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Augsburg-Stadt

31.03.2015

Feuerwehren kämpfen mit dem Orkan Niklas

Dominik Höck von der Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr Augsburg.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Einsatzkräfte sind im Dauereinsatz. In Augsburg bricht ein Tankstellendach nach unten, auch das Rathaus muss gesichert werden. Mehrere Lastwagen kippen um, die Bahn steht still.

Pächterin Caroline Kotzur kann es nicht fassen, was sie am Dienstagvormittag an ihrer Tankstelle in der Donauwörther Straße sieht. Plötzlich wölbt sich die Verkleidung des Tankstellendachs nach unten. Der Wind bläst das Dach förmlich auf. Auch ihr Mann ist zunächst hilflos. „So etwas habe ich vorher noch nicht gesehen“, sagt er. Doch dann reagieren die Kotzurs schnell. Sie sperren die Tankstelle mit Absperrband ab. Gerade noch rechtzeitig. Kurz darauf löst sich durch eine starke Böe die Verkleidung an der Unterseite des Dachs und stürzt krachend nach unten.

Es ist noch einmal gut gegangen. Weil niemand mehr unter dem Dach stand, gab es an der Tankstelle keine Verletzten. Überall in der Region hat Orkan Niklas am Dienstag gewütet. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Nicht überall ging es ähnlich glimpflich ab wie an der Tankstelle im Augsburger Stadtteil Oberhausen. Mehrere Verletzte mussten in Krankenhäusern versorgt werden.

Ein Lastwagenfahrer wurde verletzt, nachdem sein Fahrzeug gegen 9.40 Uhr auf der B2 in Höhe „Gut Lindenau“ zwischen Kissing und Augsburg-Hochzoll umstürzte. Der querliegende Lastwagen musste mit einem Kran aufgerichtet werden. Weil auch die Fahrbahn beschädigt wurde, blieb die Straße zunächst gesperrt. Gegen 10.15 Uhr stürzte in der Nähe des Güterverkehrszentrums in Gersthofen ein mit zwei Personen besetzter Lastwagen mitsamt Anhänger um. Auch hier war laut Polizei der Sturm die Ursache. Die Insassen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

In Augsburg war die Feuerwehr bis zum Abend rund 120 Mal ausgerückt. Neben der Berufsfeuerwehr waren auch alle freiwilligen Feuerwehren der Stadt im Einsatz. An vielen Orten kümmerten sich die Helfer um herabstürzende Dachziegel und umgefallene Bäume. In der Berliner Allee war um die Mittagszeit ein Baum auf die Leitung der Straßenbeleuchtung gestürzt. Sieben Leuchten stürzten auf die Straße, sagt Feuerwehrsprecher Friedhelm Bechtel. Die Straße war fast drei Stunden gesperrt. Am Nachmittag drohte ein Baum auf die Schießstättenstraße zu stürzen. Und gegen Abend sicherten Höhenretter der Berufsfeuerwehr das Dach des Rathauses. Auch von dort waren Dachplatten herabgestürzt. Das war jedoch nur eine Sorge. „Wir wollen auch verhindern, dass Wasser in den Goldenen Saal eindringt“, sagte Bechtel.

Betroffen waren von dem Orkan auch Kirchen. Ins Ziegeldach der Herz-Jesu-Kirche in Pfersee rissen die Sturmböen mehrere Löcher. Der Bereich um die Kirche wurde gesperrt, um Passanten vor herunterfallenden Dachziegeln zu schützen. Auch am Dom wurde das Dach beschädigt. Der nördliche Eingang in das Gotteshaus wurde gesperrt.

In mehreren Orten in der Region fiel der Strom aus: Große Teile von Schwabmünchen waren am frühen Nachmittag ohne Strom, auch einige Gebiete in der Umgebung waren betroffen. Im Landkreis Aichach-Friedberg mussten die Menschen unter anderem in Ried und Bachern zeitweise ohne Strom auskommen. In Aichach und Umgebung fiel er ab etwa 11.30 Uhr in bis zu 2500 Hauhalten aus. Am frühen Abend waren immer noch rund 300 bis 400 Haushalte betroffen. Wegen umgestürzter Bäume mussten immer wieder Straßen für den Verkehr gesperrt werden. Auf der Bahnstrecke Augsburg–München blieb gegen 9.15 Uhr ein ICE liegen. Es kam den ganzen Tag über zu Strecken-Sperrungen im Bahnverkehr und massiven Behinderungen. Pendler saßen fest. Der Fernverkehr wurde in Bayern gestoppt. Die Strecke Augsburg – München war über Stunden dicht. Kurz vor 20 Uhr fuhr der erste Nahverkehrszug von Augsburg in Richtung Landeshauptstadt – er endete in Pasing, da der Münchner Hauptbahnhof gesperrt war. Zu dieser Zeit war eines der vier Gleise wieder in Betrieb. Wie die Lage am Mittwoch sein würde, ließ sich noch nicht sagen. Eine Bahnsprecherin empfahl, sich vor der Fahrt im Internet zu informieren.

In Augsburg waren die Straßenbahngleise teils blockiert. Die Stadt Augsburg sperrte wegen des Sturms den Zoo, den Botanischen Garten, die Friedhöfe und auch die Freisportanlagen. Das Wetter bleibt erst einmal ungemütlich: Für die Region ist weiter Wind und Regen angesagt, allerdings soll es nicht mehr so stark stürmen.

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