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Region Augsburg

14.12.2017

Energiewende: Flaute bei der Windkraft in der Region

Der Windpark Brugger liegt an der Autobahn A8 bei Odelzhausen auf Grundeigentum der Stadt Augsburg und ist eine der größeren Anlagen hierzulande. Die Kommunalpolitiker der Region Augsburg haben gestern beschlossen, dass der Ausbau der Windkraft nicht mehr weiter forciert wird.
Bild: Erich Echter (Archiv)

Im Großraum Augsburg stehen aktuell gerade mal zwei Dutzend Windräder. Ein weiterer Ausbau wird schwierig. Kritiker sprechen von einer „Verhinderungspolitik“.

Im Großraum Augsburg und Nordschwaben wird der Platz für neue Windräder knapp: Die Stadt Augsburg und die Kreise Aichach-Friedberg, Augsburg, Dillingen und Donau-Ries haben in einer überörtlichen Planung nur noch eine Handvoll an Gebieten festgelegt, an denen Windräder konzentriert werden könnten. Aus Gründen des Naturschutzes fielen mehrere vorgesehene Standorte weg. Im Raum Augsburg gibt es nur noch zwei mögliche Gebiete bei Griesbeckerzell und Untermauerbach im Wittelsbacher Land, die restlichen Standorte sind auf Nordschwaben verteilt.

In den vergangenen Jahren hatte es in der Region einen stetigen Ausbau an Windenergie gegeben. Bei Zusmarshausen und Langenreichen (Kreis Augsburg) entstanden Windräder, ebenso im Bereich Friedberg und Blumenthal (Kreis Aichach-Friedberg). Bei Baar nahe Thierhaupten sind aktuell zwei weitere Räder kurz vor der Inbetriebnahme. Das sind zusammengerechnet in Stadt und Kreisen exakt 18 Anlagen – ein paar sind es, wenn man die landkreis-überschreitenden Windparks berücksichtigt. Doch das Ziel ist ein höheres: Im Raum Augsburg wurde vor Jahren im Zuge des regionalen Klimaschutzkonzeptes beschlossen, dass bis zum Jahr 2030 77 Windräder das Ziel sind. Statistisch wären das 3,5 neue Anlagen pro Jahr. Danach sieht es nicht mehr aus. Die Stadt- und Kreisräte beschlossen gestern im Regionalen Planungsverband ein neues Konzept. Es soll die Ansiedlung von Windrädern steuern und über die Ausweisung von Vorranggebieten die Konzentration an bestimmten Standorten fördern. So soll eine flächendeckende „Verspargelung“ verhindert werden.

Kontroversen um Abstand

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Wie berichtet hatte es dazu im Vorfeld Kontroversen gegeben. Weil nämlich aus Gründen des Naturschutzes, etwa wegen Vögeln, kaum noch Standorte übrig blieben, regte die Regierung von Schwaben an, den bisher im Entwurf festgelegten Mindestabstand von Windrad-Gebieten zur nächsten Wohnbebauung von 2000 auf 1500 Meter zu reduzieren. Doch dagegen stimmte die Mehrheit der Politiker. Sie argumentierte, dass das nur auf dem Papier etwas bringe. Denn die in Bayern gültige 10h-Regel besagt, dass die Höhe eines Windrads maximal ein Zehntel des Abstands zur nächsten Ortschaft betragen darf – bei 1500 Metern Abstand wären das 150 Meter Höhe. Das sei bei neuen Anlagen aber nicht mehr der Standard, weil diese höher seien. Grüne und Bund Naturschutz beklagten deshalb eine „Verhinderungspolitik“: Die allseits geforderte Energiewende werde konterkariert.

Eine Rolle dürfte beim Festhalten am größeren Mindestabstand aber auch gespielt haben, dass Windräder sich vor Ort oft nur mäßiger Beliebtheit erfreuen. Gegen die gestern beschlossene Vorlage, bei Kaisheim ein Vorranggebiet auszuweisen, gibt es vor Ort Widerstand.

Kritik von den Grünen

Die neue Planung ging gestern mit 16:6-Stimmen durch. Die Augsburger Grünen-Stadträtin Stephanie Schuhknecht kritisierte, dass damit ein weiterer Ausbau der Windkraft schwierig sei. Andere Planungsverbände in Bayern hätten als Mindestabstand zur nächsten Ortschaft nur 800 bis 1000 Meter vorgeschrieben. „So eine Planung wie hier kann man sich sparen.“ Auf den jetzt ausgewiesenen Flächen bekomme man nur mehr acht Windräder unter.

Allerdings macht der Regionalplan, wenn er von der Regierung so bestätigt wird, Windräder außerhalb der Vorrang- und Vorbehaltsgebiete nicht unmöglich. Denn die Entscheidung liegt bei den Gemeinden. Der Regionalplan ist eher als Rahmen zu sehen, der auch Investoren einen Fingerzeig gibt, wo Windräder überhaupt infrage kommen. Bisher galten weite Teile Nordschwabens als Ausschlussgebiet, was künftig (mit Ausnahme des Nördlinger Rieses) nicht mehr der Fall ist. Allerdings dürften sich über die im Regionalplan behandelten Areale hinaus kaum Potenziale für größere Flächen finden lassen, auf denen gleich mehrere Windräder aufgestellt werden können.

Die Stadt Augsburg hat in ihrem Windkraft-Konzept die Hochterrasse zwischen Lech und Wertach nahe Inningen 2012 grundsätzlich als möglichen Standort für ein Windrad benannt. Bislang klopfte aber kein Investor an, was wohl auch daran liegt, dass die Windstärke in diesem Bereich eher mäßig ist.

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