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Justiz

17.03.2015

Falsches Spiel im Hinterzimmer

Bewährungsstrafen für acht Mitglieder einer Betrügerbande. Sie waren Helfer des Poker-Paten

Die Pokerrunde fand in einem Lokal in der Ulmer Straße statt, einem bekannten Szenetreff. Glaubt man den Berichten von Teilnehmern, dann war alles genau geplant. Ali T., 47, soll die Fäden in der Hand gehalten haben. Mittels modernster Technik wusste er zu jeder Zeit, welche Karten im Spiel sind – und wer das beste Blatt hat. Alleine an einem Abend Ende des Jahres 2011 verloren ahnungslose Mitspieler so rund 10000 Euro. Der Gewinn wurde hinterher in einem Hotel in Neusäß unter den Komplizen aufgeteilt.

Poker-Pate Ali T. wurde bereits im vorigen Jahr wegen Betrugs zu rund dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hat seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt. Dort darf er als Freigänger das Gefängnis tagsüber schon wieder verlassen. Er wolle in Berlin ein neues Leben beginnen, hatte er in seinem Prozess verkündet. In Augsburg habe er zu viel Vertrauen verspielt. T.s Name fiel auch am Montag immer wieder vor dem Amtsgericht, obwohl er selbst nicht anwesend war. Gleich zehn Angeklagten wurde dort auf einen Schlag der Prozess gemacht, weil sie – auf unterschiedliche Weise – in die Betrügereien verwickelt waren.

Am Ende des Prozesses standen Bewährungsstrafen zwischen acht Monaten und knapp zwei Jahren. Zuvor hatte es einen Deal zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigern gegeben. Acht Angeklagte räumten die Vorwürfe ein, im Gegenzug blieb es bei relativ milden Strafen. Bei zwei Angeklagten läuft das Verfahren noch weiter.

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Ein Mann, der in der Augsburger Pokerszene aktiv war, schilderte vor Gericht, wie er in den Dunstkreis der Betrüger gelangt ist. Ali T. habe ihn irgendwann angesprochen und ihn zum Mitmachen überredet. Anfangs habe T. gesagt, es gehe nur um einen Test. Doch dann sei die Betrugsmasche immer wieder eingesetzt worden. Bis dem Kronzeugen die Sache zu heiß wurde. „Ich bin ausgestiegen“, erzählte er vor Gericht. „Später habe ich dann die betrogenen Spieler vor Ali gewarnt.“ Ein anderer Pokerspieler berichtete, er sei spielsüchtig gewesen und habe sich auf den Betrug eingelassen, um an Geld zu kommen. Dass er die Opfer teils gut kannte, habe er damals verdrängt. Heute sagt er: „Es war ein schwerer Fehler, ich habe meine Freunde verraten.“

Die Technik der Betrüger war ausgeklügelt – ein Mitglied der Bande besorgte sie in China. Die Pokerkarten waren mit versteckten Magnetstreifen versehen. Es gab ein als Handy getarntes Empfangsgerät, das die Kartenwerte lesen konnte. Ein Spieler hatte einen Knopf im Ohr und bekam per Tonsignal mit, wer welches Blatt auf der Hand hat. Auch der Kartengeber und weitere Mitspieler waren eingeweiht. Die Kripo hatte nach einem Hinweis aus Frankreich ermittelt und den Betrügerring, zu dem auch Spieler aus dem Raum Frankfurt und Karlsruhe gehörten, auffliegen lassen.

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