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Puppenspieltage

12.10.2013

Es spritzt der Gurkensaft

„Romeo und Julia“ als lebhaftes Küchendrama beim Klapps-Festival

Statt mit wohlgesetzten Dichterworten wird hier mit anderen, nicht weniger wirksamen Mitteln agiert: mit Küchenmessern und Essiggurkensaft, mit Chili, Lauchzwiebeln, Schaumküssen… Höchst amüsant war „Romeo und Julia – Liebe und Tod in der Küche“, das Alexandra und Eva Kaufmann aus Berlin bei den Klapps Puppenspieltagen im Abraxas am Donnerstagabend auf die Bühne brachten.

Frei nach William Shakespeare wurde der Küchentisch zum Schauplatz: Nachdem Romeo und Julia tot sind, soll ein Fest in Verona die Freundschaft der Familien Capulet und Montague besiegeln. Ausgerechnet die beiden Köchinnen der verfeindeten Häuser erhalten den Auftrag, das Buffet vorzubereiten, was – man ahnt es! – nicht gut gehen kann. Ihr „Kochbuch“ enthält die Zutaten dieser tragischen Liebesgeschichte, die in wunderbarer Mischung aus Schauspiel und Objekttheater erzählt wurde.

Die Zutaten sind die Hauptfiguren: Gurken auf Zahnstochern, auf die mal eine Kirschtomate, mal ein Kekskringel oder ein Minischaumkuss gesteckt wird, stehen für die Gäste. Zusammen in ein riesiges Gurkenglas geworfen und umgerührt, drehen sie sich beim Ball tanzend im Kreis. Herrlich das Liebesgeflüster zwischen Romeo (dem Pfefferstreuer) und Julia (dem Salzstreuer), die sich gegenseitig ausgiebig bestäuben. Und es braucht nur zwei Zahnstocher, mit denen eine weiße Papierserviette in den Salzstreuer gesteckt wird, schon steht da die schöne Braut. Faszinierend, wie erotisch sich die Hochzeitsnacht mittels zweier gekochter Eier darstellen lässt. Da ist das behutsame sich Annähern, das sich Anpicken, schließlich die „Enthüllung“ durch das Abheben der Schale. Romeo, das ist die vor Liebe glühende Peperoni, die sich in die Gewölbe der „Gruft“ – eine Wassermelone – zu Julia in ihrem todesähnlichen Schlaf begibt.

Das alles geschieht in rasantem Szenenwechsel, witzig und turbulent. Es spritzt der Gurkensaft, es wird nach Herzenslust gestritten, versöhnt und geheult (dabei hilft eine geschälte Gemüsezwiebel), es werden die Küchenmesser gewetzt, und es wird auch mal ganz leise und poetisch. Zwischendurch hört man den Shakespeare’schen Klang heraus. Dass die Küche am Ende versaut ist, kümmert keinen – denn es hat einen Riesenspaß gemacht!

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