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Prozess in Augsburg

18.10.2019

Flüchtling gesteht brutale Überfälle auf sechs Frauen in Augsburg

Seit dieser Woche läuft der Prozess gegen Momodou J., 30, vor der dritten Strafkammer des Landgerichts. Er hat zugegeben, dass er im Herbst 2018 in Augsburg sechs Frauen überfallen hat.
Bild: Silvio Wyzsengrad

Plus Momodou J. hat seine Opfer gewürgt, geschlagen und ins Gesicht gebissen. Vor Gericht in Augsburg schweigt er, aber sein Anwalt versucht, die Taten zu erklären.

Ihr Freund sagt, Tina W. (Name geändert) sei seit der Tat „in mancher Hinsicht ein anderer Mensch“. Sie sei verschlossener geworden, sie könne intime Nähe nur noch schwer zulassen – und sie habe mehr Angst, vor allem nachts. Tina W., 24, ist im Oktober vorigen Jahres beinahe von einem 30-jährigen Flüchtling vergewaltigt worden. Die Studentin war gegen Mitternacht in der Augsburger Innenstadt von einer Party auf dem Weg nach Hause. Der dunkelhäutige Mann habe erst freundlich mit ihr gesprochen und angeboten, sie ein Stück zu begleiten, sagt Tina W. Dann aber sei er aufdringlich geworden. Und sie erlebte schlimme Minuten, die sie bis heute belasten.

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Gegen den Täter, Momodou J., Asylbewerber aus dem afrikanischen Land Gambia, läuft seit dieser Woche ein Strafprozess vor dem Landgericht. Er gibt zu, dass er vor einem Jahr in nur wenigen Wochen sechs Frauen überfallen hat. Zu einer Vergewaltigung kam es nicht. Nach Ansicht der Ermittler aber nur, weil sich die Opfer teils heftig wehrten. Die Anklage wirft dem 30-Jährigen in zwei Fällen versuchte Vergewaltigung vor, zudem versuchte sexuelle Nötigung, Körperverletzung, Raub und Bedrohung.

Übergriff in Augsburg: Das Opfer rechnete mit einer Vergewaltigung

Tina W. wirkt äußerlich gefasst, als sie im Gerichtssaal aussagen muss. Momodou J. sitzt nur wenige Meter entfernt auf der Anklagebank. Die junge Frau sagt, sie habe gedacht, dass sie vergewaltigt wird. Erst habe sie sich ganz gut mit Momodou J. unterhalten. „Es hat mich interessiert, woher er kommt und was er jetzt hier bei uns macht“, erzählt sie. Als sie ihm dann aber sagte, sie wolle lieber alleine nach Hause gehen, sei er plötzlich aggressiv geworden. Tina W. ging zu einem Haus in ihrer Nachbarschaft und klingelte – in der Hoffnung, dass ihr jemand öffnet. Doch sie kam nicht ins Gebäude.

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Sie erzählt, wie der Täter sie gegen eine Wand gedrückt, sie mit beiden Händen am Hals gepackt und gewürgt hat. Kurz bekam sie deshalb keine Luft mehr und fürchtete, ohnmächtig zu werden. Momodou J. küsste sie, er biss ihr in die Lippe und ins Kinn. Er begrapschte sie und öffnete ihren Hosenladen. Es gelang ihm nicht, ihr die Hose runterzuziehen, weil sie einen Gürtel trug. Als ein Anwohner aus einem Fenster blickte und fragte, ob sie Hilfe brauche, ließ der Täter kurz von ihr ab. Das nutzte Tina W., um ihm mit dem Knie in die Weichteile zu schlagen. Daraufhin gab er auf und rannte davon.

Ein Zeuge im Augsburger Prozess sagt, er habe noch nie jemanden so weinen sehen

Ihr Freund, der Tina W. kurz nach der Tat bei ihr zu Hause traf, sagt vor Gericht: „Ich habe noch nie jemanden so krass weinen sehen.“ Sie habe am ganzen Körper gezittert, das Make-up in ihrem Gesicht sei verschmiert gewesen. Sie habe zuerst nur geschrien und nicht normal reden können. Als ihm klar geworden sei, dass seine Freundin beinahe vergewaltigt worden ist, habe er die Polizei alarmiert. Momodou J. war da aber schon verschwunden. Der Freund sagt, er merke, dass Tina W. noch immer unter dem Überfall leide. Sie habe wohl auch versucht, die Erinnerung an die Nacht zu verdrängen. Durch den Prozess sei jetzt aber alles wieder sehr präsent. Die Studentin arbeitet nebenbei in der Gastronomie. Wenn sie nachts nach Hause gehen müsste, nimmt sie jetzt lieber ein Taxi.

Momodou J. will vor Gericht selbst nichts zu seinen Taten sagen. Sein Verteidiger Helmut Linck gibt in seinem Namen eine Erklärung ab. Demnach gesteht Momodou J. alle ihm vorgeworfenen Übergriffe. Er habe sich zu den Taten hinreißen lassen, sagt sein Anwalt. Heute könne er sich nicht mehr erklären, wie es so weit kommen konnte. Helmut Linck sagt: „Er sagt von sich, er sei kein böser Mensch, er tue eigentlich niemandem etwas zuleide.“ Der Angeklagte sei zu dieser Zeit frustriert gewesen. Er wollte zu seiner Familie in Italien zurück, konnte das aber wegen des laufenden Asylverfahrens in Deutschland nicht.

Der 30-Jährige hat in Italien bei seiner Flucht nach eigenen Angaben eine Italienerin kennengelernt und ein Kind mit ihr gezeugt. Die Tochter ist jetzt 20 Monate alt. Anwalt Linck sagt, er sei mit der Frau in Kontakt. Sie stehe weiter zum Angeklagten. Momodou J. wolle in der Haft an sich arbeiten und habe das Ziel, irgendwann wieder mit seiner Freundin und dem gemeinsamen Kind leben zu können. Dass er sich zuvor noch auf eine längere Zeit im Gefängnis einstellen müsse, sei ihm bewusst, so der Anwalt.

Anwalt: Er wollte Geld für die Reise zu Frau und Kind nach Italien

Gefasst wurde Momodou J. Mitte November 2018, nachdem er an der Tramhaltestelle beim Augsburger Klinikum eine Frau überfallen und ihr das Handy geraubt hatte. Die Tat war äußerst brutal. Als er der Frau das Telefon schon abgenommen hatte, setzte er sich auf sie, schlug ihr mehrfach mit der Faust ins Gesicht und würgte sie mit beiden Händen. Weil es der Frau gelang, ihm in die Hand zu beißen, ließ er von ihr ab und flüchtete. Momodou J. erklärt die Tat laut seinem Verteidiger damit, dass er an Geld für eine Italienreise kommen wollte. Wieso er die Frau so misshandelte, erklärt er nicht. J. wolle auch keine Nachfragen beantworten, sagt sein Anwalt. Aus Scham.

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18.10.2019

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