatrie käme. Anwalt Werner Rusinger, Verteidiger des Angeklagten, reagierte darauf äußerst verärgert mit dem Ausruf „Unverschämtheit“.

 

Der Anwalt war der Ansicht, die Zeugin verstehe die Bedeutung der juristischen Fragen überhaupt nicht und benötige einen Dolmetscher. Das Gericht ordnete daraufhin an, dass die Schwester noch einmal vor Gericht erscheinen muss, sie dann aber einen Dolmetscher für die tunesische Sprache und einen Anwalt als Zeugenbeistand zur Seite gestellt bekomme. Das Gericht wird sie am kommenden Mittwoch, 25. November, 9 Uhr, noch einmal hören. Als Angehörige des Angeklagten kann die Frau aber vor Gericht auch schweigen.

Angeklagter verbreitet Handy-Video über Facebook

In der Tatnacht hatte der Angeklagte ein von ihm gedrehtes Handy-Video über Facebook ins Internet hochgeladen. Darin redet er teils wirr, kündigt an, sein Herz werde bald aufhören zu schlagen, er sei vielleicht verrückt geworden. Zu seinen persönlichen Verhältnissen sagte der Student gestern, er sei 2013 mit 19 Jahren aus Tunesien nach Deutschland gekommen und habe nach einem erfolgreichen Sprachkurs in Freiburg in Augsburg Mechatronik studiert. Geld habe er durch einen Job bei einem Sicherheitsdienst verdient. Der Prozess wird fortgesetzt.

Hören Sie sich dazu auch unsere Podcastfolge über spannende Kriminalfälle in Augsburg an:

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren