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Lesung

23.05.2011

Frei von der Tyrannei der Fakten

Alex Capus erzählt von sich und präsentiert „Léon und Louise“

Erfolg kann anstrengend sein. Der Schweizer Schriftsteller Alex Capus reist mit seinem Roman „Léon und Louise“ gerade von Lesung zu Lesung. Als eine Ochsentour empfindet er das nicht, sagte er in der Buchhandlung Pustet. „Mein Bruder arbeitet in der Fabrik, das ist eine Ochsentour.“ Spuren hinterlässt der Marathon aber doch. In Augsburg war zu merken, wie viel Routine er beim Vorstellen seines Romans bereits entwickelt hat.

Sympathisch kam der Schweizer mit den französischen Wurzeln trotzdem rüber, weil er zum eigenen Beruf eine weitgehend allürenfreie Haltung einnimmt. Erscheint er zu einer Lesung, heißt das für ihn, seinem Publikum mehr als nur den Roman zu präsentieren. Capus erzählt also, wie er dazu kam, über eine Dreiecks-Liebesgeschichte zu schreiben, die noch dazu in Frankreich stattfindet.

Wegen eines Sprachkurses landete die Mutter in Paris

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Paris spiele in Capus’ Leben eine Rolle, weil seine Mutter im Jahr 1960 auf die Idee kam, als Grundschullehrerin in den Ferien einen Englisch-Sprachkurs in Oxford zu besuchen. Ihr Weg aus der Schweiz führte sie über Paris, wo sie eine Nacht blieb, an diesem Abend einen Mann traf, der ihr sagte, morgen sei er zur selben Zeit im selben Café. „Einen Monat später war sie immer noch in Paris und schwanger.“ Und im nächsten Sommer sei er auf die Welt gekommen. Deshalb Paris, deshalb wohne die Hauptfigur Léon später in der Rue des Ecoles, dort habe er seine Kindheit verbracht.

Capus erzählte weiter, dass er sich für Léon von seinem Großvater habe inspirieren lassen. Dieser arbeitete wie die Hauptfigur als Polizeichemiker am Quai des Orfèvres. Capus’ Großvater besaß außerdem ein Schiff auf der Seine. Das war sein Geheimnis, von dem alle in der Familie wussten, das alle in der Familie respektierten. „Das war eine sehr katholische Form des Konfliktmanagements.“ Genauso wie der Umgang mit der Freundin, die der Großvater lebenslang neben seiner Frau und den Kindern hatte.

Capus begegnete dieser Freundin nur einmal – bei der Beerdigung seines Großvaters. Diese Szene sei die einzige gewesen, die er für seinen neuen Roman nicht habe erfinden müssen. Ansonsten erzähle er ja in seinen Büchern oft anhand von Fakten, recherchiere gewissenhaft den Inhalt; nun sei er als Schriftsteller einmal froh gewesen, von deren Tyrannei befreit zu sein. So beginnt der Roman also mit dem nicht erfundenen Ende der Liebesgeschichte. Den Anfang und alles Weitere hat Capus während des Schreibens gefunden.

Alex Capus: Léon und Louise, Hanser Verlag, 320 Seiten, 19,90 Euro

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