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Augsburg

17.07.2020

Findet die Verkehrswende in Augsburg ohne E-Roller statt?

Alfred Sahl, Renate Gielnik und Markus Müller sind die Geschäftsführer eines Handels für Elektro-Motorroller.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Die Verkehrswende in Augsburg soll kommen, so steht es im Koalitionsvertrag von Schwarz-Grün. Nicht jede Art von E-Mobilität hat eine Chance auf Förderung.

Markus Müller könnte man als Überzeugungstäter bezeichnen – in beruflicher Hinsicht. Der Diplom-Ingenieur hat sich vor einiger Zeit für einen beruflichen Wechsel entschieden. Grund war der Kauf eines E-Rollers: Dieser habe ihn sofort, so schildert Müller es im Gespräch, begeistert, sodass er neugierig auf dieses Geschäftsfeld geworden sei. Mit den beliebten und verhassten E-Scootern haben die Elektro-Motorroller, die nur auf der Straße unterwegs sein dürfen, nur wenig gemein.

Elektromobilität in Augsburg hat viele Facetten

Heute ist Müller einer von drei Geschäftsführern der „E-Drive-Point GmbH“, seine beiden Kollegen sind Renate Gielnik und Alfred Sahl. Sie sind stationäre Händler von elektrifizierten Rollern jeglicher Couleur. Sahl erklärt, er vermisse eine „klare Positionierung der Stadtregierung hinsichtlich Elektro-Mobilität.“ Ihm sei der Diskurs zu sehr auf E-Bikes und E-Lastenräder fixiert. Folgende Probleme sieht er bei diesen Fortbewegungsmitteln: hohe Anschaffungskosten insbesondere bei Lastenrädern, Verengung der Radwege durch diese, nicht für jeden und jede Entfernung anwendbar.

Experten der Mobilitäts-Denkfabrik „Agora Verkehrswende“ konstatieren, „Elektromotorroller, E-Bikes und elektrische Lastenräder sind keine Alternativen, sondern sie ergänzen sich – wobei die Bedeutung von Lastenrädern höher einzuschätzen ist als die von Elektromotorrollern.“ Sie verweisen vor allem auf die höhere Lastenkapazität.

Die Stadt selbst hat sich im Juli 2018 im Stadtrat mit den Ergebnissen eines Projekts beschäftigt, welches unter anderem die Elektromobilität fördern soll. Darin ist vor allem von Elektro-Fahrrädern und E-Lastenrädern sowie E-Autos die Rede, Elektromotorroller werden so gut wie nicht erwähnt. Auch im Koalitionsvertrag von Schwarz-Grün, der sich seitenlang intensiv mit Klimaschutz und Mobilität befasst, kommen Elektroroller im Gegensatz zu Fahrrädern nicht vor.

E-Roller werden es auch zukünftig in Augsburg schwerer haben

Augsburg fördert diese Fahrzeuge nicht, im Gegensatz zu Städten wie Neuburg an der Donau, München oder Fürstenfeldbruck. Hier können Käufer mit einer Förderung von einigen hundert Euro durch die Kommune rechnen – mithin bis zu 25 Prozent der Nettokosten.

Deniz Anan, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und mobilitätspolitischer Sprecher der Grünen, erklärt dazu: „Wir planen derzeit keine besondere Förderung von Elektrorollern. Denn anders als Lastenräder bieten sie sich nicht für Familien mit Kindern oder den Transport größerer Einkäufe an. Die finanziellen Mittel sind knapp, daher erscheint uns die Lastenrad-Förderung sinnvoller.“ Auch der CSU-Fraktionsvorsitzende Leo Dietz verweist auf die klammen Kassen der Stadt aufgrund der Corona-Krise.

„Aus diesem Grund kann zum derzeitigen Zeitpunkt darüber keine Aussage getroffen werden, ob zeitnah oder in naher Zukunft ein Förderprogramm für Elektroroller zustande kommt. Wie im Koalitionsvertrag allerdings dargelegt, liegt unser Fokus auf den Verkehrsmitteln des Umweltverbundes, also Fuß- und Radverkehr, Bus und Bahn.“ Man begrüße aber die Zunahme von E-Motorrollern im privaten und gewerblichen Bereich.

Drei Augsburger Geschäftsleute hoffen auf mehr öffentliches Interesse am E-Roller

Kritischer sieht der Fraktionsvorsitzende nach eigener Aussage die E-Scooter, „die in Massen in Augsburg abgestellt wurden und wenig ins Stadtbild passen“. Anan sagt, würden mehr Menschen Elektromotorroller nutzen, könne man sich aber gut vorstellen, Parkplätze in (Elektro-)Rollerstandplätze umzuwandeln. Die Roller könnten dazu beitragen, dass Menschen weniger Auto fahren.

Insgesamt ist den Äußerungen der beiden Politiker zu entnehmen, dass die Koalition vor allem auf E-Bikes und -Lastenräder setzt. Hierzu liegt der Stadtverwaltung auch ein Antrag beider Parteien vor, der einen teilweisen Umbau des Fischmarkts in einen Fahrradstellplatz vorsieht. „Gegebenenfalls auch unter Wegfall von Autostellplätzen“, sagt Dietz.

Weniger Autos, das ist auch laut Renate Gielnik vernünftig. „E-Bikes sind absolut ein wichtiger Teil der Verkehrswende. Aber dass Elektromotorroller ebenso eine wichtige Rolle spielen könnten, wird vergessen.“ Zielgruppe seien jene, die zwischen zehn und 50 Kilometer zur Arbeit pendeln, oder Menschen, die eingeschränkt bewegungsfähig sind.

Im Gegensatz zu E-Bikes müsse für einen elektrifizierten Roller keine neue Infrastruktur geschaffen werden, er fahre schließlich auf der Straße. Wie andere Händler auch sei man von Corona betroffen, allerdings stelle die Nachfrage „schon zufrieden“: Was fehle, sei die mangelnde Öffentlichkeit, anders als bei E-Bikes.

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Die Diskussion ist geschlossen.

17.07.2020

Zur Überschrift sollte man erst mal sagen, dass offensichtlich keine Einigkeit hinsichtlich dem Begriff Verkehrswende besteht. Während die einen offensichtlich nur elektrifizieren wollen, sehen andere in der grundsätzlichen Beschränkung des motorisierte Individualverkehrs die Bedeutung.

Der Spiegel hat kürzlich zusammengefasst woher die geringe Nachfrage kommen könnte:

https://www.spiegel.de/auto/elektrische-motorroller-das-verkehrsmittel-der-stunde-a-ad7551a2-84cc-46c6-907f-01f06494c9c0

Während das Zeugs in China preiswert und inzwischen weit verbreitet ist, versucht man in Europa aus einem relativ simplen e-Roller ein hochpreisiges Ökoprodukt zu machen und mal wieder irgendwelche Steuergelder umzuverteilen.

Tatsächlich ist der effektive Vorteil gegenüber pedelecs in Städten nahe NULL. Bei Regen ist beides gleich unangenehm, nur dass ich mich mit dem pedelec dann auf recht leeren Wegen langsamer fortbewegen kann, während der e-Roller auf der Straße noch immer von den Autos gejagt wird.

Wichtiger wäre EU-weit eine vernünftige Strukturierung von pedelecs in 2 Geschwindigkeitsklassen und eine Angleichung der Verkehrsregeln der schnellen Variante an die Schweiz. Im Mischverkehr auf Rad-/Fußwegen sollte nur die langsamere Variante mit max. 20 Km/h zulässig sein, während straßenbündige Wege auch mit der schnellen 45er Variante mit Versicherungskennzeichen benutzt werden könnte.

Ich finde es richtig, dass diese Dinger in Augsburg nicht gefördert werden.

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17.07.2020

Das ist das Problem in unserer wahrhaft bescheuerten Verkehrspolitik.
Es werden eigentlich nur Autos gefördert. Fahrräder sollten eigentlich gefördert werden.
Alles, was dem Verkehrskollaps und vollgestopften Straßen mit stinkender Luft entgegentritt, sollte vorangebracht werden.
Corona sei Dank ist es zwar zurückgegangen, aber was unser Vekehrsminister aus der Situation macht, lässt einem den Mageninhalt hochkommen.

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17.07.2020

Es wird oft übersehen, dass das krumme Agieren von Andy Scheuer aus der CSU heraus geht. Ob Maut, Tempolimit oder anderes, der Andy Scheuer macht keinen Strich ohne Zustimmung von Markus Söder.

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17.07.2020

>> Das ist das Problem in unserer wahrhaft bescheuerten Verkehrspolitik. Es werden eigentlich nur Autos gefördert. <<

Werden die 250 Mio unter dem Hauptbahnhof für den Autoverkehr finanziell gefördert?

Es gibt unabhängig von Herrn Scheuer in Deutschland Städte, in denen der ÖPNV schneller und preiswerter ist und es gibt Städte wo Radverkehr mehr Freude bereitet. Darüber redet mancher nicht gerne, weil dann schnell die Wirkungsarmut grüner Politik auf kommunaler Ebene zur Diskussion steht.

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