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Augsburg-Stadt

09.07.2015

Flüchtlings-Unterkunft spaltet Gögginger

In der Friedrich-Ebert-Straße will die Caritas eine Flüchtlingsunterkunft bauen. Die Pläne sind umstritten.
Bild: Anne Wall

Die Caritas will in der Friedrich-Ebert-Straße in Göggingen eine Asyl-Unterkunft bauen. Das löst auf einer Versammlung Unterstützung und Widerstand aus.

Semsch stellte das Projekt vor. Eigentümerin des Grundstücks ist die Kirchenverwaltung der Pfarreiengemeinschaft Göggingen-Inningen. Eine Entscheidung des Kirchenvorstandes über die Bebauung steht jedoch noch aus. Die Planungen der Caritas sehen eine Nutzung des Grundstückes in Erbpacht für 50 Jahre vor. „Der Bedarf an günstigen Wohnungen in Augsburg wächst. Wir setzen auf Nachhaltigkeit“, erklärt Semsch. Das Haus soll demnach massiv gebaut werden, etwa zehn Jahre als Flüchtlingsunterkunft dienen und anschließend als sozialer Wohnungsbau weiter vermietet werden.

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Der Architekten-Aufriss, den Semsch den etwa 150 Interessierten im Roncallihaus vorstellte, zeigt: Für die etwa 60 Personen sind Doppelzimmer zu 14 Quadratmeter vorgesehen. Im Erdgeschoss werden jeweils zwei Räume mit einem Durchgang verbunden, der bei Bedarf für die Unterbringung von Familien geöffnet werden kann. Im Außenbereich werden Fahrrad- und Mülleimerdepots sowie ein Hausmeister-, ein Arzt- und ein Sozialarbeiter-Zimmer eingerichtet. Ein vom Freistaat bezahlter Sozialarbeiter begleitet die Flüchtlinge durch den Alltag.

Caritas-Pläne sorgen für Verständnis, Unmut und Ablehnung

Bei der Bürgerversammlung, zu der Pfarrer Nikolaus Wurzer kurzfristig eingeladen hatte, sorgten die Caritas-Pläne für Verständnis, aber auch für Unmut und offene Ablehnung. Die Stadt, sagte Sozialreferent Stefan Kiefer, suche aktuell Unterkünfte für Asylbewerber im Süden der Stadt. Es gebe zwar zahlreiche Angebote von Immobilienbesitzern aus Lechhauser Gewerbegebieten, die der Stadt ihre Gebäude zur Verfügung stellen wollen. Aber auch in anderen Stadtteilen sollten Flüchtlinge unterkommen – in Haunstetten und Göggingen lebten derzeit noch fast keine, so Kiefer.

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Die Einwände der Bürger richteten sich nicht gegen eine Unterbringung in Göggingen an sich, sondern gegen den geplanten Standort. „Die Unterkunft läge direkt neben der Schule, einem Kindergarten und einer Einrichtung der St. Gregor-Jugendhilfe. Da geht es sehr eng zu“, gibt Susanne Erdmann, Vorsitzende des Elternbeirats der Friedrich-Ebert-Mittelschule, zu bedenken. „Das Grundstück ist zu klein. Die Flüchtlinge hätten dort und drum herum keine Bewegungsmöglichkeiten.“

Auch andere Institutionen könnten Interesse am Grundstück haben. Ein Kindergarten hätte noch Platzbedarf und lange Wartelisten, außerdem könne das Gelände auch für einen Ausbau des Horts an der Mittelschule interessant sein, melden einige Eltern.

Teilweise wurde es auch lauter, etwa als ein Kritiker beklagte, „mundtod“ gemacht zu werden, weil er nicht sofort zum Zug kam. Andere Teilnehmer der Versammlung äußerten sich freundlicher gegen über den Plänen: „Die Menschen sind genau die, die vor dem terror flüchten, vor dem Sie Angst haben.“ Ein Mann erinnerte daran, dass in der Kuratie vor gut 25 Jahren eine Gruppe von Bengalen Kirchenasyl erhalten hatte. Die Hilfs-Aktion machte damals bundesweit Schlagzeilen.

Die Hälfte der Anwesenden befürwortet den Bau

Eine Spontan-Abstimmung zeigte: Etwa die Hälfte der Anwesenden befürwortete den Bau. Das sei zwar kein bindendes Votum für den siebenköpfigen Kirchenvorstand, aber doch ein Stimmungsbild, erklärte Pfarrer Wurzer: „Wir werden die Pfarrgemeinderäte und den Pastoralrat anhören. Die Statuten sehen jedoch vor, dass allein der Kirchenvorstand über das Grundstück zu entscheiden hat.“ (mit kna)

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