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Augsburg

14.05.2019

Flüchtling und Azubi: So wird ein Erfolg daraus

Hildegard Schwering begleitet als Jobpatin die Auszubildende Mezila Juhar aus Äthiopien. Sie lässt sich zur Altenhilfepflegerin ausbilden. Es ist ein Beruf, für den in Deutschland dringend Kräfte gesucht werden. Damit Frauen wie Mezila Juhar erfolgreich sein können, brauchen sie aber Unterstützung.
Bild: Michael Hochgemuth

Viele geflüchtete Menschen streben Ausbildungen in Augsburg an. Sie bringen eine überdurchschnittliche Motivation mit, doch ohne Hilfe geht es oft nicht. Von Hürden, Herausforderungen und Unterstützungsangeboten.

Vor fünf Jahren kam Mezila Juhar nach Deutschland. Sie war damals gerade einmal 15 Jahre alt. In seinem Heimatland Äthiopien konnte das junge Mädchen nicht mehr leben. Umso mehr versucht sie nun, hier Fuß zu fassen. Die engagierte junge Frau konnte in der Berufsintegrationsklasse den Mittelschulabschluss erzielen und absolviert gerade eine einjährige Ausbildung zur Altenpflegehelferin im Christian-Dierig-Haus der AWO in Pfersee.

In Schwaben machen geflüchtete Menschen aktuell in vielen Bereichen eine Ausbildung. Josefine Steiger, Leiterin des Fachbereichs Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK), hat einen guten Überblick und sagt, dass allein 2000 Frauen und Männer seit 2015 eine Ausbildung in IHK-Berufen ergriffen haben. „200 von ihnen haben bereits ihre Prüfungen bestanden. 90 Prozent davon wurden übernommen – davon die Hälfte mit einem unbefristeten Vertrag“, sagt sie.

Die Motivation der Auszubildenden mit Fluchthintergrund sei in der Regel sehr hoch. „Sie begreifen die Ausbildung als ihre Chance“, sagt sie. Einfach dürfe man sich den Weg, den Azubi und Betrieb bis zur Prüfung durchlaufen, dennoch nicht vorstellen. „Integration ist ein mühsamer Prozess“, so Steiger. Ein Prozess, der von beiden Seiten gleichermaßen angegangen werden müsse, weiß auch Jochen Geisenberger von der Akademie für Gesundheitsberufe der Uniklinik Augsburg. „Wir haben über 500 Auszubildende in allen Berufsfeldern, allerdings nur etwa eine Handvoll mit Fluchthintergrund“, sagt er.

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Die Sprache ist der Knackpunkt

Knackpunkt sei nach wie vor die Sprache. Bei medizinischen, therapeutischen und pflegerischen Berufen werde bereits in der Ausbildung viel Fachsprache verwendet. „Grundsätzlich benötigen Auszubildende mit Fluchthintergrund einen Sprachnachweis B2. Den muss man erst einmal bekommen“, sagt Geisenberger.

Wer über einen solchen Sprachnachweis des Niveaus B2 verfügt, hat ein gehobenes Sprachniveau erreicht, mit dem komplexere Sachverhalte in der Fremdsprache Deutsch verstanden und auch selbstständig ausgedrückt werden können. Geisenberger betont, dass die Integration nur beiderseitig funktionieren könne. „Die anderen Azubis unterstützen ihre Kollegen mit Fluchthintergrund sehr. Aber auch wir begleiten sie besonders und sind selbst für private Fragestellungen da. Wenn es beispielsweise Probleme mit behördlichen Briefen gibt.“

Ohne Unterstützung geht es oft nicht. Auch Mezila Juhar braucht sie: Der theoretische Teil ihrer Ausbildung ist nicht ohne. „Er ist unglaublich anspruchsvoll“, beurteilt Hildegard Schwering die schulische Herausforderung, der sich die Äthiopierin stellen muss. Schwering muss es wissen. Sie selber ist gelernte Krankenschwester, arbeitete 37 Jahre am jetzigen Uniklinikum, davon viele Jahre als Personalratsvorsitzende. Heute ist sie im Ruhestand und geht mit Mezila Juhar am Feierabend oder am Wochenende ihren Schulstoff durch. Er beinhaltet Grundlagen der Pflege, Rechtskunde, deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, das Schreiben von berufsbezogenen Texten, aber auch Aspekte aus den Bereichen Medizin, Ethik, Psychologie und Gerontologie. Hildegard Schwering ist die Jobpatin der Auszubildenden.

Jop-Patenschaften helfen bei der Integration

Die Diakonie hilft mit solchen Job-Integrationspatenschaften geflüchteten Frauen. „Wir wollen sie dabei unterstützen, einer Arbeit nachzugehen und damit raus aus der Sozialhilfeabhängigkeit zu kommen“, sagt Flüchtlings- und Integrationsberaterin Susanne Donn. Derzeit gebe es acht „Paare“, Geflüchtete samt Paten, die gemeinsam den Berufsalltag bewältigen. Dabei gehe es nicht immer um die Unterstützung bei Sprachkursen oder Ausbildungsinhalten – manchmal gehe es auch um Kinderbetreuung. „Wir haben eine Alleinerziehende, die eine Ausbildung als Friseurin absolviert. Die braucht ab und zu Unterstützung bei der Kinderbetreuung“, sagt Donn. Das Projekt wird durch die finanzielle Unterstützung des Rotary Clubs Augsburg-Renaissancestadt ermöglicht. Die Mitglieder wollen sich gezielt für Mädchen und Frauen einsetzen. „Es kann nicht angehen, dass ein Mensch scheitert, weil es an einer kleinen Stellschraube fehlt“, sagt Präsident Thomas Jakob. Bei dem Jobpaten-Projekt könne mit kleinen Hilfestellungen viel bewegt werden. Wenn Mezila Juhar ihre Prüfung zur Altenpflegehelferin besteht, dann hat sie den nächsten Ausbildungsvertrag bereits in der Tasche: Bei der Arbeiterwohlfahrt könnte sie im Christian-Dierig-Haus im Anschluss noch die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft absolvieren.

Praxisanleiterin Friederike Seitz ist sehr zufrieden mit der 20-Jährigen. „Sie bringt sehr viel Empathie mit und setzt ihre Aufgaben mit großer Qualität um.“ Für eine weitere Ausbildung benötigt die Äthiopierin allerdings noch die Erlaubnis der Ausländerbehörde.

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