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Freilichtbühne 2017

29.06.2017

Es gilt für die "Rocky Horror Show": Die Pointen müssen sitzen

Die Wallanlage am Roten Tor wird zum Gruselschloss von Frank N. Furter, in der eine abgedrehte „Rocky Horror Show“ stattfindet. Regisseur Christian Brey hat das Stück, das morgen Premiere hat, inszeniert.
Bild: Bernhard Weizenegger

Christian Brey wurde durch Harald Schmidt zum Regisseur und ist Experte für Musicals. Am Freitag hat seine Inszenierung der „Rocky Horror Show“ auf der Freilichtbühne Premiere.

Für Musicals bricht Regisseur Christian Brey gern eine Lanze. Nicht nur, weil er schon viele selbst auf die Bühne gebracht hat, sondern weil es für ihn ein Genre ist, in dem sich Geschichten vom Drama bis zur Komödie spartenübergreifend erzählen lassen. Schauspiel, Musik und Tanz wirken zusammen. „Dazu wird der Zuschauer ganz unmittelbar berührt, weil die Musik schnell ins Herz trifft“, ist Christian Brey überzeugt. Diese Qualität sieht er auch in der „Rocky Horror Show“, die der 44-Jährige jetzt für die Freilichtbühne am Roten Tor inszeniert hat.

„Rocky Horror Show“ auf Augsburger Freilichtbühne

Dass die „Rocky Horror Show“ des englischen Schauspielers, Regisseurs und Komponisten Richard O’ Brian nach ihrer Uraufführung 1973 sowohl in den Theatern wie auch als Kinofilm schnell Kultcharakter erlangte, liegt allerdings nicht nur an eingängigen Songs wie „Touch me“, „Sweet Transvestite“, und allen voran „Time Warp“, sondern auch an einer schrägen Handlung mit bizarrer Figuren: Ein biederes junges Paar wird auf einer Autofahrt von einem Unwetter überrascht, findet Zuflucht in einem Schloss mit einem Transvestiten als Hausherrn und exzentrischer Dienerschaft.

Deren Freizügigkeit und frivole Ausschweifungen, deren Credo „Dont dream it, be it“ wirft auch heute noch gängige Moralvorstellungen über den Haufen und reißt das Publikum buchstäblich von den Sitzen. Denn wie kein anderes Stück ist die „Rocky Horror Show“ zu einem Mitspielstück geworden. Viele Besucher kommen verkleidet wie die Figuren des Stücks zur Vorstellung, schalten sich mit einem vorgegebenen Arsenal an Accessoires und durch freche Zwischenrufe in die Handlung ein und tanzen den „Time Warp“, eine Art Ententanz, in den Zuschauerreihen. „Auf der Freilichtbühne mit 2000 Leuten im Publikum kann das beeindruckend werden“, ist Christian Brey gespannt auf das Augsburger Publikum.

Frank N. Furter, der Mann mit Strapsen

Brey gilt als ausgewiesener Experte für Musicals und Komödien. „Ein toller Bereich, aber gnadenlos, weil das Timing wichtig ist und die Pointen sitzen müssen“, weiß er. Andernfalls sei „Frank N. Furter eben nur ein Mann in Strapsen, der nicht lustig ist“, verdeutlicht er im Bezug auf die „Rocky Horror Show“. Seine größte Inspiration in Beziehung auf den Humor seien die Monty-Python-Stücke und -Filme mit ihrer speziellen Mischung aus Slapstick und hintergründigem Witz.

Seinen Wechsel vom Schauspieler ins Regiefach hat er Harald Schmidt zu verdanken. Der war vor seiner Zeit als Fernseh-Moderator sein Schauspieler-Kollege am Staatsschauspiel Stuttgart. Einen Liederabend und ein Hamlet-Musical brachten sie gemeinsam auf die Stuttgarter Bühne. „Er bat mich um Unterstützung, aber singen kann ich nun mal nicht, deshalb habe ich ihm angeboten, von unten draufzuschauen, was so passiert auf der Bühne,“ fasst Christian Brey seinen Einstieg ins Regiefach zusammen. Mittlerweile hat er die Schauspielerei aufgegeben, inszeniert an Häusern wie dem Schauspielhaus Bochum, dem Theater am Kurfürstendamm, dem Schauspiel Frankfurt oder dem Badischen Staatsschauspiel in Karlsruhe. Alles Häuser, in denen er gute Chancen hat, auf gut ausgebildete Schauspieler und professionelle Musicaldarsteller zu treffen – wie auch in Augsburg,.

Eine Selbstverständlichkeit sei das nicht, aber genau dies trage erheblich zum Niveau einer Musical-Aufführung bei. „Darsteller zu finden, die gut tanzen, singen und spielen können, ist nicht leicht“, hat Christian Brey als Erfahrung gemacht. „Meist sind sie in einer Disziplin gut, und leider wird oft das Schauspiel vernachlässigt“. Fatal für einen Mann, der gerade im Zusammenspiel dieser drei Künste die Faszination des Musicals ausmacht.

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