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Augsburg

15.01.2021

Fast 3700 Dosen verabreicht: Augsburg sperrt sich gegen Impfpflicht

Seit Ende Dezember erhalten Augsburger die Corona-Schutzimpfung. Die Impfbereitschaft von Pflegekräften war bislang eher mäßig. Das sorgt für eine Diskussion.
Foto: Peter Fastl

Plus Knapp 3700 Menschen wurden in Augsburg gegen Corona geimpft. Die Bereitschaft nimmt auch bei Pflegekräften zu, dort setzt man auf Information anstelle von Pflicht.

Inzwischen konnten in Augsburg 3670 Menschen geimpft werden. 1864 Personen wurden durch die mobilen Teams mit dem Impfstoff versorgt, 1491 Dosen gingen an die Augsburger Krankenhäuser, 315 Dosen wurden im Impfzentrum verabreicht, informiert Tobias Hock von der Bäuerle-Ambulanz, die das Impfzentrum betreibt. Dieser Tage kommen rund 3800 weitere Dosen, die kommende Woche verabreicht werden sollen. Rund 25 Impfdosen mussten nach Angaben der Stadt aufgrund von Fehlern beim Aufziehen der Spritze oder aufgrund von Verunreinigung verworfen werden - oder weil Personen doch nicht mehr geimpft werden wollten. Im letzten Fall könnten die Impfteams auf Mitglieder von Rettungsdiensten, Ärzten, Feuerwehr und Polizei zurückgreifen, die dann ihrerseits eine Impfung bekommen.

 

In diesen Tagen stehen noch die priorisierten Personengruppen im Vordergrund: Krankenhauspersonal, Bewohner und Mitarbeiter von Altenheimen. Gerade die Beschäftigten im Pflegebereich waren in den Fokus gerückt, weil ihre Impfbereitschaft bislang vergleichsweise mäßig ist. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach deshalb kürzlich eine mögliche Impfpflicht für Pflegekräfte an. Diese Idee wird von verschiedenen Augsburger Akteuren allerdings abgelehnt.

1000 Mitarbeiter der Augsburger Uniklinik sind bereits geimpft

"Wir halten nichts von einer Impfpflicht, sondern setzen auf Aufklärung und gehen davon aus, dass sich dann nahezu alle Mitarbeiter auch impfen lassen werden", sagt etwa Tobias Hock. Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) sieht das ähnlich. "Nein, eine solche Impfpflicht wird nicht befürwortet." Und auch am Uniklinikum Augsburg (UKA) wird die Entscheidung den Mitarbeitern überlassen. Hier sei die Impfung auch sehr gefragt - über alle Berufsgruppen hinweg. "Wir konnten bis heute rund 1000 Impfungen in unserem Mitarbeiter-Impfzentrum an die Kollegen der priorisierten Bereiche verabreichen. Der limitierende Faktor ist hierbei die Verfügbarkeit von Impfdosen", informiert Eva Klein, Referentin des Vorstandsvorsitzenden und Ärztlichen Direktors Prof. Michael Beyer.

Es gebe aktuell eine große Nachfrage und Wartelisten. Es sei eine Hotline eingerichtet worden, über die den Beschäftigten auch medizinische Fragen rund um die Impfung von Ärzten beantwortet werden könnten. "Daneben wurden Informationsmaterialien intern veröffentlicht. Vor der Impfung steht der impfende Arzt nochmals für die Klärung von offenen, meist sehr wenigen Fragen zur Verfügung", so Klein.

AWO: Keine Rede von einer mangelnden Impfbereitschaft

Auch Verantwortliche im Pflegebereich nehmen Abstand von der Impfpflicht und setzen auf eine mit der Zeit steigende Impfbereitschaft. So wie bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO): In 19 von 24 stationären Einrichtungen in Schwaben fanden bereits Impftermine statt. Dabei wurden rund 1000 Bewohner - was 80 Prozent entspricht - sowie fast die Hälfte der rund 1200 Mitarbeiter geimpft. Im Rahmen dieser 1600 Impfungen sei es zu keiner Komplikation gekommen, informiert die AWO. Von einer mangelnden Impfbereitschaft könne in den Augen der Verantwortlichen der AWO deshalb nicht die Rede sein.

 

Gerade die Menschen in der Pflege seien in den vergangenen Monaten für ihren Dienst bis an ihre Grenzen und darüber hinaus gegangen. "Dafür haben sie zu wenig Anerkennung bekommen und mussten immer wieder die Erfahrung machen, vergessen zu werden. Mit einer Debatte um eine Impfverpflichtung jetzt auch noch den Eindruck zu erwecken, sie müssten zum Impfen angehalten werden, schlägt in dieselbe Kerbe und lässt jede Wertschätzung für die Fachkräfte in der Pflege vermissen", sagt Heinz Münzenrieder, Chef der AWO Schwaben. Eine umfassende Informations- und Aufklärungsstrategie würde seiner Meinung nach die Impfbereitschaft wesentlich zuverlässiger stärken als eine Impfpflichtdebatte.

Augsburgs städtische Altenhilfe setzt bei Impfung auf Freiwilligkeit

Bei der städtischen Altenhilfe wird auch auf Freiwilligkeit gesetzt. "Wir gehen davon aus, dass durch die bereits erfolgten Impfaktionen in den Einrichtungen, die bei uns bisher ohne Probleme verliefen, die Impfbereitschaft gesteigert werden kann– sowohl bei den Bewohnern als auch beim Personal", sagt Sprecherin Daniela Frumert. Insgesamt 375 Bewohner und 150 Mitarbeiter erhielten in vier der fünf Einrichtungen der Altenhilfe ihre erste Corona-Schutzimpfung. Die Impfbereitschaft werde als "gut" eingeordnet. Frumert: "Nachdem Personen, die an Covid-19 erkrankten und wieder gesundet sind, keine Schutzimpfung erhalten, muss dieser Faktor bei der Gesamtbeurteilung Impfbereitschaft berücksichtigt werden."

 

Schon jetzt werde bei der Altenhilfe ein erhöhtes Interesse registriert. Durch den Austausch der Kollegen untereinander und zusätzliche Informationen über Nutzen und Risiken erhofft man sich eine zusätzliche Nachfrage nach dem Impfstoff. "Denn die Impfung gegen Covid-19 von Pflegekräften und Personal in Pflegeeinrichtungen ist von enormer Bedeutung, um die Pandemie langfristig erfolgreich zu bekämpfen", so Frumert. Die Altenhilfe wird nun zusätzliches Informationsmaterial über die Impfung, ihre Verträglichkeit und mögliche Nebenwirkungen zusammenstellen und den Mitarbeitern zur Verfügung stellen. "Der Aufklärungsbogen zur Corona-Schutzimpfung ist sehr gut, aber als Vorinformation nicht ausreichend", sagt die Sprecherin der Altenhilfe.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Impfen: Ein Zwang schürt nur die Ängste

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