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Augsburg

28.02.2019

Energiekarawane macht Halt in Kriegshaber

Nur knapp jeder zehnte Kriegshaberer Hauseigentümer hat auf das jüngste Beratungsangebot reagiert. Dabei wäre in vielen Fällen einiges an Wärmeerhaltung herauszuholen und an Kosten zu sparen.

Christoph und Marion Gutmann haben mit dem Energiesparen ernst gemacht. Schon in den vergangenen Jahren haben sie eine Fotovoltaikanlage (Solarstrom) auf dem Dach ihres Hauses in Kriegshaber installieren und die Fassade fachgerecht isolieren lassen. Nur die hochwertigen, fast 30 Jahre alten Fenster mit Mahagonirahmen haben die Gutmanns bisher nicht ausgetauscht, weil sie noch intakt sind.

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Im vergangenen Jahr erhielten sie, wie andere Hausbesitzer in Kriegshaber auch, einen Brief von der Stadt, in dem ihnen eine erste, kostenlose Energiespar-Beratung angeboten wurde. Im Rahmen der sogenannten „Karawane der Berater“ bietet die Stadt an, dass ausgewiesene Experten die Häuser auf Möglichkeiten zur Energieeinsparung untersuchen und fundierte Ratschläge zu effektiven Maßnahmen geben. Sie weisen auch auf Hilfen bei der Finanzierung durch Zuschüsse und günstige Kredite hin.

Längst nicht alle Hausbesitzer nehmen das Angebot an. In Kriegshaber reagierten von 400 Angeschriebenen nur 35. Sie erhielten Besuch von freiberuflichen Beratern. Die informieren neutral und vertreten keine Interessen von Herstellern, die oft auch Energieberatungen anbieten.

Energiekarawane macht Halt in Kriegshaber

Nur die Fenster stören noch das gute Ergebnis

Begonnen hatte die Aktion, die nach und nach jeden Stadtteil erfasst, vor zwei Jahren in Haunstetten. „Ziel der Aktion ist es, das Umweltbewusstsein zu steigern und in Zusammenarbeit mit den Hausbesitzern Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man Energie sparen kann. Natürlich kostet das zunächst Geld, und man muss rechnen, wann sich die Ausgaben amortisieren“, erklärte Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben bei der Übergabe der Beratungsergebnisse an Christoph Gutmann.

Erstmals wurden die Häuser in Kriegshaber auch mit einer Wärmebildkamera fotografiert. Sie spürt auch kleine Schwachstellen in den Hausfassaden auf. Wie zu erwarten war, stören in Gutmanns Haus nur die Fenster das ansonsten gute Ergebnis. Selbst das Dach, in dem noch die vom früheren Besitzer eingebaute Dämmung verbaut ist, erwies sich nicht als Wärmeschleuder.

Vier Jahre später war die Fassade dran

Für den Hausbesitzer ist die Thermografieaufnahme der Beweis, dass er auf dem richtigen Weg ist. „Wir haben im Jahr 2012 die Fotovoltaikanlage installieren lassen. Einen Teil des erzeugten Stroms speist sie ins Netz der Stadtwerke ein. Vier Jahre später war die Fassade dran, und wir planen, bald auch die Fenster auszutauschen“, berichtete er. Der Erfolg: Die Kosten für Heizung und Strom seien spürbar gesunken. „Allein das macht die Investitionen auf Dauer rentabel“, verweist er auf den finanziellen Vorteil.

Bei allen Baumaßnehmen seien Leute aus dem Viertel gekommen, um die Arbeiten zu beobachten und zu fragen, was sie kosten und welche Vorteile sie bringen. „Selber damit angefangen hat meines Wissens aber noch keiner. Dabei werden die Preise für Dämmstoffe, Strom und Gas in Zukunft spürbar steigen. Das macht heutige Investitionen noch rentabler.“

Vom Schutz für die Umwelt und das Klima einmal ganz abgesehen sei damit das Argument der hohen Kosten für Energiesparmaßnahmen widerlegt.

Die Meinung, dass Fassadendämmung und Isolierfenster zu giftigem Schimmelbefall in Haus führen könnten und man daher durch häufiges Lüften viel Energie verschleudere, hält der Energieberater Rudolf Widmann für „Stammtischgeschwätz“. Seit die Fassade gedämmt sei, berichteten die Gutmanns von einer angenehmeren Wohnatmosphäre im Haus. So habe selbst in den brütend heißen Wochen des letzten Sommers stets eine angenehme Temperatur in den Räumen geherrscht.

Von den Hausbesitzern, die bisher bei der kostenlosen Energieberatung mitgemacht haben, hätten laut Erben zwei Drittel ein Jahr später berichtet, dass sie bereits mit der Umsetzung der Ratschläge begonnen oder zumindest geplant hätten. Er verwies auch darauf, dass der Bund für eine zweite Beratung entsprechende Zuschüsse zahle. Außerdem könnten Hausbesitzer von verschiedenen Stellen besonders günstige Kredite und Zuschüsse für Energiesparmaßnehmen erhalten. Auch dadurch werde das Energiesparen rentabler.

Christoph Gutmann ist sich sicher, dass die Resonanz auf Aktionen wie die Energiekarawane mehr Erfolg hätten, wenn man mehr auf den Nutzen der Investitionen als auf das Bewusstsein für den Umweltschutz setzen würde. Der interessiere viele Menschen nicht so sehr.

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