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Augsburg

11.03.2018

Flächenverbrauch: So wird der Boden in Augsburg genutzt

Wie viel Fläche pro Jahr soll in Augsburg zugebaut werden? Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.
Bild: Alexander Kaya (Archiv)

Bayernweit könnte es im Sommer zu einem Volksbegehren kommen, das den Flächenverbrauch von Kommunen begrenzen will. Das sind die Standpunkte hierzu.

Das Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre hat sich in Augsburg in einem Wachstum des bebauten Gebiets niedergeschlagen: Im Jahr 2016 (aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor) wurden knapp 42 Hektar neu bebaut – das entspricht in etwa der Fläche der Jakobervorstadt. Der Bund Naturschutz hält das für zu viel. Wie berichtet wollen die Grünen ein bayernweites Volksbegehren anstoßen, um Kommunen eine Obergrenze beim Flächenverbrauch aufzuerlegen.

Der Anteil an unbebauter Fläche im Augsburger Stadtgebiet ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Die Verkehrs- und Siedlungsfläche wuchs bezogen auf die Gesamtfläche jährlich um 0,6 Prozent. Zum Vergleich: München, Nürnberg und Regensburg liegen laut Statistischem Landesamt bei 0,4 Prozent, die „Boomtown“ Ingolstadt bei 0,8 Prozent. In Augsburg sind inzwischen 43,5 Prozent des Stadtgebiets Siedlungs- und Verkehrsfläche (wobei auch Parks und Bolzplätze zum Siedlungsgebiet zählen, Wald und Äcker hingegen nicht). Vor 15 Jahren waren es noch drei Prozent weniger.

Das Volksbegehren „Betonflut eindämmen“ möchte erreichen, dass in Bayern nur noch fünf Hektar pro Tag zugebaut werden dürfen. Für Augsburg wären das – wenn man den Anteil der Stadt an der bayerischen Landesfläche zum Maßstab nimmt – nach einer Umrechnung der Lokalen Agenda 21 3,8 Hektar pro Jahr. Das ist weit unter den aktuellen Werten. Im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre wurden jährlich 35 Hektar (zirka 50 Fußballfelder) verbraucht, allerdings je nach Jahr und Baukonjunktur mit starken Schwankungen.

Stadt Augsburg befürchtet Grundpreissteigerungen und höhere Mieten

Im OB- und Baureferat ist man alles andere als begeistert über das Volksbegehren. Boden sei ein wertvolles Gut, das Volksbegehren schieße aus seiner Sicht aber übers Ziel hinaus, sagt Oberbürgermeister Kurt Gribl ( CSU). „Eine Flächenobergrenze würde den dringend nötigen Bau neuer Wohnungen behindern.“ Eine weitere Folge wären Grundpreissteigerungen und höhere Mieten.

Ein erfolgreicher Volksentscheid, sollte es soweit kommen, dürfte Auswirkungen auf konkrete Vorhaben haben. Denn die Stadt plant im Außenbereich in den kommenden Jahren mehrere Projekte: In Haunstetten Südwest soll ein Wohngebiet für mehr als 10.000 Menschen entstehen und auch Platz für Gewerbe und Erholung bieten. In Lechhausen möchte die Stadt auf Ackerland ein Gewerbegebiet südlich des Umweltparks ausweisen, das Platz für kleinere und mittelgroße Firmen bieten soll. Und auch in Radegundis ist eine Bebauung auf Ackerland im Gespräch.

Baureferent Gerd Merkle (CSU) verweist darauf, dass die Stadt sich schon immer bemühe, Zersiedelung zu vermeiden. In der Tat hat Augsburg in den vergangenen zwei Jahrzehnten die ehemaligen US-Kasernen als Entwicklungsflächen nutzen können. Inzwischen gebe es aber kaum noch große innerstädtische Flächen, so Merkle.

Der Bund Naturschutz und auch die Lokale Agenda 21, in der sich Bürger für eine nachhaltige Entwicklung engagieren, fordern aber ein grundsätzliches Umdenken. Eine bindende Flächenverbrauchsregelung sei ein Hemmschuh, aber ein sinnvoller, sagt Norbert Stamm vom städtischen Büro für Nachhaltigkeit, das dem Referat von Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) zugeordnet ist.

Sind höhere Gebäude die Lösung?

Mögliche Probleme durch stärkeren Zubau, denen Augsburg allerdings mit einem Stadtentwicklungskonzept zu begegnen versucht, seien Veränderungen im Stadtklima mit stärkerer Aufheizung und weniger Frischluft, so Stamm. Es stellten sich viele Fragen – etwa, ob man stärker in die Höhe bauen müsste.

In die gleiche Kerbe schlägt Irene Kuhn von der Augsburger Gruppe des Bund Naturschutz. „Boden ist nicht vermehrbar. Er ist die Grundlage, auf der wir leben.“ Sie plädiert für verdichtetes Bauen, um Fläche zu sparen. Neue Wohnkonzepte müssten noch stärker gefördert werden, um älteren Menschen den Auszug aus dem zu groß gewordenen Einfamilienhaus zu erleichtern. Pro Kopf braucht ein Augsburger rund 40 Quadratmeter Wohnfläche – diese Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, auch aufgrund der zunehmenden Zahl der Single-Haushalte.

Der Bund Naturschutz hat aktuell ein Gutachten beauftragt, das für Augsburg feststellen soll, ob es Möglichkeiten gibt, große Parkplätze etwa von Supermärkten mit Gebäuden zu überbauen. Die Parkplätze blieben durch eine spezielle Bauweise erhalten, darüber könnten Wohnungen entstehen. Das ist eine Überlegung. Auch Nachverdichtungsmöglichkeiten bei Mehrfamilienhäusern und die Frage, wie sinnvoll Einfamilienhäuser sind (sie verbrauchen umgerechnet auf Bewohner am meisten Fläche), sollen darin diskutiert werden.

Wo in den vergangenen Jahren Flächen zugebaut wurden, ist aus der Statistik nicht ohne weiteres feststellbar. Vor allem der Bereich Wohnen hat zwischen 2014 und 2016 zugelegt (20 Hektar), Gewerbe und Industrie in geringerem Maße (acht Hektar). Leicht zugenommen haben Wald und Ackerland, den größten Verlust gab es in der Kategorie „Unland“, in die auch Konversionsflächen fallen. 

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12.03.2018

Zum Thema Verdichtung der Wohnbebauung und Flächen zu sparen: Augsburg hat ein hervorragend ausgebautes Nahverkehrsnetz. Die bayerische Stellplatzverordnung ist in den Innenstädten eher schädlich denn nützlich. Muss denn jede neue Wohnanlage massenhaft Parkraum haben, der Fläche verbraucht und die Baukosten nach oben treibt? Urbanes Wohnen sollte wirklich so weit gehen, dass der vertraglich zugesicherte Verzicht auf ein eigenes Kraftfahrzeug sich für Mieter und Eigentümer lohnt. Autofreie Wohnanlagen, wo der Stellplatz auf das dringend Notwendige zur Versorgung reduziert wird, würden Lebensqualität in die Städte bringen.

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