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Augsburg

27.02.2015

Frau löst nach Beziehungskrach schweren Unfall aus

Eine Unfallflucht mit schweren Folgen wurde vor dem Amtsgericht in Augsburg verhandelt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Eine 28-Jährige will übernächtigt mit dem Auto zum Freund fahren – und verletzt dabei in Neusäß eine Zeitungsausträgerin schwer. Jetzt kam es zum Prozess.

Wenn Liebende streiten, schlagen die Emotionen hoch, gewinnen Gefühle die Oberhand. In einer psychischen Ausnahmesituation tut man Dinge, die man hinterher bereut. Ein Beziehungsstreit zwischen einer 28-Jährigen und ihrem Freund hatte schlimme Folgen für eine Zeitungsträgerin in Neusäß. Der Fall wurde jetzt vor Gericht aufgerollt.

Im Februar 2014 macht die Frau nach einer Zwölf-Stunden-Schicht in der Gastronomie um 1 Uhr nachts Schluss. Dann telefoniert sie mit ihrem Lebensgefährten. Es kommt zum Streit. Sie fährt nach Hause, telefoniert wieder, weint, kommt nicht zur Ruhe. Gegen 4.45 Uhr setzt sie sich verheult, übermüdet, emotional fertig in ihren BMW, um mit ihrem Freund, der in Neusäß wohnt, zu reden. In der Dieboldstraße am Ortseingang passiert es: Die Zeitungsträgerin hat gerade ihr Fahrrad am Straßenrand abgestellt und geht auf ein Haus zu, um eine Zeitung in den Briefkasten zu stecken. In diesem Augenblick übersieht die 28-Jährige das Rad, erfasst es mit dem rechten Kotflügel. Das Fahrrad wird meterweit wie ein Geschoß durch die Luft katapultiert und gegen den Hinterkopf der Trägerin geschleudert. Die 68-Jährige bricht zusammen, die Unfallfahrerin flüchtet. Das Opfer wird mit einer Hirnblutung, einer Gehirnerschütterung und einem mehrfachen Rippenbruch ins Klinikum gebracht. Nach der Entlassung hat sie wochenlang arge Schmerzen an den Rippen, trägt aber wieder tapfer, seit über 20 Jahren, die Zeitung aus.  

Gleich zwei Gutachter sagten im Prozess aus

Amtsrichterin Claudia Alfons hat im Prozess gleich zwei Gutachter geladen, um den Unfall aufarbeiten zu können. Denn die Zeitungsträgerin kann sich an das Geschehen nicht mehr erinnern. Die Angeklagte (Verteidiger: Thorsten Junker) wiederum beteuert, sie habe in jener dunklen Februarnacht nur einen „Rumpler“ wahrgenommen, geglaubt, sie habe „eine Verkehrsinsel gerammt“. „Ich hatte die Frau nicht gesehen, niemals gedacht, dass ich einen Menschen verletzt habe“. Erst am folgenden Tag, als ihr eine Arbeitskollegin einen Polizeibericht über den Unfall im Internet zeigte, habe sie erfahren, was wirklich geschehen war. „Und da bin ich zusammengebrochen“, sagt sie. Sie ging freiwillig zur Polizei. „Ich weiß, dass ich nicht richtig gehandelt habe, es tut mir sehr leid und ich bin froh, dass es dem Opfer wieder gut geht“, sagt sie. Einer der Gutachter kommt nach der Auswertung von Spuren schlüssig zu dem Ergebnis, dass die Zeitungsträgerin keinesfalls auf dem Radl saß, als sie erfasst wurde. Haare und Gewebespuren finden sich am Schutzblech des Vorderrades.

Die Richterin verurteilt die Frau schließlich wegen Verkehrsgefährdung, fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht zu einer Geldstrafe von 4800 Euro (120 Tagessätze zu je 40 Euro). Den seit fast einem Jahr beschlagnahmten Führerschein kann die 28-Jährige frühestens in drei Monaten erneut beantragen.

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