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Augsburg

01.03.2018

Fleißige Biber machen der Stadt viel Arbeit

Kürzlich besuchte ein Biber den Garten von AZ-Leserin Anke Mayer und fraß genüsslich die vertrockneten Rosen. Die Garteninhaberin griff beherzt zur Kamera und hielt die ungewöhnliche Szene fest.
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Kürzlich besuchte ein Biber den Garten von AZ-Leserin Anke Mayer und fraß genüsslich die vertrockneten Rosen. Die Garteninhaberin griff beherzt zur Kamera und hielt die ungewöhnliche Szene fest.
Foto: Anke Mayer

Die Tiere haben Augsburg unter sich aufgeteilt. An einigen Orten gestalten sie dabei die Landschaft massiv um. Was Anwohner ärgert, kann der Natur nützen.

Dass Augsburg die Stadt der Flüsse, Kanäle und Bäche ist, hat sich offenbar bis zu den Bibern herumgesprochen. Überall im Stadtgebiet haben die Tiere ihre Reviere bezogen – mit unterschiedlichen Auswirkungen für ihre menschlichen Nachbarn und die Natur.

Vor zwölf Jahren gab es den ersten Biber im Grenzgraben am Augsburger Flugplatz, erinnert sich der Augsburger Biberbeauftragte Richard Weiß. Heute bevölkern rund 120 der Tiere das Augsburger Stadtgebiet. Während sich Mensch und Tier an vielen Orten arrangiert haben, gibt es auch Problemfälle.

Schauplatz Haunstetten – der Ölbach. Kaum eineinhalb Meter breit ist der kleine Quellfluss, der östlich der Brunnenbachstraße hinter der Siedlung entlang strömt. Normalerweise. Ein Damm aus Ästen, Lehm und verschiedenen Pflanzenteilen hat das Bächlein auf der einen Seite zu einer breiten Wasserfläche angestaut – dafür tröpfelt auf der Rückseite des Gebildes nur noch ein Rinnsal im Bachbett. In dem kleinen Wäldchen am Bach sind überall die charakteristischen zugespitzten Baumstümpfe zu entdecken. Dort hat sich der Biber eine Mahlzeit oder Baumaterial geholt. Der Ölbach ist einer von vier „Biberbrennpunkten“ an der Stadt, in denen Biber ohne menschliches Eingreifen echten Schaden anrichten würden, erklärt Weiß. Regelmäßig baut ein von der Stadt beauftragter Arbeiter die Dämme ab – und ebenso regelmäßig baut sie der Biber wieder auf.

In 25 Revieren leben rund 120 Tiere

25 Biberreviere gibt es in Augsburg, in jedem leben zwischen drei und sechs Tiere. Damit ist die Stadt aufgeteilt. Weil der Biber sein Revier energisch verteidigt, können keine Familien mehr zuwandern.

Zumeist freuen sich die Menschen, wenn sie einen Biber in der Stadt sehen, so Weiß. So kann man am Oblatterwall seit Jahren regelmäßig einen Biber beim Spazieregang beobachten. Im Textilviertel am Triebwerkskanal haben Anwohner ihren Biber „Hermann“ getauft und freuen sich, wenn er auf dem Begrenzungsstreifen ein Sonnenbad nimmt. Eine Zeit lang hat sogar ein Biber im Wasserturm am Roten Tor gewohnt. „Biber sind extrem anpassungsfähig und lassen sich vom Menschen nicht stören“, sagt Weiß. Und das kann Probleme machen. Denn der Biber ist streng geschützt – seine Bauwerke dürfen nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen beseitigt werden.

Die Nachbarn am Ölbach sind wenig begeistert von der Baufreude ihrer Biberfamilie. „Das hier war einmal ein Biotop, jetzt hat der Bach im Sommer fast kein Wasser mehr, dafür läuft alles in den Wald“, ärgert sich eine Anwohnerin. Ohne regelmäßige Betreuung stünde eine erheblich größere Fläche unter Wasser, sagt der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Gerhard Schmidt. Allerdings – das verschwundene Biotop hat sich auf der anderen Seite des Dammes mit einer noch größeren Artenvielfalt neu gebildet, betont Schmidt. „Der Biber gestaltet die Natur massiv um“, so der Experte. Das sei aus Sicht des Naturschutzes zu begrüßen. Doch kann es auch Probleme bereiten.

Im Höhgraben leiden seltene Arten unter den Veränderungen

Im Quellbach Höhgraben am Kaisersee etwa gibt es mehrere, ebenfalls streng geschützte Arten, wie die Helm-Azurjungfer, eine Libellenart, und das gefärbte Laichkraut. Beide Arten sind auf das klare, kalte Wasser des Quellbachs angewiesen. Durch die Aktivitäten der Biber drohe diesen Arten das Aus.

Richtig gefährlich wird es, wenn Biber beginnen, erhöhte Triebwerkskanäle auszuhöhlen. Dann drohen Überschwemmungen in der Stadt. In so einem Fall hilft es nur, in die Dämme Stahlgitter einzuarbeiten, so Biberexperte Weiß. Die Tiere wegzufangen würde nichts bringen, weil sofort andere das verwaiste Revier besetzten würden.

Ärgerlich für Landwirte ist der Appetit der Tiere. Während sich Biber im Herbst und Winter von abgebissenen Trieben der von ihnen gefällten Bäume ernähren, gehen sie im Sommer mit Vorliebe in Mais- und Rapsfelder. Um den Schaden klein zu halten, hat die Stadt Elektronzäune angeschafft, die an betroffene Landwirte kostenlos abgegeben werden. Denn alles kostet Geld. Rund 1000 Euro investiert die Stadt in Biberabwehrmaßnahmen und den Mitarbeiter, der die Dämme betreut.

Wenn einmal ein Biber doch an einer Stelle entnommen werden muss, kommt meistens der Jäger ins Spiel. Deshalb hat der Vorsitzende der Jägervereinigung Augsburg, Hans Fürst, die Tiere im Blick. „Weil Biber kein jagdbares Wild darstellen, sind wir streng genommen nicht zuständig“, sagt er. In der Praxis würden die Tiere mit Lebendfallen gefangen und entfernt.

Auch Fürst schätzt die Lage im Stadtgebiet entspannt ein. Ganz anders sei die Situation an vielen Stellen im Umland. „Es gibt mittlerweile eine gewisse Sättigung“, so Fürst. Die Tiere würden Straßen untergraben oder beispielsweise schöne alte Bäume fällen. „Man muss im Naturschutz auch immer in die Zukunft blicken und sehr genau überlegen, was passiert, wenn nichts getan wird“, ist seine Überzeugung.

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