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12.07.2010

Es lockt der Container die bockige Braut

So sieht es hintenrum aus: Clara-Marie Pazzini als singende Serviererin.
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So sieht es hintenrum aus: Clara-Marie Pazzini als singende Serviererin.

"Dieser Container ist ein feiner Bursche, für den können wir Gott auf den Knien danken." Eberhard Peiker alias Papa Balicke aus Brechts "Trommeln in der Nacht" erlaubte sich bewusst einige Versprecher gegenüber seiner bockigen Tochter (Christine Diensberg). "Verfault und vermodert" sei die Komödie, ihre alte Liebe, die die Kleine nicht vergessen kann. Auch Mama Balicke (Eva Maria Keller) wollte nur ihr Bestes: "Du sollst ihn halt um Gottes willen nehmen!"

Zwiespältig waren die Gefühle am Samstagabend bei der allerletzten Vorstellung in der Komödie. "Wir haben viele Tränen in den Augen, aber wir schauen nach vorne", sagte Intendantin Juliane Votteler tapfer. Viel Leben, Heiterkeit, aber auch Wehmut hätten diese Hallen gesehen. Und alle hatten an der Komödie gelitten. Richtig heiß - "wie unsere Gefühle", so Votteler - war's zum Abschied, während Kulturreferent Peter Grab an Eingaben um Kohlen in den ersten Jahren erinnerte, um "eine gewisse Behaglichkeit des Raumes" herzustellen.

Laut und lebhaft, hintersinnig und schrill sagten die Schauspieler Lebewohl zu ihrer Komödie. "It's a sad, sad situation", trällerte das Ensemble des "Waschsalon Wunderlich". "Bist du sicher, dass es heute Abend war?", fragten sich Estragon und Wladimir (Anton Koelbl, Martin Herrmann) aus "Warten auf Godot" gerade so, als ob es noch weitergehen könnte. Indes steuerten die beiden Konkurrentinnen (Ute Fiedler, Karoline Reinke) aus "Push Up 1-3" auf den ultimativen Showdown mit Kaffee aufs Kleid und ordinärsten Beleidigungen zu. Wahrscheinlich schwang ein bisschen Unentschiedenheit mit, woran in "Hysterikon" Nicole Schneider beim großen Einkauf so entsetzlich litt. "Irgendwas muss sich ändern", schrie sie sich schließlich von der Seele.

Die beiden älteren Damen aus "Arsen und Spitzenhäubchen" (Eva Maria Keller, Christl Peschke) haben ja ihre eigenen, umwerfenden Methoden, Angelegenheiten aus der Welt zu schaffen. "Wer wird denn weinen, wenn man auseinandergeht?", fragte kess der Schlusschor - unter der Voraussetzung, dass an der nächsten Ecke schon ein andrer steht. Aber erst einmal wartet die Unbehaustheit, für die man sich warm einpacken sollte, wie es André Willmund bei seinem Abschied aus Brechts "Kleinbürgerhochzeit" eifrig vormachte. Sichtbar wurden an dem Abend alle, die hinter, unter, über und neben der Bühne arbeiten. Und ein Videoreport entlarvte schonungslos, wie schlimm die Verhältnisse wirklich waren. "Seite 36

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