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Ehrenamt

10.07.2013

Er floh aus dem Iran, jetzt hilft er Flüchtlingen

Auch so kann die Hilfe von „Tür an Tür“ aussehen: Reza Dabiri (rechts) unterrichtet Ali Reza Jafari in Deutsch.
Bild: Daniela Fischer

Reza Dabiri bringt Asylbewerbern Deutsch bei. Der studierte Chemiker will der Gesellschaft so etwas zurückgeben

Reza Dabiri ist sehr geduldig. Er sitzt auf der Tischkante und blickt dabei seinem Schüler Ali Reza Jafari über die Schulter. Gemeinsam gehen sie einen Text auf Deutsch durch. Jafari liest laut vor. Dabei stolpert der 22-jährige Afghane immer wieder über unbekannte Vokabeln. Worte, die er nicht kennt, erklärt ihm sein Lehrer auf Persisch. Jafari spricht fünf Sprachen fließend. Aber Deutsch falle ihm sehr schwer, erzählt er. Beim Lernen der hilft ihm sein Lehrer Dabiri.

„Ich habe so viel Unterstützung erhalten. Mit meiner Arbeit gebe ich der Gesellschaft etwas zurück“, sagt Dabiri. Seit eineinhalb Jahren engagiert er sich ehrenamtlich in Augsburg, erteilt Deutschunterricht für Flüchtlinge aus Afghanistan. Er begleitet sie zu Behörden und übersetzt. Die Arbeit mache ihn glücklich: „Wenn meine Schüler motiviert sind, blühe ich richtig auf.“

2011 traf er auf Gabriele Schießel. Wer sich sozial engagieren möchte, findet bei ihr Rat. Im Freiwilligen-Zentrum berät sie Interessierte bei der Suche nach einem Ehrenamt. Bevor der 45-Jährige nach Augsburg kam, unterrichtete er bereits in Nürnberg. Schießel half ihm dabei, das passende Engagement für sich zu finden: die Mitarbeit im Verein „Tür an Tür“. Dessen Projekt „First Steps“ unterstützt Asylsuchende bei ihren ersten Schritten in der neuen Heimat. Auch Dabiri suchte Asyl in Deutschland. Der Iraner verließ seine Heimat in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

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Nach der Aufenthaltserlaubnis holte er das Abitur nach

1986 entschied er, aus dem Iran zu fliehen. Dem damals 18-Jährigen stand der Militäreinsatz bevor – im ersten Golfkrieg. Die Angst davor führte ihn nach Deutschland. Er reiste alleine und niemand erwartete Dabiri in seiner neuen Heimat. Der 45-Jährige erinnert sich genau an den Tag seiner Ankunft: „Es war der 23. April 1986 – für mich wie ein zweiter Geburtstag.“ Er lebte mit weiteren 20 Jugendlichen in einem Wohnheim. In einer Hauptschule lernte er damals Deutsch. Der Schulrektor unterstützte ihn. Dessen Ratschlag hat Dabiri nicht vergessen: „Wenn du in Deutschland etwas werden willst, musst du die Sprache können.“ Nach der Aufenthaltserlaubnis holte er sein Abitur nach. 1989 begann er das Studium der Chemie und promovierte. Heute arbeitet er für ein amerikanisches Chemieunternehmen.

Der Wunsch, eine Familie zu gründen, führte ihn nach Bayern. Man müsse Prioritäten setzen, sagt Dabiri: „Auch ich habe viel zu tun. Aber das Ehrenamt ist mir wichtig. Dafür nehme ich mir die Zeit.“ Dabiri will der Gesellschaft etwas zurückgeben. Andere im Ehrenamt, so erzählt Schießel vom Freiwilligen-Zentrum, suchen den Kontakt zu ihren Mitmenschen. Oder sie sehen im Ehrenamt eine sinnvolle Freizeitgestaltung und eine gesellschaftliche Verantwortung. Der Anteil der Migranten im sozialen Engagement ist verhalten, wächst aber. 2010 hatten zehn Prozent der Engagierten im Freiwilligen-Zentrum einen Migrationshintergrund. Mitte dieses Jahres liegt der Anteil bei 15 Prozent. Zum Vergleich: Rund 40 Prozent der Augsburger haben ihre Wurzeln im Ausland.

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