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Ballonfabrik in Augsburg

01.10.2008

Erst aufgekauft, dann platt gemacht

Das Augsburger Traditionsunternehmen Ballonfabrik wird in einem halbenJahr geschlossen

Das Augsburger Traditionsunternehmen Ballonfabrik wird in einem halben Jahr geschlossen. Der Geschäftsführer wurde vor die Tür gesetzt, den 100 Mitarbeitern gekündigt. Von Andreas Alt

Von Andreas Alt

Das Augsburger Traditionsunternehmen Ballonfabrik wird in einem halben Jahr geschlossen. Dies wurde auf einer Gesellschafterversammlung bekannt gegeben.

Die Eigentümergesellschaft, die Survitec Group Limited in Belfast/Nordirland, setzte den bisherigen Geschäftsführer Rainer Haßold mit sofortiger Wirkung ab. Die 100 Mitarbeiter erhielten eine ordentliche Kündigung und ein Abfindungsangebot, wie der Geschäftsführer der Deutschen Schlauchboot GmbH & Co. KG in Eschershausen/Niedersachsen, Peter Engellage, auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.

Erst im April übernommen

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Die zur Survitec Group gehörende Deutsche Schlauchboot hatte die Ballonfabrik erst im April übernommen, ein halbes Jahr später macht sie das Unternehmen platt. Offizielle Begründung: Die genauere Untersuchung der in Augsburg gefertigten Produkte habe ergeben, dass ein Drittel von ihnen, das nach Großbritannien geliefert wurde, wegen Währungskursschwankungen nicht mehr kostendeckend war, so Engellage. Nach Auskunft der IHK haben derzeit mehrere Unternehmen, die in den britischen Raum exportieren, mit den Kursschwankungen des Pfunds zu kämpfen.

Doch das scheint nicht der einzige Grund für die Schließung der Ballonfabrik zu sein. Engellage räumte ein, dass sich der gesamte Survitec-Konzern in einer Restrukturierung befinde. Die Produktion wird nach China verlagert. In diesem Zusammenhang würden auch die Kapazitäten in Europa neu aufgeteilt - und dabei muss Augsburg offenbar ins Gras beißen.

Die Fabrikgebäude in der Wolfzahnau gehören laut Engellage der Familie Haßold und waren an die Ballonfabrik vermietet. Der auf zehn Jahre abgeschlossene Mietvertrag sei von Survitec gekündigt worden. Was aus der Immobilie wird, sei nicht bekannt, sagte Engellage.

Offenbar aber kam der Entschluss für die Mitarbeiter und das örtliche Management der Ballonfabrik völlig überraschend (siehe auch Nachgefragt). Noch im Sommer hatte die Firma positive Schlagzeilen gemacht. Sie hatte wegen eines vorbildlichen Mitbestimmungs- und Erfolgsbeteiligungsmodells der Mitarbeiter den Bayerischen Gründerpreis in der Kategorie "Nachfolge" gewonnen.

Gegründet wurde die Ballonfabrik 1897 von Kommerzienrat August Riedinger. Bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden vorwiegend Freiluftballone gebaut. 1931 hatte der berühmte Physiker Auguste Piccard mit einer Ballonfahrt vom Firmengelände aus einen Rekord aufgestellt, der in die Geschichte einging, als er erstmals 16 Kilometer hoch bis zur Stratosphäre aufstieg.

Zuletzt wurden in der Ballonfabrik vor allem Rettungs- und Sicherheitsausrüstung für Wasser- und Luftfahrzeuge, Schutzkleidung für Rettungsdienste und Gasspeicherballone für die Industrie hergestellt.

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