Newsticker

RKI meldet 8685 Neuinfektionen in Deutschland, Reproduktionszahl bei 1,45
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. „Fehler können in meiner Branche sehr teuer werden“

Porträt

26.03.2015

„Fehler können in meiner Branche sehr teuer werden“

Lothar Schlessmann (links) verbindet mit Hans-Jürgen Buchner, dem Kopf der Band „Haindling“, nicht nur Berufliches. Seit Jahren managt Schlessmann die Band, die im Sommer wieder nach Augsburg kommt.
Bild: privat

Lothar Schlessmann ist Manager von Haindling und betreut auch andere Bands. In den 80ern war er lange Zeit mit Hildegard Knef auf Tour. Warum es ihn jetzt nach Mexiko zieht

Der Blick aus seinem Büro in Augsburg ist genial: Der Rathausplatz mit Augustusbrunnen und diversen Cafés liegt quasi zu seinen Füßen. Lothar Schlessmann liebt es, wenn die jungen Leute dort das Pflaster erobern. Doch allzu oft kann er die Aussicht nicht genießen. Gerade war der 56-Jährige mit der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (EAV) mehrere Wochen auf Tour, kümmerte sich um das Wohlergehen der Musiker, rechnete mit örtlichen Veranstaltern ab und sorgte dafür, dass die Band rechtzeitig von Stadt zu Stadt kam.

Zur Musikbranche kam Schlessmann, der 1958 in Wertheim zur Welt kam und die kaufmännische Handelsschule absolvierte, schon früh. 1978 eröffnete er mit Freunden das Kaffeehaus Ruffini in München, bei der Sendung „Live aus dem Alabama“ machte er den Tontechniker. Damals moderierten Amelie Fried, Giovanni di Lorenzo und Günther Jauch die Jugendsendung des Bayerischen Rundfunks. Auch bei großen Konzerten war Schlessmann mit von der Partie, schüttelte James Brown und Tina Turner die Hand, kümmerte sich hinter der Bühne um Rocker Joe Cocker.

Doch die wichtigste Person dieser Jahre war Hildegard Knef. „Sie strotzte vor Emotionen und war herzensgut, sie wollte sich mit ihrer Kunst in die Herzen spielen“, so der Musikmanager. Auf 80 Konzerten durch ganz Europa begleitete Schlessmann die Knef, die die große Ella Fitzgerald als „beste Sängerin ohne Stimme“ bezeichnete. Allerdings hatte sie wenig Gespür für Menschen, die ihr nicht guttaten, so der Musikmanager.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Auch wenn München für Schlessmann noch Lebensmittelpunkt war, nach und nach orientierte er sich Richtung Fuggerstadt und gründete mit seinem Partner Walter Czermak 1986 „Hello Concerts“, ein Konzert- und Tourneebüro. Sie betreuten und betreuen Künstler wie Sandra, Spider Murphy Gang oder EAV.

Mit Haindling in Südafrika und China

Auch Haindling gehört dazu. Um diese Band kümmert sich Lothar Schlessmann sozusagen persönlich und exklusiv. Er ist nicht nur Manager der Band, das heißt, ihn verbindet ein tiefes Vertrauensverhältnis mit Hans-Jürgen Buchner, er kümmert sich auch um gute Kontakte zur bayerischen Kulturpolitik. Immerhin spielte die Band als „Botschafter“ in Südafrika, China und Kanada.

Trotz aller Erfolge ist Schlessmann immer auf dem Boden geblieben. „Fehler können in meiner Branche sehr teuer werden.“ Er kennt einige Kollegen, die sich verkalkuliert haben und pleite gingen. Auch der 56-Jährige zahlte Lehrgeld. „Ich fand eine amerikanische Band ganz toll, engagierte sie, aber es hat nicht geklappt.“ Eines hat er daraus gelernt: Es ist billiger, sich als Fan ein Ticket zu kaufen, als eine Band zu verpflichten. „Man muss Gagen realistisch einschätzen können, Hallenmieten gut verhandeln und auch so immer den Blick auf die Kasse haben.“ Bis jetzt läuft es gut.

Auch privat. Seit 1990 ist er mit einer Heilpädagogin verheiratet, das Paar hat drei Söhne. Der Älteste macht gerade in Frankfurt seinen Master in Soziologie, der Jüngste studiert in München Tanz. Den Mittleren, 24 Jahre jung, hat es zum Volkswirtschaftsstudium nach Mexiko-Stadt verschlagen. Dorthin reisen die Eltern demnächst. Schlessmann ist der Stolz auf seine Söhne anzumerken, er sei nun mal ein Familienmensch.

Seine neue Heimat Augsburg sieht er da kritischer. Er findet es schlimm, dass man ein Festival wie „Grenzenlos“ einfach untergehen lasse und sich niemand für eine Verlängerung stark mache. Auch etwas mehr Weltoffenheit würde der Stadt gut tun, findet er. Trotzdem freut er sich wie Bolle, dass der Auftritt „seiner Band“ Haindling am 1. Juli auf der Freilichtbühne bis auf Restkarten ausverkauft ist. Kurz und gut – im Leben von Lothar Schlessmann läuft es richtig rund.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren