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Interview

12.04.2020

"Färberei" in Augsburg schließt: "Am Ende hat es nicht gereicht"

Anja Neumaier und Christoph Elwert haben das Restaurant „Die Färberei“ in Augsburg betrieben. Ende April ist nun Schluss damit.
Bild: Johann Oswald

Plus Anja Neumaier und Christoph Elwert schließen nach fünf Jahren ihr Restaurant „Färberei“. Sie sprechen über die Gründe für die Schließung und darüber, warum sie die Zukunft nicht fürchten.

Fünf Jahre haben Sie das Restaurant Färberei betrieben. Ende April ist nun Schluss. Warum?

Anja Neumaier: Unterm Strich war es eine wirtschaftliche Entscheidung. Nach fünf Jahren war es an der Zeit, ein Resümee zu ziehen – diese Art der gehobenen Gastronomie mit einem hohen Arbeitsaufwand, dem Einsatz von viel Zeit, Kosten und Personal rechnet sich in Augsburg einfach nicht.

Deshalb haben Sie einen Schlussstrich gezogen?

Neumaier: Das Konzept hat Anklang gefunden. Aber am Ende hat das nicht gereicht. Wir wollte diesen Preiskampf auch nicht auf dem Rücken des Personals austragen und etwa keine fairen Löhne zahlen.

Christoph Elwert: Eigentlich wollten wir die Färberei bis Ende April geöffnet haben, aber da sind wir mit der Corona-Krise kollidiert. Jetzt bieten wir so lange noch einen Liefer- und Abholservice an.

Wie funktioniert der?

Neumaier: Unsere Gerichte werden jeden Tag frisch zubereitet und vakuumiert. Diese können dann zu Hause in einfachen Schritten selber erwärmt und angerichtet werden. So bleibt die Qualität erhalten. Die Speisen fahre ich übrigens selber aus. Das finde ich sehr schön. Früher waren wir der Gastgeber und unsere Kunden sind zu uns gekommen, jetzt fahre ich unser Essen zu ihnen hin. Wir fühlen uns sehr wertgeschätzt durch die Unterstützung, die wir jetzt durch unsere Stammkunden erhalten.

Herr Elwert, Sie sind vor einem Jahr eingestiegen.

Elwert: Ja, ich habe den betriebswirtschaftlichen Hintergrund mitgebracht. Ein Restaurant ist keine Liebhaberei, schließlich müssen auch Gehälter bezahlt werden.

Im November wurde der im Färbergäßchen nebenanliegende Pop-Up-Store „Tante Frizzante & Herr Brand“ von Ihnen eröffnet, in dem Sie Weine und Spirituosen verkaufen. Wie geht es mit dem Laden weiter?

Elwert: Aufgrund des Coronavirus hat auch dieser Laden geschlossen. Derzeit können unsere Produkte per Boxboten bestellt werden. Natürlich kann derjenige, der sich ein Gericht bei der Färberei bestellt auch den dazu passenden Wein ordern. Wie es mit dem Laden weitergeht, werden wir nach der Krise sehen.

Die Corona-Krise trifft jeden. Wie wollen Sie selber unter diesen Voraussetzungen im Mai neu durchstarten?

Elwert: Das stimmt. Allein in meiner Marketing- und Eventagentur Mategroup befinden sich alle meine Mitarbeiter derzeit in Kurzarbeit. Im Bereich Event war von Mai bis September bereits alles vorbereitet. Aber gerade die Veranstaltungsbranche leidet am nachhaltigsten unter der Corona-Pandemie. Wichtig ist es, sich davon nicht unterkriegen zu lassen. Gerade in so einer Krise hilft Kreativität, um neue Geschäftsmodelle auf den Markt zu bringen.

Nennen Sie mir ein Beispiel.

Elwert: Ich bin Mitglied der Augsburger Club- und Kulturkommission, die in diesen Wochen gemeinsam mit der Stadt Augsburg, dem Staatstheater, dem Kulturhaus Abraxas und einem kreativen Technikteam KStreamings von Kulturveranstaltungen ins Netz stellen. Ich koordiniere Konzerte, DJ-Acts, Theaterstücke, Poetry Slams und Lesungen, die gerade in unterschiedlichen Locations stattfinden und per Live-Stream zum Zuschauer kommen.

Neumaier: Bei all dem Schlechten, was gerade über uns hereinbricht, finde ich herrlich, was daraus entstehen kann. Zuletzt habe ich mir gemeinsam mit meiner Mitbewohnerin auf der Couch das Errdeka-Konzert auf der Brechtbühne per Internetstream angesehen.

Haben Sie jetzt Angst vor der Zukunft?

Elwert: Nein. Ich bin zuversichtlich, dass sich daraus neue Geschäftsmodelle ergeben.

Neumaier: Mir hat die Krise tatsächlich Hoffnung gegeben. Zuvor hatte ich die Gastroszene in Augsburg sehr kritisch gesehen. Jetzt erlebe ich sehr viel Zusammenhalt.

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