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30.12.2009

Er reist, um Leben zu retten

Seinen silberfarbenen Koffer lässt Christian Badtke nie aus den Augen, niemand darf ihn ungefragt in die Hand nehmen oder gar öffnen. Mit dem Handy verschickt er Codes, die angeben, wo er gerade ist und ob alles nach Plan funktioniert. Schnell muss es gehen, wenn er unterwegs ist. Was sich anhört wie eine Agententätigkeit in einem James-Bond-Film, kann das Leben eines Menschen retten: Christian Badtke ist Kurier von Knochenmark und Blutstammzellen in Europa und den Vereinigten Staaten. Etwa alle zwei Monate schlüpft der 28-jährige Lehramtsstudent in eine ungewöhnliche Rolle.

"Können Sie in zwei Wochen in die USA fliegen?" Ein Anruf mit dieser Frage ist für Badtke der Beginn eines neuen Auftrags. Dafür muss man flexibel sein, und das ist der junge Mann in den Semesterferien. Fünf Tage muss er einrechnen, wenn es über den Atlantik geht, innerhalb Deutschlands reichen manchmal auch zwei. In einer Münchner Firma, die die Kuriereinsätze koordiniert, erhält er eine Mappe mit den Unterlagen: Flugtickets, jede Menge Dokumente und den Spezialkoffer, in dem die Fracht gekühlt bleibt. Zu Hause heißt es packen: Reisepass, Kreditkarte und Handy. Viel darf nicht mit, für eine Gepäckabfertigung am Flughafen ist keine Zeit. Das Knochenmark oder die Blutstammzellen müssen so schnell wie möglich zu den Patienten gebracht werden.

Zuerst holt Badtke die Spende aus einer Klinik in Deutschland ab - in Dresden, Hameln oder Frankfurt. Mit dem wertvollen Inhalt im Koffer hat er es nicht immer leicht. "Ich trage jede Menge Verantwortung", sagt er. Nichts darf kaputt- oder verloren gehen. "Das ist jedes Mal eine Herausforderung." Und bedeutet jedes Mal neue Erlebnisse. Zum Beispiel, als er in den USA einmal beinahe nicht ins Flugzeug durfte. "Ich musste einchecken und die Frau am Schalter hatte Angst, mit Blut aus Europa führe ich eine Seuche ein." Eine Dreiviertelstunde später saß er dann doch im Flieger. Da sind neben Dokumenten vor allem Verhandlungsgeschick, Höflichkeit und Überzeugungsfähigkeit gefragt.

Nicht nur überzeugt, geradezu begeistert wirkt er von seiner Arbeit. Auch wenn er die Patienten - Leukämiekranke - nicht sieht und nichts über sie weiß, so spürt er im Krankenhaus doch, dass er mit seinen Botendiensten manchmal Leben rettet. Das merkt er auch unterwegs: "Manchmal erzählen mir Menschen, dass zum Beispiel ihre Oma durch eine Knochenmarkspende gesund geworden ist", berichtet er. "Dann weiß ich, was meine Arbeit bedeutet."

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Erleichtert ist Badtke jedes Mal, wenn er Blut oder Knochenmark abgegeben hat. Anspannung und Stress fallen ab, es geht jetzt nur noch um Unterschriften. Dann hat er ein paar Stunden Zeit, einen Eindruck von der Gegend zu bekommen, in der er gelandet ist. Denn der Student reist gern, lernt er doch dabei andere Menschen und Kulturen kennen. "Das hat mich unter anderem daran gereizt, als ich von einer Bekannten von den Kurieren erfahren habe." Und es ist ein guter Ausgleich zum Studium - und nicht eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. "Als Job ist das ungeeignet, wir bekommen nur eine Aufwandsentschädigung. Aber ich bin ein paar Tage woanders, das tut gut", sagt er. Auch wenn er, wieder zurück, meist erstmal erschöpft ins Bett fällt und lange schläft.

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet er mit ungebrochenem Engagement als Kurier. Ob es der 28-Jährige noch lange machen kann, ist allerdings fraglich. Im September beginnt sein Referendariat - Badtke wird Lehrer für Englisch und Sport. Da bleiben nur noch die Schulferien. Potenzieller Helfer bleibt er jedenfalls - er hat sich typisieren lassen und wird als Spender in der Knochenmarkspenderdatei geführt.

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