1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Er prägte die Flüchtlingsarbeit in Augsburg

Augsburg

26.06.2019

Er prägte die Flüchtlingsarbeit in Augsburg

Simon Oschwald (links) ist künftiger Leiter des Referats Migration beim Diakonischen Werk Augsburg, er übernimmt die Position von Matthias Schopf-Emrich (in der Mitte). Pfarrer Fritz Graßmann würdigte das Wirken Schopf-Emrichs, der nach 27 Jahren bei der Asylsozialberatung in den Ruhestand geht.
Bild: Thomas Körner-Wilsdorf

Mehr als 27 Jahre war Matthias Schopf-Emrich bei der Asylsozialberatung des Diakonischen Werks Augsburg beschäftigt. Nun geht der 65-Jährige in den Ruhestand.

Für Pfarrer Fritz Graßmann, Theologischer Vorstand des Diakonischen Werks Augsburg, ist es nicht „irgendein“ Stellenwechsel. Das machte er in seiner Ansprache im Café von „Tür an Tür“ klar. Er verabschiedete einen Mitarbeiter in den Ruhestand, der es geschafft habe, eine Marke zu werden: Matthias Schopf-Emrich. „Wer in der Stadt könnte besser Auskunft geben? Wer könnte besser beraten? Wen würde man fragen, wie die Situation der Flüchtlinge in Augsburg ist?“, fragte er in die Runde von Arbeitskollegen, Wegbegleitern und Freunden, die sich persönlich von dem langjährigen Leiter des Referats Migration des Diakonischen Werks Augsburg (DWA) verabschiedeten.

Graßmann bezeichnete Schopf-Emrich als „Überzeugungstäter“, der sich bewusst für den Arbeitsbereich Migration entschieden habe, auch wenn er anderswo schneller Anerkennung hätte erhalten können. Im November 1991 begann Schopf-Emrich seine Laufbahn beim Diakonischen Werk. Der Sozialpädagoge stieg in die Beratung von Asylbewerbern ein. Im Dezember 2007 übernahm er die Leitung des Bereichs Migration. „Ich hatte eine Arbeitsstelle, die zu mir passt. Darüber bin ich sehr, sehr dankbar“, sagte der 65-Jährige sichtbar glücklich. Die Jahre 2012 bis 2018, die Zeit des großen Flüchtlingsstroms, hätten auch ihn viel Kraft gekostet. Er wisse, dass sich Angela Merkels Worte „Wir schaffen das“ so leicht dahergesagt anhörten.

Schopf-Emrich: "Wir wollen den Beweis antreten, das wir das lokal hinbekommen"

Doch Schopf-Emrich spornt diese Aussage der Bundeskanzlerin nach wie vor an. „Wir wollen den Beweis antreten, das wir das lokal hinbekommen.“ Deshalb wird es bei ihm auch nicht zum Bruch zwischen Arbeitsleben und Ruhestand kommen. Ganz aufhören will und kann der „Überzeugungstäter“, wie ihn Graßmann nennt, nicht: Matthias Schopf-Emrich wird weiterhin Sprechstunden in der Gemeinschaftsunterkunft Windprechtstraße anbieten. Das Thema Asyl liegt ihm einfach am Herzen. Da wird Schopf-Emrich auch gerne politisch. Gesetzesentwürfe machten ihn oft zornig, sagt er. „Ich bin gegen die Fokussierung von Abschiebezahlen.“ Vielmehr sollten Härte- und Langzeitfälle gelöst werden. Dieses Engagement würdigte Pfarrer Graßmann: „Eine Mission zu haben, so wie Sie, ist eine Gnade, die nur wenigen vergönnt ist.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) bedankte sich im Namen von Oberbürgermeister Kurt Gribl für Schopf-Emrichs „vorbildlichen Einsatz“. Wegbegleiter vom Diakonischen Werk als auch der Caritas und anderen Kooperationspartnern ergriffen das Wort.

Margot Laun von Tür an Tür stellte Schopf-Emrichs „Verantwortungsgefühl gegenüber denjenigen heraus, die ihm anvertraut sind“. Das zähle nicht nur für seinen Umgang mit geflüchteten Menschen, sondern auch für seine Mitarbeiter. Margot Laun: „Ihn zeichnen Verlässlichkeit, Geduld, eine ausgeglichene Art, Ausdauer, Kreativität und Hartnäckigkeit aus.“ Sein Mitstreiter Thomas Körner-Wilsdorf, der genauso wie Matthias Schopf-Emrich Vorstandsmitglied bei Tür an Tür ist, erzählte von vielen gemeinsamen Erlebnissen – etwa vom Kirchenasyl 1989. Sieben Männer aus Bangladesch, die in Augsburg lebten, sollten abgeschoben werden. Sie suchten, unterstützt von Ehrenamtlichen, Asyl in einer Kirche in Göggingen. Wenn er ihr Verhältnis beschreiben müsste, dann würde er es eine „Blutsbrüderschaft“ nennen, sagt Körner-Wilsdorf.

Schopf-Emrich übergab bei seiner Verabschiedung symbolisch einen Staffelstab an seinen Nachfolger Simon Oschwald, der die Stelle am 1. Juli antritt. „Er ist ein Eigengewächs der Diakonie“, stellte der 65-Jährige seinen Nachfolger vor. Bereits seit seinem Studium arbeite der 35-Jährige bei der DWA. Er werde seine Aufgabe mit „neuen Ideen und einem neuen Blick“ angehen. Flucht und Migration würden in der Region Augsburg weiterhin eine große Rolle spielen, daher liegt es dem gebürtigen Donauwörther am Herzen, für gute Rahmenbedingungen für Integration einzutreten, „damit Neuankommende mehr Möglichkeiten haben, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben“.

Von seinen Kollegen erhielt Schopf-Emrich einen Gutschein für ein Smartphone, gegen das er sich stets gewehrt hatte. Damit er künftig besser erreichbar sei, hieß es mit einem Augenzwinkern.

Lesen Sie auch: Die Flüchtlingsberatung stellt sich neu auf

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren