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08.04.2013

Erst das Wort, dann der Klang

Junges Vokalensemble in ev. Heilig Kreuz

Originalinstrumente fallen auch durch ihre Lautstärke auf. Sie sind leiser als die modernen Exemplare. Hat sich das dezibelgeprüfte Ohr daran gewöhnt, entwickeln Darmsaitenklang, Ventilfreiheit und Barockbogen einen organischeren Ton, der statt Oberton-Brillanz Wärme, statt „absoluter“ gestochener Schärfe ein „naturgetreues“ plastisches Gesamtbild bildet. Zu hören war das eindrucksvoll in Händels „Messias“. Der Dreiteiler wurde am Samstagabend in der evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche in englischer Originalfassung nach mehrjähriger Pause in Augsburg wieder gespielt. Andrea Huber dirigierte, historisch orientiert, ohne Stab, bewundernswert konzentriert und einend vom ersten bis zum letzten Ton, im goldenen Mittel zwischen „angesagtem“ dramaturgischen Attacca und atmenden Pausen zwischen den Nummern.

Es begleitete das Originalklang-Barockorchester „La Banda“ dezent, aber dennoch farbig, sowohl im 18-köpfigen Tutti als auch in den solistisch exponierten Partien. Die Musiker spielten ausformuliert, präzise, stets beim und nie über dem Gesang. Besonders Patrick Henrichs beeindruckte an der Naturtrompete in „The Trumpet Shall Sound“ mit warmem, reinem Schall.

Souverän und mit gekonnter Aussprache

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Hierarchisch waren die Instrumente der Werkintention gemäß dem Gesang untergeordnet, das Wort stand über dem reinen Klang. Diesmal sangen ausnahmslos junge, helle, leichte, auch aufführungspraktisch erfahrene Stimmen: Das ergab eine bestechende Gesamtstimmigkeit und passte hervorragend zu dieser schlanken „Messias“-Interpretation.

Der kurzfristig eingesprungene Domsing-Knabe Philipp Jahn übernahm, zunehmend souveräner und mit gekonnter Aussprache, die Rezitativpartie „There Were Shepherds“. Philipp Hoferichter hatte mit „Ev’ry Valley“ am Anfang einen Kaltstart zu meistern, präsentierte sich als mozartisch heller Tenor. Die Sopranistin Eva Maria Amann gefiel mit lyrisch rund strahlender Leichtigkeit. Mezzosopranistin Lucy Williams, wie ihre Kollegin Augsburger Studentin, passte mit ihrer wunderbar köperreichen, dezent begleiteten Alt-Tiefe am besten zu „La Banda“. Der exzellente Bariton Matthias Winckler betörte mit sonorem Strahl, lautmalerischer Tiefe und perlenden Koloraturketten.

Das „Junge Vokalensemble Schwaben“, bestehend aus Schülern und jungen Berufstätigen, hatte in Händels „Messias“ den vokalen Hauptpart zu tragen – eine Riesenleistung, die mit Bravour und nahezu mit Dauer-Höchstleistung gestemmt wurde. Der Chor begeisterte mit ausgearbeiteten Stimmgruppen in klangschöner Charakteristik und ausgefeiltem, harmonischem Gesamtbild, starker Dynamik und deutlicher Diktion. Die Zeit verging im Flug, zuletzt gab es Beifallsstürme.

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