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Augsburg-Stadt

01.10.2014

Feuerwehrmann legt eine Serie von Bränden

Nach dem Feuer in der Tiefgarage einer Wohnanlage in Haunstetten kam die Polizei einem jungen Mann auf die Spur, der für eine ganze Serie von Brandstiftungen verantwortlich sein soll. Der 19 Jahre alte Verdächtige sitzt jetzt in Untersuchungshaft.
Bild: Berufsfeuerwehr Augsburg

In Haunstetten schlägt ein Brandstifter mehrfach zu. Die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr können es nicht glauben, dass der Täter einer von ihnen ist

Von Jörg Heinzle

Es ist die Finalnacht der Fußball-WM. Auch die Feuerwehrleute haben gerade den Sieg der deutschen Nationalelf gefeiert, als gegen 1.30 Uhr ein Alarm ausgelöst wird. Das Pfarrheim der Haunstetter Pfarrei St. Georg brennt, aus dem Dachstuhl schlagen Flammen. 70 Einsatzkräfte bekämpfen den Brand. Was bei der Freiwilligen Feuerwehr Haunstetten zu dem Zeitpunkt keiner ahnt: Der Brandstifter, der das Feuer gelegt hat, kommt aus den eigenen Reihen.

Am Freitag haben Polizeibeamte einen 19-jährigen Auszubildenden festgenommen, der für eine Serie von mehr als einem Dutzend Bränden in Haunstetten verantwortlich sein soll. Er sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Er war seit Jahren Mitglied der Feuerwehr in dem Stadtteil. Seine Kameraden können es nicht fassen, dass er ein notorischer Brandstifter sein soll. Kommandant Michael Götz sagt, er sei „sehr betroffen“ gewesen, als er von der Polizei über den Verdacht gegen einen seiner Männer informiert wurde.

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Dass es in Haunstetten zuletzt immer wieder Brandstiftungen gegeben hat, war den Brandermittlern der Kripo schon länger aufgefallen. Oft wurden Mülltonnen angezündet. Auch beim Feuer im Pfarrheim gehen die Ermittler davon aus, dass die Flammen von einem Müllbehälter auf das Gebäude übergriffen. Am Gebäude entstand ein Schaden von über 250000 Euro. Das Pfarrheim war in den vergangenen Jahren für viel Geld saniert worden. „Wir sind zutiefst bewegt und traurig“, war die Reaktion von Pfarrer Markus Mikus nach dem Brand.

Weshalb sich der 19-Jährige ausgerechnet das Pfarrheim aussuchte, sei noch nicht geklärt, sagte ein Polizeisprecher unserer Zeitung. Bereits im Jahr 2013 hatten Mülltonnen im Bereich des Pfarrzentrums gebrannt. Auch dafür könnte der junge Feuerwehrmann verantwortlich sein, heißt es. Im Polizeiverhör hat er eine ganze Reihe von Brandstiftungen gestanden. Als Motiv gab er eine „allgemeine persönliche Unzufriedenheit“ an.

Auf die Spur kamen die Kriminalbeamten dem jungen Mann nach einem Feuer in der Tiefgarage des Offenbach-Karrees in Haunstetten. Anfang September brannte dort der Motorraum eines Kleinwagens aus. Schon wenige Tage später stand für die Ermittler fest, dass der 19-Jährige dahinterstecken muss. Er soll mit dem Besitzer des Wagens einen Streit um Geld ausgefochten haben. Schon zwei Monate zuvor hatte der Autobesitzer angekokelte Taschentücher an derselben Stelle entdeckt. Die Ermittler recherchierten in dem Fall weiter. Jetzt vermuten sie, dass der Brandstifter seit Anfang des Jahres 2013 insgesamt 15 Mal in Haun-stetten Feuer gelegt hat.

Viele Fälle hat er inzwischen zugegeben – unter anderem Brände in Müllcontainern bei einem Autohaus und bei einer Kindertagesstätte sowie Brandlegungen in einem früheren Schwesternwohnheim und in einem leer stehenden Haus. Die Beamten haben zudem den Verdacht, dass der 19-Jährige mehrere Feuer im Stadtwald bei Haunstetten gelegt haben könnte. Die Feuerwehr musste dort in den vergangenen beiden Jahren immer wieder brennendes Gras löschen. Diese Taten streitet der Mann aber ab. Bevor es zu einem Strafprozess kommt, wird ihn voraussichtlich auch ein psychiatrischer Gutachter untersuchen. Womöglich sei der Drang, Feuer zu legen, bei ihm auch krankhaft, heißt es bei den Ermittlern. Das könnte sich auf seine Schuldfähigkeit auswirken.

Bei der Feuerwehr in Haunstetten hat man schnell reagiert, als der schwerwiegende Verdacht bekannt wurde. Der Feuerwehrmann sei ausgeschlossen worden, sagt Kommandant Michael Götz. Er kennt den jungen Mann seit Jahren. Er war bereits in der Jugendfeuerwehr dabei, ehe er später zu den aktiven Feuerwehrleuten wechselte. Er habe sogar an einer Fortbildung mit den Brandermittlern der Kripo teilgenommen, sagt Götz. Nun müssen seine Kameraden erkennen, dass einer ihrer Männer die Feuer gelegt hat – und hinterher sogar beim Löschen half.

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