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12.03.2018

Er will auf die Gläubigen zugehen

Der neue Stadtpfarrer Benjamin Beck zelebrierte zur Amtseinführung seine erste Messe. Er freute sich, dass die Salvatorkirche in Nördlingen brechend voll war, obwohl an diesem Sonntag schon sieben Gottesdienste in der Pfarreiengemeinschaft abgehalten worden waren.
Bild: Ronald Hummel

Kirche Trotz etlicher Sonntags-Gottesdienste war die Salvatorkirche in Nördlingen zur Amtseinführung von Stadtpfarrer Benjamin Beck restlos voll

Nördlingen In einer prächtigen Zeremonie ist Nördlingens neuer Stadtpfarrer Benjamin Beck ins Amt eingeführt worden: Priester aus aller Welt, die derzeit in der Pfarreiengemeinschaft Dienst tun, über sechzig Ministranten und mehrere Fahnenabordnungen gingen dem Pfarrer beim Einzug in die Salvatorkirche voraus. Dekan Jürgen Eichler verlas die Ernennungsurkunde von Bischof Konrad Zdarsa und erneuerte das Versprechen, das Pfarrer Beck bei der Priesterweihe abgelegt hatte. Dann zog der Dekan mit ihm durch die Kirche und übergab ihm symbolisch die bedeutenden Orte: Am Taufstein erinnerte er ihn, die Gläubigen in dem zu bestärken, was sie bei der Taufe empfangen hatten und es ihnen selbst vorzuleben. Im Beichtstuhl gelte es, sie mit Gott zu versöhnen, am Ambo, dem Predigerpult, solle er verkünden, was er glaube und dann mit Leben erfüllen, was er verkünde. Der Volksaltar erinnere daran, dass die Liturgie Quelle alles kirchlichen Tuns ist, und auf dem erhöhten Vorstehersitz solle Pfarrer Beck bei der Leitung des Gottesdienstes bewusst sein, dass Christus hier an erster Stelle steht.

Diesen Gedanken intensivierte Pfarrer Beck in seiner Predigt: „Der Priester am Altar hat kein Gesicht“ und auch sonst solle das Angesicht Christi durch sein Gesicht scheinen. Bewusst ging er auf Schwächen und Sünden ein, vor denen der Priester nicht gefeit sei: „Es menschelt halt auch in der Kirche.“ Zeige ein Priester Schwäche, sei es an den Gläubigen, denen bei der Taufe ja ebenfalls das Priestertum geschenkt worden sei, ihn durch Gebet, Wort und Werk zu unterstützen und nach dem Vorbild von Christus heilen, versöhnen und neue Kraft zu schenken. Doch zunächst freue er sich auf viele anstehende Begegnungen: „Ich möchte mit jedem von Ihnen eine Tasse Kaffee oder Tee trinken – auch, wenn es Jahre dauert.“ Die Pastoralrats-Vorsitzende Susanne Winter schenkte dem Stadtpfarrer dazu symbolisch einen Stadtplan von Nördlingen und eine Landkarte der Umgebung, dass er den Weg in alle Gassen, Kirchen und Herzen finden möge.

Kirche als gesellschaftliche Stütze vor Ort

Beim anschließenden Stehempfang im Salvatorsaal bestätigte Oberbürgermeister Hermann Faul, dass Benjamin Beck schon den Weg ins Rathaus gefunden habe. Faul stellte fest, dass sich seine persönliche Ansicht von der Kirche als konkrete gesellschaftliche Stütze vor Ort mit Becks Motivation decke, die Menschen von der Taufe bis zum Sterbebett zu begleiten. Der Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange freute sich in Anlehnung an Becks Predigt, dass die Pfarreiengemeinschaft in relativ kurzer Zeit wieder ein Gesicht gefunden habe – das sei wichtig angesichts der Macht der Bürokratie in Deutschland, die auch den Glauben zu durchdringen und zu theoretisieren drohe. Der Plan, mit allen eine Tasse trinken zu wollen, sei sehr ehrgeizig, doch Lange selbst wolle sich auf jeden Fall die Zeit dafür nehmen. Er fand es bemerkenswert, dass der Donauwörther Beck nun ein Auto mit Nö-Kennzeichen fahre. Der evangelische Dekan Gerhard Wolfermann hatte schon die erste Dienstbesprechung und eine gemeinsame Einweihung mit dem katholischen Stadtpfarrer. Es bestehe kein Zweifel, dass das Klima von Respekt und Vertrauen, von dem die Ökumene im Raum Nördlingen geprägt sei, bestehen bleibe und beide Kirchen nach wie vor Hand in Hand arbeiten. Durch eine Bilderschau mit persönlichen Erläuterungen stellten sich alle Kirchen der Pfarreiengemeinschaft Nördlingen vor. Die Ministranten präsentierten symbolische Geschenke wie ein Brillenputztuch für guten Durchblick oder einen Mars-Riegel, falls der Pfarrer nach den Sternen greifen wolle.

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