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Gesellschaft

24.06.2017

Endspurt im Ramadan

Fastenbrechen mit Bulgur und Eintopf: Nach Sonnenuntergang gibt es feierliche Abendessen.
Bild: Peter Fastl

Wenn die Sonne untergeht, veranstalten muslimische Gemeinden Empfänge mit Abendessen. Ein Besuch bei einer der letzten dieser Feiern, denn das Fasten geht zu Ende

Selbstdisziplin. Fasten. 18 Stunden lang Enthaltsamkeit zwischen Sonnenauf- und -untergang. Pünktlich um 21.28 Uhr ruft der Imam der Cagri-Moschee am Donnerstag zum Abendgebet, nach dem das erste Wasser des Tages getrunken und die erste Dattel gegessen werden darf. Während die Männer sich oben in dem frisch renovierten, ringsum blau gekachelten Gebetsraum hinter dem Prediger versammeln, bereiten Yahya und andere Freiwillige unten alles für die Essensausgabe vor.

Bulgur, Joghurtsuppe und Eintopf mit Hackfleisch dampfen in den großen Töpfen vor sich hin. Daneben honigsüßes Baklava und natürlich Datteln. Das Geld für das heutige Iftar-Mahl haben zwei Familien gespendet. Gekocht wurde in der moscheeeigenen Küche. Auch die Sponsoren der anderen 28 Rama-dantage sind auf der Liste an der Wand vermerkt, beinahe für jeden Abend stehen dort zwei oder drei Namen.

Zehn Minuten später strömen die Männer in die kleine Kantine. Etwa 100 sind es heute, 15 Frauen und Mädchen haben im Raum nebenan das Gebet verrichtet und trinken und essen dort. Heute, an einem Werktag, kämen nicht so viele wie am Wochenende, erzählt Yahya. „Von Freitag bis Sonntag versorgen wir jeden Tag etwa 200 Leute, da sind Inder dabei, Pakistani, Syrer, Afrikaner, Indonesier – sehr international.“

Im Ramadan-Endspurt laden verschiedene Gemeinden traditionell auch die nichtmuslimische Öffentlichkeit ein. An einem solchen abendlichen „Iftar“ der Kammgarnmoschee, die an den Ramadan-Wochenenden etwa 600 Menschen bewirtet, nahm etwa die Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr (SPD) teil. Die Katzenstadl-Moschee lud eine Abordnung der Polizei ein und an einem weiteren Abend neben den eigenen Gemeindemitgliedern auch den Migrationsreferenten Reiner Erben. Beide Moscheevereine gehören dem staatlich-türkischen Dachverband Ditib an.

In der neuen Baitun Naseer-Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde brachen nach Auskunft des Sprechers Asif Mahmoud jeden Abend etwa 50, an den Wochenendtagen bis zu 180 Menschen das Fasten. Am Freitag lud auch die Ahmadiyya zu einem öffentlichen Empfang. Der Verein Frohsinn, der zur Gülen-Bewegung gehört, betreibt keine Moschee, lud aber in dieser Woche ebenfalls zu einem gemeinsamen Fastenbrechen. Etwa 60 Menschen folgten der Einladung in den Kolpingsaal.

Am Donnerstag wurden die Muslime ihrerseits eingeladen. Erstmals richtete die Landtagsfraktion der SPD ihren Ramadanempfang nicht in München oder Nürnberg, sondern in Augsburg aus. Unter den etwa 70 Gästen im Biergarten des Nehir im Thelottviertel waren der Augsburger Stadtrat Hüseyin Yalçin (SPD), die Leiterin des Migrationsbüros, Margret Spohn, Aykan Inan, Vorsitzender des Ditib-Landesverbandes Südbayern, und Mehmet Mert, Vorstandmitglied der Bayernsektion der Union europäisch- türkischer Demokraten (UETD). Die UETD ist die Auslandsorganisation der türkischen Regierungspartei AKP. Von den muslimischen Vereinen Augsburgs nahmen unter anderem Frohsinn-Geschäftsführer Mustafa Güngör sowie Tefçi Selim vom Vorstand der Kammgarn-Moschee teil.

Der heutige Samstag ist der letzte Fasten-Tag. Jetzt wird drei Tage lang „Id al Fitr“ gefeiert, im Volksmund auch „Zuckerfest“ genannt.

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