1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Erinnerungen aus Granit und Tuffstein

Grenzsteine

24.06.2014

Erinnerungen aus Granit und Tuffstein

Copy%20of%20Grenzstein_vor_1500_Anette_Mayer.tif
2 Bilder
Dieser Stein könnte das älteste erhaltene Grenzzeichen in Bayerisch-Schwaben sein.

Im Siebentischwald trafen drei Länder aufeinander. Die älteste Markierung stammt aus dem 15. Jahrhundert

Ein Dreiländereck befand sich einst am südlichen Rand des Siebentischwaldes zwischen Haunstetten und Siebenbrunn. Hier trafen die Territorien der Freien Reichsstadt Augsburg, des Kurfürstentums Bayern und des Reichsstifts St. Ulrich und Afra aufeinander. Die drei souveränen Staaten bestanden bis zur Ausrufung des bayerischen Königreiches im Jahr 1806. Das kurfürstliche Land westlich des Lechs, die Meringerau, war für Augsburg von enormer Bedeutung, da es sein Trinkwasser aus dortigen Quellen bezog. Dieses altbayerische Gebiet rührte daher, dass hier der Lech im frühen Mittelalter ein bis zwei Kilometer weiter westlich verlief.

Rund um das einstige Dreiländereck ist ein einzigartiges Grenzstein-Ensemble erhalten geblieben. In einer Entfernung von wenigen hundert Metern findet man verschiedene Steine der drei Staaten aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Die Werke aus Granit, Sandstein und Tuffstein stehen allesamt unter Denkmalschutz. Wappen, Insignien oder Initialen, wie „STU“ für das Reichsstift St. Ulrich und Afra oder „PFB“ für das Kurfürstentum Pfalz-Bayern, dokumentieren oft mit Jahreszahl den Grenzsteinsetzer und meist auch den angrenzenden Staat.

Das damalige Dreiländereck markiert heute die Nachbildung des kurfürstlichen Grenzsteins No. 2 aus dem Jahr 1785. Das 120 Zentimeter große Original mit dem kurfürstlichen Wappen sowie den Insignien des Reichsstifts St. Ulrich und Afra findet man im ehemaligen Rathaus von Haunstetten. Die anderen kurfürstlichen Originalsteine No. 1 und No. 3 von 1785 an der Grenze zum Reichsstift stehen nun vor dem Stadtmuseum in Schwabmünchen und im Treppenhaus des Geodatenamtes in Augsburg.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Unweit des damaligen Dreiländerecks stößt man auf einen wesentlich älteren Grenzstein des Reichsstifts. Auf dem stark verwitterten Stein befinden sich kaum lesbar die Initialen „MCA“. Sie verweisen auf den Abt Conrad Mörlin von St. Ulrich und Afra, der zwischen den Jahren 1496 und 1510 im Amt war. Somit ist dieser Grenzstein mehr als 500 Jahre alt. Ein anderer Stein, wohl im 15. Jahrhundert aufgestellt vom Herzogtum Bayern als Vorläufer des Kurfürstentums, gibt noch Rätsel auf. Er ist von Buschwerk eingewachsen und könnte das älteste erhaltene Grenzzeichen in Bayerisch-Schwaben sein.

Nordwestlich vom Dreiländereck steht am Ende des Forsthausweges im Nordosten von Haunstetten ein Grenzstein mit dem Augsburger Stadtwappen, der Zirbelnuss. Er wurde im Jahr 1682 von der Freien Reichsstadt am südlichsten Punkt des recht kleinen Territoriums platziert. Hier treffen heute die drei Gemarkungen Augsburg, Haunstetten und Meringerau aufeinander. Die Gemarkung Meringerau kam als erste Eingemeindung im Jahr 1910 zur Stadt Augsburg. Die Gemarkung Haunstetten, einst zum Reichsstift St. Ulrich und Afra gehörig, ist 1972 nach Augsburg eingegliedert worden. Somit liegt das ehemalige Dreiländereck nun mitten im Augsburger Stadtgebiet.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Logo_-_Thema_der_Woche-aktuelles_Logo-Migration.pdf
Thema der Woche

Wenn aus Flüchtlingen Steuerzahler werden

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen