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Augsburg

22.04.2015

Erzieher händeringend gesucht

Derzeit wird immer wieder in den Kitas gestreikt. Symbolbild
Bild: Alexander Kaya

Irina Schumacher, Leiterin der evangelischen Fachakademie, spricht über neue Herausforderungen an ihre Studierenden und kritisiert neue Pläne der Politik.

Derzeit sind Erzieher und ihre Arbeitgeber Gesprächsthema in vielen Familien. Zum einen weil kürzlich die Zu- und Absagen für die Betreuungsplätze verschickt wurden, und zum anderen weil die Angestellten im Öffentlichen Dienst für mehr Gehalt und Anerkennung streiken. Wir sprachen mit Irina Schumacher, Leiterin der Fachakademie für Sozialpädagogik der Evangelischen Diakonissenanstalt über die Situation in dem Beruf. Die Einrichtung gibt es seit 1899. Seit zehn Jahren ist sie in der Hooverstraße in Kriegshaber beheimatet.

Seit Jahren wird über den Erziehermangel geredet. Wie ist die Lage?

Den Mangel gibt es nur in den Ballungsräumen. Ein ganz großes Problem ist es in München. In Augsburg ist es auch ein Thema. In ländlichen Regionen kann aber von Mangel keine Rede sein. Einen Ansturm auf die Fachakademien gibt es auch nicht. Wir haben derzeit keine Warteliste bei den Anfängern, sondern nur bei den Quereinsteigern. Das sind Frauen, die nach einer kinderbedingten Unterbrechung wieder arbeiten wollen und sich bei uns weiterqualifizieren, oder die vom Lehramtsstudium in die Ausbildung wechseln. Dass es entspannt ist, hängt auch damit zusammen, dass es seit Kurzem in Augsburg eine dritte Fachakademie gibt.

Wie viele Plätze gibt es bei Ihnen?

Wir haben aktuell 225 Studierende, die Kinderpfleger oder Erzieher werden wollen, davon sind zehn Prozent Männer. Das ist etwas mehr als im bayerischen Durchschnitt. Die Klassengröße liegt bei 22 bis 23 Studierenden. Vergangenes Jahr waren es 42 Absolventen. Wegen unseres musischen Profils müssen unsere Studierenden zudem erlernen ein Instrument zu spielen.

Irina Schumacher

Männer sind also immer noch Exoten in dem Beruf?

Es bewerben sich immer mehr Männer. Darauf stellen wir uns ein. Wir haben einen männlichen Ansprechlehrer, an den sie sich wenden können. Männer haben eine andere Art zu kommunizieren, und bringen häufig auch andere Erfahrungen aus ihrer eigenen Kindheit mit. Unsere weiblichen Studierenden sind sprachlich versierter. Männer tun sich zudem in Konfliktsituationen schwerer.

Man sagt Männern doch nach, dass sie konfrontative Situationen weniger scheuen als Frauen...

Das ist richtig, solange sie sich unter Männern bewegen. Ist das Umfeld aber sehr weiblich, sehen wir oft ein Ausweichverhalten. Die Studierenden können sich an den Ansprechlehrer wenden. Er arbeitet dann mit ihnen unter anderem an der Frage, wie sie ihren Standpunkt selbstbewusst aber diplomatisch vertreten können.

Mit Blick auf Themen wie die Inklusion steigen die Anforderungen und der Personalbedarf sicher weiter...

Nicht nur bei Menschen mit Behinderung sind besondere Kompetenzen gefragt, auch bei der Betreuung der unter Dreijährigen. Die Krippenkapazitäten wurden massiv ausgebaut. Auch das Thema interkulturelle Bildung ist sehr wichtig. Zum einen weil viele Kinder einen Migrationshintergrund haben und zum anderen weil immer mehr minderjährige Flüchtlinge aus Krisengebieten bei uns ankommen. Wir haben darauf reagiert mit dem Fach interkulturellen Bildung und laden externe Referenten ein, die unseren Studierenden nötiges Wissen zum Thema Traumapädagogik vermitteln. Mit den gestiegenen Anforderungen hängt aber noch etwas zusammen.

Und zwar?

Die Debatte, ob der Erziehermangel durch eine Verkürzung der Ausbildung um ein Jahr gelindert wird. Baden-Württemberg hat dies getan. Wir Fachakademien lehnen es ab, weil das nur zulasten der Qualität der Ausbildung gehen kann. Zumal ein Teil der Studierenden mit 16 Jahren zu uns kommt und sich deren Persönlichkeit selbst noch entwickelt.

Wie groß ist denn die Bereitschaft in anderen Betreuungsformen als der Kita zu arbeiten?

Die Kita ist der Arbeitgeber, den fast alle erst einmal im Blick haben. Teil der Ausbildung sind aber immer auch Praxisphasen im Kinderheim und einer heilpädagogisch arbeitenden Einrichtung. Diese Erfahrungen bewegen dann doch etwa ein Drittel, darunter viele Männer, dazu, nicht den Berufsweg Richtung Kita einzuschlagen.

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