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Geschichte

30.01.2018

Erinnerung an Augsburger NS-Opfer

Im Anschluss an die Gedenkfeier legten auch die Schüler, die zuvor die Lebensgeschichten Augsburger NS-Opfer vortrugen, im Gedenkraum für die NS-Opfer im Unteren Fletz Blumen nieder.
Bild: Peter Fastl

Am Holocaust-Gedenktag berichteten Mitglieder der Erinnerungswerkstatt und Schüler von Menschen, die von den Nationalsozialisten schikaniert, verhaftet und ermordet wurden

Einige von ihnen führten ein unauffälliges Leben. Manche waren wohlhabend und in Augsburg hoch angesehen, andere kamen auch mal mit dem Gesetz in Konflikt. Gemeinsam war allen diesen Bürgern, dass sie jüdischer Abstammung waren und in der nationalsozialistischen Diktatur schikaniert, verhaftet, deportiert und in Todeslagern umgebracht wurden. Zum Holocaust-Gedenktag wurde im Rathaus an acht solche Augsburger erinnert.

Schüler des Gymnasiums Maria Stern, des Maria-Theresia-Gymnasiums, des Paul-Klee-Gymnasiums (Gersthofen) und des Rudolf-Diesel-Gymnasiums hatten die Biografien teils gemeinsam mit der Erinnerungswerkstatt Augsburg erarbeitet und trugen sie im Oberen Fletz vor. Manche Lebensläufe ließen sich nur bruchstückhaft rekonstruieren. Händler und Fabrikanten büßten ihre Unternehmen im Zuge der sogenannten Arisierung ein; manche ließen die Machthaber sogar für eine angeblich bessere Behandlung im KZ bezahlen. Ihre Ermordung wurde verschleiert – die Behörden gaben natürliche Todesursachen an oder verschwiegen die Umstände ganz. Pfarrer Nikolaus Hueck von der Erinnerungswerkstatt verlas zu Beginn die Namen der ausgewählten Naziopfer: Eugen Fuchs, Leopold Götz, Adele Hirschmann, Leopold Friedrich Gutmann, Liberat Hotz, Luise Ellinger, Grete Franziska Arnold und Anna Arnold. Er sagte: „Wir gedenken heute aller Opfer des Nationalsozialismus; kein Mensch darf vergessen werden.“

Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) als Vertreter der Stadt sagte, Augsburg wolle Vielfalt leben und Unterschiede als Bereicherung verstehen. Es meldeten sich aber rückwärtsgewandter Nationalismus und intolerante Ideologie zurück. Angst, Vorurteile und Hass könnten immer noch benutzt werden, um die Leiter der Macht zu erklimmen. „Denen dürfen wir nicht das Feld überlassen“, mahnte Wurm. Die drei letztgenannten ermordeten Frauen gehören zu den Familien der Firma Kahn & Arnold, die 1885 die Spinnerei und Weberei am Sparrenlech und 1923 die Neue Augsburger Kattunfabrik übernahm und erfolgreich weiterführte. Eine Ausstellung über die beiden Familien ist derzeit im Textil- und Industriemuseum (tim) zu besichtigen. Die Feier wurde von Maja Martini, Violine, und Cornelius Müller, Klarinette, musikalisch umrahmt. Anschließend legten die Teilnehmer Blumen im Gedenkraum für die NS-Opfer nieder.

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