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Diamanthochzeit

15.05.2015

Erst das Turnen, dann der Flirt

„Wir hätten gern früher geheiratet, doch wir mussten warten, bis wir die Wohnung bekamen. Die waren damals so rar, dass nur Ehepaare eine bekamen.“Ernst Settele

Erfolgreiches Anbandeln: Ernst und Erika Settele sind seit 60 Jahren verheiratet

Ernst Settele hat strategisch geplant – und so die Frau fürs Leben gewonnen: „Die Mädchen vom Turnverein Neugablonz gingen nach dem Training immer in ihr Stammlokal. Also habe ich mich dort hingesetzt und mir die Erika ausgeguckt.“ Der Ostallgäuer hatte die Richtige im Blick, denn die beiden feierten jetzt 60. Ehejubiläum, die Diamanthochzeit.

Doch bis die beiden am 9. Mai 1955 vor den Altar treten konnten, galt es, ein großes Hindernis zu überwinden. Ernst Settele bewohnte ein kleines Zimmer und brauchte zur Familiengründung eine Wohnung. Nach langem Warten konnte er eine Werkswohnung in der Georgenstraße beziehen. Er war nach Augsburg gezogen, um bei der MAN als Monteur für große Schiffsdieselmotoren zu arbeiten. Seine Braut lebte dagegen noch in Neu-gablonz, wo sie ihr Geld in der Schmuckindustrie verdiente. Beide sahen sich daher nur an den Wochenenden.

„Wir hätten gern früher geheiratet, doch wir mussten warten, bis wir die Wohnung bekamen. Die waren damals, nach dem Krieg, so rar, dass nur Ehepaare eine bekamen“, erinnert sich Ernst Settele. Kurz vor ihrer Hochzeit zogen sie in die Georgenstraße, wo sie heute noch leben.

Die Familie ist ihnen besonders wichtig. Vielleicht liegt das auch daran, dass der Ehemann für seinen Arbeitgeber in allen Regionen der Welt unterwegs war, um Dieselmotoren in Schiffen zu montieren oder zu warten. Indien, Chile, Kolumbien und Venezuela gehören zu den Ländern, in die er geschickt wurde. Erika – gleich im Jahr der Hochzeit Mutter eines Sohnes geworden – musste daheim allein die Stellung halten. „Sie war zu jeder Zeit meine treue und starke Partnerin“, sagt der 85-jährige Ernst Settele dankbar. Wann immer es irgendwie möglich war, reiste sie ihrem Mann zu seinen Einsatzorten nach.

So lebte die Familie etliche Jahre in Brasilien und Argentinien. „Es war schon interessant, in fremden Ländern zu wohnen, auch wenn es schwer war, die verschiedenen Sprachen zu lernen. Aber ich bin immer zurechtgekommen“, erinnert sich die 84 Jahre alte Erika Settele. Erst 1985 kehrte die Familie in ihre Wohnung im Domviertel zurück.

Bis heute pflegt Erika Settele ihre sportlichen Aktivitäten. Mit Turnen, Gymnastik und vor allem Schwimmen hält sie sich fit und wirkt daher erstaunlich drahtig. „Wir sind fast jeden Tag im Familienbad und haben dort seit 60 Jahren eine Kabine gemietet“, sagt sie. Außerdem gehört Treppensteigen zum Alltag des Ehepaars: „Wir wohnen im dritten Stock ohne Lift.“

Ihren Ehrentag feierten die Setteles im Kreis ihrer Familie mit ihrer Schwiegertochter sowie den Nichten und Neffen. (kpk)

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