Gastronomie

06.02.2015

Fast Food mal anders

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3 Bilder
Frische Bio-Zutaten, selbstgebackte Kuchen und fleischlose Speisen – damit locken Maria Heinzel (links) und ihre Mitarbeiterin Tanja Rohde die Menschen aus den Büros und Praxen rund um die Frölichstraße in ihren Laden „Max & Moritz“.
Bild: Silvio Wyszengrad

Bei den großen Ketten bricht der Umsatz ein. Viele Kunden ziehen das Bio-Brötchen oder den selbst gemachten Couscous-Salat fettigen Burgern und Pommes vor. Auch in Augsburg ist der Trend spürbar

Manchmal muss es schnell gehen. In der Mittagspause oder vor dem nächsten Termin. Da bleibt fürs Essen wenig Zeit. Aber einfach in den nächsten Imbiss hetzen? Einen Burger im Vorbeigehen? Für Julia Boxler nicht so einfach. Die 30-Jährige ist Veganerin. „Da ist es manchmal schwierig, was zu finden.“ Auch in der Kantine bei ihrem Arbeitgeber, den Stadtwerken, steht nur selten Veganes auf dem Speiseplan. Doch Julia Boxler hat Glück. In unmittelbarer Nähe zu ihrem Büro hat kürzlich „Shushu Falafel“ eröffnet.

„Ich liebe selbst gutes Essen und lege Wert auf Frische“, sagt Inhaber Welid Ismael. Das will er auch seinen Kunden bieten. Im Imbiss gibt es arabische Spezialitäten – alles selbst und frisch gemacht, wie Ismael verspricht, und vieles vegan. Julia Boxler war mit ihren Kollegen Ulrich Müller und Florian Rudolf schon ein paar mal hier. Auch wenn die Herren „Allesesser“ sind, verzichten sie gerne auf Currywurst aus der Kantine oder Burger vom Laden ums Eck. „Gelegentlich ist das ja gut“, sagt Müller, „aber mir ist es wichtig, mich auch gesund zu ernähren.“

Mit dieser Haltung sind die jungen Leute nicht alleine. Schnelles Essen ist gefragt – vor allem, wenn es hochwertig, frisch zubereitet und am besten noch irgendwie originell ist. 08/15-Fast-Food dagegen ist out. Die klassischen Ketten mit ihren Standard-Burgern tun sich daherimmerschwerer. Hygiene-Skandale haben zudem massiv am Image gekratzt. Immer mehr Kunden gehen lieber zum Bio-Brater oder zum Imbiss-Betreiber, der genau weiß, woher seine Zutaten stammen.

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Auch in Augsburg entsteht gerade eine ganz neue Fast-Food-Szene. Lokale Ketten wie die „Schwarze Kiste“ setzen auf Bio, etablierte Anbieter wie die Bäckerei Schubert fordern mit ihrem neuen Vollwert-Café am Schlachthof die Konkurrenz heraus. Und auch viele kleine Betreiber wollen mit hochwertigen Konzepten den Markt erobern. So wie Lissy und Sarah Deichmann.

Die Schwestern betreiben seit einem Jahr den kleinen Laden „Urban Food“ im Augsburger Hauptbahnhof. Mitten in der großen Halle, durch die die Pendler hetzen, in der die Fast-Food-Konkurrenz mit Dumping-Preisen lockt, bieten sie belegte Kürbis-Dinkel-Semmeln und fair gehandelten Kaffee aus einer kleinen Berliner Rösterei. Ihre Snacks sind frisch zubereitet, die meisten aus Bio-Zutaten hergestellt. Das hat seinen Preis. Es sei anfangs nicht einfach gewesen, die Kunden von den teureren Produkten zu überzeugen, sagt Lissy Deichmann. Inzwischen habe man aber eine Schar an Stammkunden, die regelmäßig kämen, und Reisende, die die moderne Schwarz-Weiß-Optik in den Laden lockt. „Leute, die bereit sind, etwas mehr zu bezahlen“, wie Deichmann sagt.

Diese Zielgruppe hat auch Maria Heinzel im Visier. Vergangenes Frühjahr hat Heinzel in der Frölichstraße „Max & Moritz“ eröffnet, ein kleines Lokal samt Naturkostladen. Alles, was hier angeboten wird, ist bio, jede Speise vegetarisch oder vegan. Zur Mittagszeit sind meist alle Tische belegt, das Angebot komme bei den Menschen, die in den umliegenden Büros und Praxen arbeiten, an, sagt Heinzel. „Die Leute wollen eben Abwechslung.“ Wer viel auswärts isst, der möge nicht immer fettiges Fast-Food oder üppige Speisen. „Irgendwann hängt das einem zum Hals heraus.“ Heinzel will ihren Gästen „etwas Ordentliches“ bieten. Dinge, die auch Zuhause auf den Tisch kommen: Reisküchle, Risotto oder gefüllte Paprika. Alles frisch zubereitet. „Es läuft gut“, sagt Heinzel. „Das Bewusstsein, sich gut zu ernähren, ist gewachsen.“ Das hat auch Welid Ismael („Shushu-Falafel“) beobachtet.

Der Luft- und Raumfahrtingenieur arbeitet tagsüber in Donauwörth bei Airbus. Abends hilft er seiner Frau Ayse und zwei Angestellten im Laden. Während seines Studiums in Berlin hat Ismael viele Jahre in der Gastronomie gejobbt. Das fehlte ihm – genauso wie das ausgefallene, hochwertige Angebot an arabischen Speisen, das er aus der Hauptstadt kannte. „Das gab es in Augsburg so nicht.“ Den Vermieter des kleinen Ladenlokals in der Karlstraße habe er mit seinem Konzept überzeugt – obwohl andere Betreiber und Ketten dank höherer Margen deutlich höhere Mieten versprochen hätten. Denn Ismael will sich preislich nicht allzu sehr von der Konkurrenz absetzen. Wer dann aber statt günstiger Pute Hähnchenfleisch auf den Schawarma-Spieß packe und statt fertiger Soßen frische Zutaten anrühre, dem bleibe am Ende eben nicht so viel Geld übrig, rechnet Ismael vor.

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