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Corona-Pandemie verschlechtert weltweite Ernährungslage
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Augsburg

25.06.2020

Fall Tönnies: Corona-Test auch am Augsburger Schlachthof

Im Augsburger Schlachthof werden an vier Tagen in der Woche Schweine und Rinder geschlachtet.
Bild: Jan-Luc Treumann

Plus In der Fleischfabrik Tönnies gibt es einen Corona-Ausbruch. Wie ist die Lage im kleineren Schlachthof in Augsburg? Die Stadt spricht, die Betreiber schweigen.

Die Corona-Masseninfektion in der Fleischfabrik Tönnies in Westfalen sorgt für große Probleme. Auch in einer weiteren Großschlachterei in Niedersachsen wurden kürzlich Mitarbeiter positiv getestet. In Augsburg gibt es ebenfalls einen Schlachthof. Wie ist hier die Lage?

Die Schlachthof Augsburg GmbH & Co. KG gilt als vergleichsweise kleines Unternehmen in der Fleischbranche. Aktuell werden dort an vier Tagen pro Woche durchschnittlich 500 bis 600 Rinder geschlachtet, außerdem etwa 650 Schweine. Die Tiere werden in der Regel aus einem Umkreis von 200 Kilometer angeliefert.

Diese Zahlen gehen aus Unterlagen der Stadt hervor. Die städtischen Amtstierärzte und weitere Mitarbeiter überwachen den täglichen Betrieb im Schlachthof mit Blick auf den gesetzlichen Tierschutz. Sie kontrollieren auch die Schlachtkörper auf Anzeichen von Krankheiten, damit bei der Fleischvermarktung Verbraucher geschützt werden.

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Fall Tönnies sorgt für Schlagzeilen - wie ist die Lage in Augsburg?

Für Bürger stellt sich nun aber auch die Frage, ob sie vor Corona-Infektionen geschützt sind, die von Schlachthöfen ausgehen können. Aktueller Anlass ist der Corona-Ausbruch in Europas größtem Schlachtbetrieb Tönnies. Denn in der Folge sind rund 500.000 Einwohner in zwei Landkreisen von strengen Pandemie-Schutzmaßnahmen betroffen. In anderen deutschen Schlachthöfen kam es ebenfalls zu einer starken Häufung von Corona-Infektionen. Wie sieht es aktuell in Augsburg aus?

Nach Angaben des städtischen Gesundheitsreferats wurden Ende Mai alle Beschäftigen des Augsburger Schlachtbetriebs auf Covid-19 getestet. Die am Schlachthof tätigen städtischen Mitarbeiter konnten sich ebenfalls untersuchen lassen. Sämtliche Tests seien negativ gewesen, heißt es.

Gesundheitsreferent Erben: Schlachthof ist eher ein Vorbild

Fragt man Gesundheitsreferent Reiner Erben (Grüne), sieht er derzeit keinen Anlass zur Sorge. Er sagt, „der Augsburger Schlachthof ist sicher einer der Schlachthöfe, die in diesen Zeiten eher ein Vorbild für Arbeitsbedingungen in Schlachtbetrieben sind.“ Ob dort in den vergangenen Wochen noch einmal auf Corona getestet wurde, dazu werde der Schlachthof sicher gerne Auskunft geben, so Erben. Dies ist allerdings nicht der Fall. Auf schriftliche und telefonische Anfragen unserer Redaktion ließ die Geschäftsführung mitteilen, man werde keinerlei Informationen geben.

Damit wird nicht transparent, wie viele Mitarbeiter die Schlachthof Augsburg Gesellschaft aktuell beschäftigt – und zu welchen konkreten Bedingungen. Aus der öffentlich einsehbaren Bilanz im Bundesanzeiger geht hervor, dass die Firma im Jahr 2018 42 Arbeitnehmer hatte, 2017 waren es 35.

Referent Erben sagt, der Augsburger Schlachthof könne nicht mit einem Großbetrieb wie Tönnies verglichen werden. Ein wesentlicher Unterschied sei, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Augsburg und der Region wohnen würden und regulär beschäftigt seien. In der deutschen Fleischindustrie wurden immer wieder skandalöse Arbeitsbedingungen bekannt: Akkordarbeit auf engsten Raum, keine Pausen, schlechte Bezahlung, dazu enge Sammelunterkünfte mit überteuerten Mietpreisen.

Gewerkschafter: "Ich kenne keinen Vorzeigebetrieb in der Fleischbranche"

Wie die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Augsburger Schlachthof genau aussehen, dazu kann man auch bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nichts sagen. Das große Problem sei, dass man an die Mitarbeiter in Schlachtereien in der Regel nicht herankomme, sagt Tim Lubecki von der NGG Schwaben. Auch in Bayern seien in dieser Branche meistens osteuropäische Arbeitnehmer beschäftigt. In der Regel würden sie über Werkverträge eingestellt. Gewerkschaftssekretär Manuel Halbmeir sagt: „Einen Vorzeigebetrieb in der Schlachtbranche kenne ich nicht.“ Bei manchen Firmen laufe es besser für die Beschäftigten, bei anderen schlechter.

Aus Sicht von Erben zeigt der Fall Tönnies, dass alle gemeinsam eigenverantwortlich handeln müssen und dass die Corona-Pandemie nicht vorbei ist. Er kündigte an, dass er generell und auch bedingt durch Corona den Verbraucherschutz stärken wolle. Dazu werde er in der nächsten Sitzung des nächsten Umweltausschusses einen Beschlussvorschlag einbringen.

Warum Augsburger Metzger nicht selber schlachten

Eine andere Frage ist, welche Alternativen es zu größeren Schlachthöfen mit Billig-Löhnern geben könnte. In Augsburg war es Metzgern lange Zeit verboten, selbst Tiere zu schlachten. Historisch gab es aus hygienischen Gründen einen Schlachtzwang im kommunalen Schlachthaus, so lange es existierte. Als es aufgegeben wurde und 2004 der neue private Schlachthof in Betrieb ging, fiel diese Auflage weg. „Obwohl es mittlerweile möglich ist, hat bis dato keine Metzgerei im Stadtgebiet eine Zulassung zur Schlachtung beantragt“, sagt Erben.

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25.06.2020

Kein Schlachthof kann ein Vorbild sein.

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