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Augsburg

28.02.2018

Fast 300.000 Einwohner - aber Augsburg wächst langsamer

Augsburg wächst weiter - 2017 zogen aber deutlich weniger Menschen in die Stadt als in den Vorjahren.
Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolbild)

Augsburg zieht weiter Menschen an und steuert auf 300.000 Einwohner zu. Doch die Stadt wuchs 2017 schwächer - und steht durch den Boom auch vor Problemen.

Es liegt seit Jahren im Trend, ein Augsburger zu sein: 2019 könnten dadurch erstmals mehr als 300.000 Menschen in der Stadt leben. Doch aktuelle Entwicklungen gefährden diese Prognose des örtlichen Statistikamts. Zwar ist Augsburg auch 2017 wieder gewachsen, aber deutlich langsamer - um etwa 2500 Einwohner auf rund 296.000. In den Vorjahren waren immer rund doppelt so viele neue Bürger dazu gekommen.

Wie Augsburg zur attraktiven Großstadt wurde

Wer Augsburgs Weg zur Großstadt mit fast 300.000 Einwohnern und die aktuellen Entwicklungen verstehen möchte, muss einen Blick in die Vergangenheit werfen. Konkrete Ereignisse haben dafür gesorgt, dass sich die Einwohnerzahl seit der ersten Volkszählung im Jahr 1834 verzehnfacht hat. Das Wachstum wurde dabei immer wieder unterbrochen, wie diese Grafik verdeutlicht:

Die Grafik zeigt, wie die Industrialisierung Arbeiter vom Land in die Stadt zog und sich die Einwohnerzahl bis 1900 verdreifachte. Eingemeindungen von Orten wie Pfersee, Oberhausen oder Lechhausen ließen Augsburg weiter zügig wachsen. So entwickelte sich eine attraktive Großstadt in der Nähe von München, die bis heute einen starken Zuzug erlebt.

Dass Augsburg auch nach dem Zweiten Weltkrieg dreimal geschrumpft ist, bedeutet nicht, dass die Stadt zwischenzeitig an Attraktivität verloren hatte. Für diese Entwicklungen gibt es konkrete Gründe: 1972 lag der Rückgang an den geburtenschwachen Jahrgängen nach der Baby-Boom-Phase. 1992 sank die Einwohnerzahl, nachdem der Zuzug durch die Wiedervereinigung kurzzeitig ungewöhnlich stark gestiegen war und viele dieser Neubürger nur kurz in der Stadt blieben. Und 2005 sorgte die Zweitwohnsitzsteuer dafür, dass sich Tausende Menschen in Augsburg abmeldeten.

Seitdem lässt sich Augsburgs Beliebtheit wieder am Wachstum ablesen. Zwar gibt es mehr Todesfälle als Geburten. Der Zuzug ist aber stark, wobei laut einer Umfrage der Stadt aus dem Jahr 2015 vor allem gut gebildete Menschen unter 40 Jahren nach Augsburg ziehen, die ledig sind, keine Kinder haben und in Vollzeit arbeiten. In den Jahren vor 2017 kamen immer rund 5000 Einwohner dazu. Wie sich die Menschen in Augsburg 2016 auf die Stadtbezirke verteilt haben, zeigt diese interaktive Karte:

Bremst der angespannte Wohnungsmarkt Augsburgs Wachstum aus?

Doch der Boom stößt wohl an seine Grenzen. Darauf deutet nicht nur die Tatsache hin, dass Augsburg 2017 deutlich langsamer gewachsen ist. Selbst wenn Augsburg 2019 die Marke von 300.000 Einwohnern durchbrechen sollte, geht das Statistikamt davon aus, dass das Wachstum danach deutlich abflacht. Bis zum Jahr 2030 rechnet es nur noch mit einem Anstieg auf rund 306.000 Einwohner. Die Begründung des Amtes: "Einwohnerzuwächse setzen ein entsprechendes Wohnungsangebot voraus." Und das sei nach aktuellen Planungen erst einmal erschöpft.

Bremst also die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt Augsburgs Wachstum aktuell und in den kommenden Jahren aus? Thomas Weiand, Vorsitzender des Mietervereins Augsburg, sieht genau das als Grund: "Das Angebot an Wohnungen ist zu knapp." Umgekehrt habe der starke Zuzug der vergangenen Jahre die Wohnungsknappheit verschärft und die Preise nach oben getrieben. Die kommende Uniklinik mit zusätzlichen Jobs werde das Problem noch vergrößern.

Weiand wirft der Stadt vor, die Wohnungsbauoffensive zu spät gestartet zu haben. Oberbürgermeister Kurt Gribl hat das in der Vergangenheit immer wieder zurückgewiesen. Er wolle organisches Wachstum und nicht Wachstum um jeden Preis, damit es unter anderem keine Probleme mit der Infrastruktur gebe.

Amt für Stadtplanung rechnet weiter mit starkem Zuzug

Augsburgs Amt für Stadtplanung weist darauf hin, dass Prognosen zum Wachstum allgemein mit Vorsicht zu betrachten seien. Viele Faktoren wie die Geburtenrate, Zuzug, Neuansiedlung von Firmen oder auch politische Entscheidungen wie Wohnungsbauförderungen ließen sich nicht sicher voraussagen.

Es sei zwar tatsächlich eine verstärkte Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt zu erwarten, was den Zuzug bremsen oder ins Umland verlagern könnte. Ein totales Abflachen des Wachstums erwartet das Amt aber nicht: "Wo attraktive Arbeitsplätze entstehen, werden die Leute hinziehen wollen und versuchen, eine Wohnung zu finden." Es sei also davon auszugehen, dass Augsburg auch künftig die Menschen anzieht.

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