Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Freund oder Zuhälter? Milde Strafen für Entführung aus Bordell

Augsburg

15.04.2015

Freund oder Zuhälter? Milde Strafen für Entführung aus Bordell

90 Prozent der Frauen im Augsburger Rotlichtmilieu kommen inzwischen aus Osteuropa.
Bild: Patrick Seeger, dpa

Der Prozess um die Entführung einer 19-jährigen Prostituierten aus einem Augsburger Bordell ist mit milden Strafen zu Ende gegangen. Noch im Gerichtsaal fielen sich Täter und Opfer in die Arme.

Der Haupttäter, der mutmaßliche Zuhälter Csaba E., 37, kam direkt nach dem Urteil aus der Untersuchungshaft frei. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Gegen drei Helfer von Csaba E. verhängte das Gericht Strafen, die noch deutlich darunter lagen.

In der Anklageschrift hatte die Staatsanwaltschaft den Fall, der sich im Herbst vor einem Lechhauser Bordell abspielte, noch als Geiselnahme eingestuft. Am Ende blieb Nötigung, Freiheitsberaubung und versuchte Körperverletzung übrig. Zwar hatte Csaba E. zusammen mit mehreren Bekannten die 19-jährige Prostituierte tatsächlich aus dem Bordell geholt, sie dabei auch beschimpft, festgehalten und an den Haaren gezerrt. Er brachte die junge Frau dann in eine Münchner Wohnung. Allerdings hatte sich im Prozess auch gezeigt, dass die 19-Jährige wohl hin- und hergerissen war, ob sie mit ihm mitkommen will oder nicht. Noch am Tattag soll sie Csaba E. per Internetchat ihre Liebe versichert haben.

90 Prozent der Frauen im Augsburger Rotlichtmilieu kommen aus Osteuropa

Der Strafprozess vor der Jugendkammer des Landgerichts hatte offengelegt, wie Zuhälter ihre Macht über junge, unsichere Frauen ausüben. Inzwischen kommen nach Einschätzung der Kriminalpolizei rund 90 Prozent der Frauen, die im Augsburger Rotlichtmilieu arbeiten, aus Osteuropa. Die 19-jährige Prostituierte, um die es in dem aktuellen Fall ging, stammt aus Rumänien. Sie hatte Csaba E., ebenfalls ein Rumäne, in Wien kennengelernt, wo sie ins Milieu eingestiegen war. Die Beziehung war von vielen Streitigkeiten und immer wieder offenbar auch von Gewaltausbrüchen durch E. geprägt.

Offiziell arbeitete Csaba E. in der österreichischen Hauptstadt auf dem Bau. Doch wie die 19-Jährige vor Gericht aussagte, lebte er in Wirklichkeit wohl eher vom Geld, dass mehrere Prostituierte verdienten. Auch E.s Schwester soll in Wien im Milieu aktiv gewesen sein. Später wandte sich die 19-Jährige dann einem anderen rumänischen Zuhälter zu und wollte in Augsburg arbeiten. Doch Csaba E. wollte sie von dort zurückholen – und fuhr deshalb zu dem Bordell in Lechhausen, dessen Adresse ihm die 19-Jährige selbst verraten hatte. Dass Csaba E. dabei so brutal agierte, dass er zwischenzeitlich in Haft und nun vor Gericht kam, hat ihm die Prostituierte offenbar verziehen. Noch im Gerichtssaal fiel sie ihm in die Arme.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren