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Prozess in Augsburg

19.11.2019

Ex-Schiri filmt Straßenkampf zwischen Düsseldorfer und Augsburger Ultras

Ein 24-jähriger Rheinländer wurde in Augsburg zu einer Geldstrafe von 4950 Euro verurteilt.
Foto: Bernhard Weizenegger

Ein ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter wurde Zeuge einer Massenschlägerei zwischen Düsseldorfer und Augsburger Fußballfans. Zwei Rheinländer sind bereits verurteilt.

Ein ehemaliger Fußballschiedsrichter hat viele Kämpfe auf dem grünen Rasen erlebt, Blutgrätschen und hochkochende Emotionen. Als Schiri in der zweiten Bundesliga und als Assistent in der Eliteliga hat er sich so manches Mal in Rudelbildungen eingemischt und die Heißsporne unter den Profikickern wieder beruhigt.

Was er am 19. Januar in der Augsburger Innenstadt mitbekam, hat eigentlich mit Fußball nichts mehr gemein. Er wurde Augenzeuge einer regelrechten Straßenschlacht. Dutzende Ultra-Fans von Fortuna Düsseldorf und des FCA lieferten sich, begleitet von großem Geschrei, Böllerknallen und gezündeten Leuchtraketen eine wüste Keilerei auf offener Straße. Weil der Ex-Bundesliga-Schiri sofort sein Handy zückte und ein Video der Geschehnisse aufnahm, konnte die Polizei rund ein Dutzend Fortuna-Fans ermitteln, denen jetzt nach und nach der Prozess wegen Landfriedensbruch gemacht wird.

Es war kein guter Tag für die FCA-Anhänger. Das Match gegen Düsseldorf am Nachmittag in der WWK-Arena ging mit 1:2 verloren. Auch beim Kampf beider Ultra-Gruppen Stunden vor dem Spiel beim Königsplatz hatten die Fuggerstädter den Kürzeren gezogen. Sie waren von den Rheinländern regelrecht in die Flucht geschlagen worden. Vor Amtsrichter Thomas Kirschner musste sich jetzt ein 24-jähriger Fortuna-Fan wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung verantworten, der von der Polizei aufgrund des Videos identifiziert werden konnte.

FCA-Fans hatten eine Fußballkneipe der Fortunen "besetzt"

Der Hintergrund des Amoklaufs der Düsseldorfer Ultras ist nur zu vermuten. Beim Hinspiel im August 2018 in Düsseldorf hatten FCA-Fans eine Fußballkneipe der Fortunen „besetzt“, was unter den Ultras als „No-Go“ gilt. Möglicherweise war das, was sich dann im Januar in Augsburg abspielte, ein geplanter Racheakt.

Fakt ist, dass zwei Fan-Busse, besetzt mit etwa 120 Fortuna-Anhängern, die um 2 Uhr nachts im Rheinland gestartet waren, gegen 10 Uhr in der Fuggerstraße stoppten. Die teils angetrunkenen Düsseldorfer zogen, was Aufnahmen der installierten Überwachungskameras am Kö belegen, relativ zügig zu einer Kneipe beim Königsplatz. Inzwischen hatten sich in der Nähe rund 30 FCA-Fans versammelt.

Was dann kurz vor Mittag geschah, schildert der angeklagte Düsseldorfer Anhänger jetzt im Prozess aus seiner Sicht so: „Plötzlich kam einer unserer Fans ins Lokal gestürmt und rief: ,Helft uns, wir werden angegriffen‘. Da sind wir alle raus und ich habe mich hinreißen lassen, da mitzumachen.“ Er räumt „aus der Situation heraus“ einen „eingesprungenen“ Fußtritt gegen den Kopf eines FCA-Fans sowie einen Faustschlag ein. „Das war falsch, das ist klar.“ Er sei eigentlich gegen jede Art von Gewalt, beteuert er.

Was dann der Ex-Schiri dem Gericht als Zeuge schildert, hört sich freilich ungleich dramatischer an. Er habe plötzlich heftige Schreie auf der Straße gehört und das Knallen von Böllern. „Das sah alles ziemlich martialisch aus. Rund 50 Männer, teils vermummt, und schwarz gekleidet, rannten aufeinander los, Leuchtraketen wurden gezündet, die ganze Straße war im Nebel. Einer warf im hohen Bogen ein Fahrrad in die Menge, es kam zu einer richtigen Schlägerei mit Fausthieben und Fußtritten.“ Offenbar seien die Düsseldorfer in der Übermacht gewesen. „Mit dem Schlachtruf ,Fortuna, Fortuna‘ schlugen sie die FCA-Fans regelrecht in die Flucht, die in Richtung Maxstraße davonrannten“, schildert er. Er habe mitbekommen, wie sich die Düsseldorfer dann gegenseitig auf die Schulter geklopft hätten. Einer habe gesagt: „Das habt ihr gut gemacht.“ Der Zeuge hatte die Straßenschlacht minutenlang mit einem Handy-Video aufgenommen und sofort die Polizei über Notruf alarmiert.

Augsburger Polizei kesselte 120 Rheinländer ein

Während die Augsburger untertauchten, konnte die Polizei rund 120 Rheinländer einkesseln. Sie wurden zur WWK-Arena gebracht und dort einzeln fotografiert. Aufgrund des Videos konnten die Ermittler später in mühevoller Arbeit rund ein Dutzend Düsseldorfer Ultras als mutmaßliche Straftäter identifizieren, denen Landfriedensbruch zur Last gelegt wird. Ob es bei der Schlägerei Verletzte gegeben hat, ist völlig unklar. „Gemeldet hat sich niemand“, zuckt ein Ermittler als Zeuge mit den Schultern. Staatsanwalt Moritz Bamberger fordert für den Angeklagten eine Bewährungsstrafe von acht Monaten, zuzüglich einer Geldauflage von 1500 Euro. Der Angeklagte, so sagt er, sei nicht nur des Landfriedensbruchs, sondern auch der gefährlichen Körperverletzung überführt. Dem folgt Richter Kirschner nicht.

Weil nicht feststeht, ob der Augsburger überhaupt bei der Attacke des Angeklagten getroffen und verletzt wurde, habe sich der Düsseldorfer neben Landfriedensbruchs nur der versuchten Körperverletzung schuldig gemacht. Er verurteilt den 24-Jährigen zu einer Geldstrafe von 4950 Euro (90 Tagessätze zu je 45 Euro). Es sei nicht zu dulden, dass die Straße zu Kämpfen missbraucht und damit das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung beeinträchtigt werde, begründet der Richter.

In einem weiteren Verfahren ist ein Ultra aus dem Rheinland Tage zuvor bereits per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt worden. Er hatte einen Böller in Richtung der Augsburger Gegner geworfen. Weitere Verfahren werden folgen.

Gerichtsreporter Klaus Utzni berichtet seit Jahrzehnten für unsere Redaktion. Nun hat er im Podcast "Augsburg, meine Stadt" von seinen spannendesten Fällen erzählt. Das Gespräch können Sie hier hören:

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