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Augsburg

20.01.2020

Frau stirbt bei Unfall mit Räumfahrzeug: Was die Familie nun fordert

Vor knapp zwei Wochen ereignete sich am Königsplatz der Unfall, bei dem eine 87-jährige Frau tödliche Verletzungen erlitt.
Bild: Ina Marks

Plus Ein Räumfahrzeug des Winterdienstes hatte an der Halderstraße eine Fußgängerin erfasst. Die 87 Jahre alte Frau erlag ihren Verletzungen.

Als Hans-Christian Wille in den Nachrichten von dem tödlichen Unfall am Königsplatz erfuhr, wurde er hellhörig: Eine ältere Frau aus dem Landkreis Augsburg war an einem Montagmorgen im Januar an der Halderstraße von einem Räumfahrzeug erfasst worden. Den Augsburger beschlich ein ungutes Gefühl. Er wusste, seine Schwiegermutter wollte zum Hermanfriedhof. Wille fuhr zur Unfallstelle.

87-Jährige wurde von der Front des Räumfahrzeugs erfasst

Seine vage Befürchtung wurde zur schockierenden Realität. Bei dem Todesopfer handelte es sich tatsächlich um seine 87 Jahre alte Schwiegermutter. Sie wollte an dem Morgen das Grab ihres Mannes besuchen. Bei Grün lief sie über die Fußgängerampel an der Halderstraße. Doch der Fahrer des Räumfahrzeuges des Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetriebs Augsburg (AWS) sah sie offenbar nicht.

Die Polizei schilderte den fatalen Unfallhergang wie folgt: Demnach kam der 57 Jahre alte Fahrer des städtischen Räumfahrzeugs von der Schaezlerstraße und wollte nach rechts in die Halderstraße einbiegen. Da dort an der Ecke ein Lastwagen bei Rotlicht wartete, konnte das Räumfahrzeug nicht vollständig in die Halderstraße einfahren und hielt an. Um dem Räumfahrzeug das Abbiegen zu ermöglichen, setzte der Lkw etwas zurück. In diesem Moment schaltete die Fußgängerampel in der Halderstraße auf Grün.

Frau stirbt bei Unfall mit Räumfahrzeug: Was die Familie nun fordert

Personen im toten Winkel: Unfallfahrzeug verfügte über Warnsignale für Fahrer

Der Fahrer des Räumfahrzeugs ließ die Fußgänger vor seinem Fahrzeug über die Straße laufen. Als der 57-Jährige laut Polizei keine Passanten mehr sah, fuhr er an. Dabei übersah er die Seniorin. Nach Angaben der Polizei hatte sie noch sehr langsam die Straße überquert. Willes Schwiegermutter wurde von der Front des Räumfahrzeugs erfasst.

Notfallseelsorger hätten sich daheim rührend um seine Frau und ihn gekümmert, erzählt Wille. „Meine Frau glaubte es erst, als die Polizei die Handtasche ihrer Mutter vorbeibrachte.“ Einige Tage zog sich die Familie zurück, um den Schicksalsschlag zu verarbeiten. Nun aber wendet sich der 62-Jährige an die Öffentlichkeit. „Uns ist es wichtig, dass sich so ein Unfall nicht wiederholt. Schließlich hätte auch ein Kind übersehen werden können.“

Wenn man weiß, so Wille weiter, dass einem Fahrzeug so etwas wie ein Schneeräumer vorgebaut sei, müsse man doch entsprechende technische Maßnahmen ergreifen, um die Übersicht behalten zu können. Tatsächlich lässt die Stadt, wie berichtet, 17 Großfahrzeuge des Tiefbauamtes und 45 des Abfallwirtschaftsbetriebs mit Abbiegeassistenz-Systemen nachrüsten. Das Unfallfahrzeug verfügte bereits über eine solche Einrichtung, die den Fahrer optisch und akustisch warnt, wenn sich jemand im toten Winkel befindet.

Schwiegersohn der 87-Jährigen: "So etwas darf sich nicht wiederholen"

Allerdings geht es dabei um den rechten toten Winkel. Die Seniorin soll sich aber nicht in diesem befunden haben. Eine Augenzeugin berichtete, dass die Frau nah an der Schaufel des Fahrzeuges vorbeigegangen und von dieser umgeworfen worden sei. „Die Polizei meinte, es sei eine Verkettung unglücklicher Zufälle gewesen, aber das hilft auch nichts. So etwas darf sich nicht wiederholen“, sagt Hans-Christian Wille mit Nachdruck.

Dem Fahrer des Winterdienstes wolle er keinen Vorwurf machen. Doch zeigt er sich von der Stadt enttäuscht. Zwar habe seine Frau eine Beileidsbekundung erhalten. Er habe aber das Signal erwartet, dass man alles daran setzen werde, um zu schauen, wie so ein Unfall künftig vermieden werden kann. Beim Umweltreferat, das als übergeordnete Stelle für den AWS zuständig ist, will man die abschließende Untersuchung der Polizei abwarten. Deshalb könne man zu dem Unfallhergang keine weiteren Auskünfte geben. Es sei der erste tödliche Verkehrsunfall im AWS. „Auch über eine Woche nach dem schrecklichen Unfall sind die Kolleginnen und Kollegen im AWS erschüttert.“

Lesen Sie auch: Wie die Stadt Augsburg Abbiegeunfälle vermeiden will

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