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Verkehr

26.07.2019

Fördertopf schon leer: Lastenräder sind in Augsburg sehr gefragt

Lastenräder einmal anders genutzt: Vor Kurzem gab es ein Rennen mit den Fahr-rädern. Ansonsten werden sie eher als Verkehrsmittel für den Alltag genutzt – zum Einkaufen oder Kinder transportieren.
Bild: Annette Zoepf

Der städtische Fördertopf wurde innerhalb kürzester Zeit ausgeschöpft. Das Interesse ist nicht nur bei Privatpersonen groß.

Eine Überraschung war das nicht: Das Interesse an der städtischen Lastenradförderung war groß. 140 Anträge gingen bereits am ersten Tag (1. Juli) bei der Stadt ein. Nun meldete das Umweltamt, dass der gesamte Fördertopf in Höhe von 100.000 Euro ausgeschöpft ist.

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Thomas Lis (Pro Augsburg) hatte mit diesem Ansturm gerechnet. Gemeinsam mit seinen Kollegen der Stadtratsfraktion von Pro Augsburg hatte er Ende 2016 einen Antrag gestellt, dass Augsburg ein an das Münchner Modell angelehnte Förderung für elektrisch unterstützte Lastenräder aufstellt. Um den Autoverkehr zu reduzieren, setze die Stadtverwaltung in München verstärkt auf die Förderung von E-Bikes und E-Cargobikes. Auch in Augsburg sind Lastenräder im Kommen. „Die Entwicklung ist stark steigend“, sagt Lis. Er muss es wissen: Er ist Fahrradhändler – betreibt die Radstation am Bahnhof. Vor acht Jahren schafften sich die ersten Augsburger ein Lastenrad an. „Anfangs verlief der Verkauf sehr zäh“, erinnert er sich. Die vergangenen drei, vier Jahre nahm dann der Verkauf von Lastenrädern an Fahrt auf, in den vergangenen beiden Jahren entwickelte sich das Interesse rasant. „Es ist etwas Vernünftiges, dass auch noch Spaß macht“, erklärt er. Mütter und Väter würden mit den Lastenrädern ihre Kinder in die Kita bringen. Ein Einkauf lasse sich ebenfalls problemlos in solch einem Gefährt verstauen. „Einige haben nach der Anschaffung eines Lastenrades sogar auf das Auto verzichtet“, so Lis. Nicht nur Privatpersonen zählen zu den Nutzern.

Logistik-Unternehmen setzen auf Lastenräder

Eine Hebamme gehört zu den Kundinnen des Fahrradhändlers, die beruflich mit ihrem Lastenrad unterwegs ist. Verschiedene Logistik-Unternehmen würden auf das Fahrrad setzen, wie etwa UPS. „Der Transport geht so auf der letzten Meile einfach schneller voran.“ Auch ein Café würde das Lastenrad als Transportmittel nutzen und so das Catering bewerkstelligen.

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Helmut Hengelmann, Inhaber des Augsburger Lokals Kappeneck, tritt selber auf seinem Lastenrad ins Pedal. „Eigentlich haben wir uns das Lastenrad wegen unseres Sohnes vor drei Jahren angeschafft. Mit einem Anhänger hätte ich kein gutes Gefühl gehabt“, erzählt er. Mittlerweile nutzt er das Rad hauptsächlich für das Kappeneck. Da sei es einfach „extrem praktisch“. Hengelmann kauft Fisch, Geflügel, Käse, Brot und Eier auf dem Stadtmarkt. „Früher bin ich mit meinem Auto hingefahren und habe dann oft einen Strafzettel bekommen.“ Seine Waren stapelt er einfach in den Kasten. Sogar 150 Eier könne er so problemlos von der Innenstadt in die Ja-kobervorstadt transportieren. Seine privaten Einkäufe erledige er ebenfalls ausschließlich mit dem Lastenrad. Durch das Rad sei er flexibler geworden und habe wieder die Lust am Radeln entdeckt. „Man sieht die Stadt plötzlich auch ganz anders“, habe er festgestellt. Den Fördertopf der Stadt findet er eine „gute Sache“. Schließlich habe er so auch viel Autoverkehr reduziert und Strafzettel gespart.

Nachfrage viel größer als das Angebot

Und was sagt die Stadt zur großen Nachfrage? „Wir sind überwältigt von dem großen Interesse an unserer Lastenradförderung. Wenn sich durch diese neuen Lastenräder der innerstädtische motorisierte Individualverkehr reduziert, haben wir einen wichtigen Baustein gesetzt hin zur nachhaltigen Mobilität und dem Klimaschutz“, sagt Umweltreferent Reiner Erben. Die Nachfrage war viel größer als das Angebot: Insgesamt wurden 80 Prozent mehr Anträge gestellt, als Fördergelder zur Verfügung standen. 50 Prozent des Fördertopfs geht an Privatpersonen, 50 Prozent an Augsburger, die sich das Rad als Verein, Organisation oder Wohngemeinschaft teilen. „Damit sollte der Gemeinschaftscharakter unterstrichen werden“, so Erben. Die Anträge der geteilten Nutzer werden derzeit überprüft. In drei Monaten könne gesagt werden, ob allen Anträgen auch wirklich stattgegeben worden ist oder ob noch Fördergelder übrig sind. Durchschnittlich können die im Antrag genannten Lastenräder mit einer Summe von 888 Euro gefördert werden, teilt das Umweltamt mit.

Ob in Zukunft noch ein weiterer Fördertopf aufgelegt wird, stehe nicht fest. Das liege letztlich an den finanziellen Möglichkeiten der Stadt.

Hören Sie zum Radverkehr in Augsburg auch unseren Podcast:

 

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26.07.2019

Wat ein Kommentar... Wo fang ich an, wo höre ich auf?
Leider sind das alles Menschen, ob Lastenrad, Fahrrad, Fußgänger, ÖPNV-Nutzer und sogar die Autofahrer.
Jedoch geht die wirkliche Gefahr von den tonnenschweren KFZs aus, oder?
Und, jedes Lastenrad ist ein Auto weniger in der Stadt. Also gut für alle, die hier leben!

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26.07.2019

Leider fahren diese Moms und Dad`s (und auch vereinzelt Hundebesitzer) mit jenem Vehikel, die ich ja wirklich toll finde immer mehr und rücksichtslos auf reinen Fußgängerwegen wie etwa Fußgängerweg Kappelberg-Kirchgasse und streifen Fußgänger und ABC-Schützen - eigentlich ihre eigene Klientel - aber was solls beschwerst du dich reagieren Behörden gleich gar nicht. Kommt wahrscheinlich von oben - sind ja 2020 Wahlen in Augsburg.

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