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Linie 6 in Augsburg

18.07.2010

Friedberger Straße: Grüne Welle oder Dauerstau?

Baustelle Friedberger Straße
Bild: Silvio Wyszengrad

Wenn die Tram auf der Linie 6 fährt, will die Stadt mit einem Leitsystem und intelligenten Ampeln den Autoverkehr auf der Friedberger Straße flüssig halten. Doch es gibt Zweifel. Von Stefan Krog

In drei Monaten zählt es: Dann sollen die Arbeiten für die Linie 6 abgeschlossen sein, Mitte Dezember soll die Tram nach Hochzoll/Friedberg-West dann regulär in Betrieb gehen.

Doch für OB Kurt Gribl (CSU) findet die Bewährungsprobe auf der Straße statt: Die Frage wird sein, wie gut der Verkehr auf der künftig auf zwei Spuren verengten Friedberger Straße läuft. Gribl steht bei den Bürgern im Wort - ihm wird der Satz von der "gefühlten Vierspurigkeit" zugeschrieben. Doch viele Hochzoller sind skeptisch.

Die Stadt wird demnächst an den Zufahrtsstraßen zur Friedberger Straße neue Verkehrsschilder aufstellen, wie man sie von der Impuls-Arena kennt. Auf LED-Tafeln werden die Autofahrer am Roten Tor, auf der Berliner Allee sowie von Friedberg und Kissing kommend darauf hingewiesen, wie sie fahren sollen. Die Aufschrift wird wohl häufig darauf hinauslaufen, dass Autofahrer die Friedberger Straße meiden und den Umweg über die leistungsfähigere Schleifenstraße und die Blücherstraße nehmen sollen.

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Insgesamt 1,68 Millionen Euro lässt die Stadt sich die Signaltechnik kosten. In einem zweiten Ausbauschritt für 650.000 Euro sollen weitere Schilder hinzukommen. "Vielleicht braucht es eine Anlaufzeit, aber es wird klappen", ist Baureferent Gerd Merkle überzeugt.

Eine ähnliche Situation wie in der Donauwörther Straße soll vermieden werden. Dort herrscht seit der Verlängerung der Straßenbahn jeden Tag Stau, weil die Straße verengt wurde. Doch in Hochzoll gibt es anderen politischen Druck: Im Wahlkampf plädierte die CSU für eine vierspurige Straße, nach der Wahl schwenkte sie um.

In der Ackermann-Straße wird das System bereits getestet

Zusätzlich zu den Umfahrungsstraßen wie Schleifenstraße und Große Ostumgehung sollen es nun "intelligente Ampeln" richten. Um die 100 im Boden vergrabene Messschleifen erfassen künftig auf der Friedberger Straße und deren Zuläufen, wie viele Autos fahren und ob sich Störungen abzeichnen. "Wenn das der Fall ist, muss man in fünf bis zehn Minuten reagieren", sagt Sandor Isepy, zuständig für den Bereich Signaltechnik im Tiefbauamt, "sonst hat man den Stau."

Auf der Bürgermeister-Ackermann-Straße werden "intelligente Ampeln" seit eineinhalb Jahren zentral über einen Rechner im Tiefbauamt in der Annastraße aus gesteuert. Dort ist die Verkehrsleitstelle der Stadt untergebracht, wo Mitarbeiter auf Monitoren den Verkehrsfluss auf den großen Straßen der Stadt überwachen. Auf Bildschirmen ist ablesbar, welche Spuren an der Ackermann-Straße gerade grün haben, Kameras erfassen die Warteschlangen.

"Auf der Bürgermeister-Ackermann-Straße braucht man jetzt zehn bis zwanzig Prozent weniger Fahrzeit", sagt Isepy. Diese Technologie soll auch auf der Friedberger Straße zum Einsatz kommen. Die Messschleifen melden dem Rechner die Verkehrsdaten. Der Computer kann je nach aktueller Belastung aus bis zu zehn Programmen für die Ampelschaltung auswählen, um Staus zu vermeiden und die Straße mit einer grünen Welle "durchzuspülen".

Hochzoller fürchten Staus in den Querstraßen

Das hört sich einfacher an, als es ist. Die Tram wird erstens Vorrang vor dem Autoverkehr haben, und zweitens darf auch auf den Querstraßen kein Stau entstehen. Das fürchten viele Hochzoller. "Den intelligenten Ampeln trauen die Leute hier nicht", sagt Richard Ziegelmeier von der Bürgerinitiative gegen die Straßenbahn. "Es bleibt beim Stau", fürchtet er. Und auch beim Schleichverkehr durch Hochzoll-Süd werde es bleiben.

Die effizienteste Lösung wäre wohl, Autofahrer für die neue Tram zu gewinnen oder zumindest auf die Umfahrungsrouten zu lotsen. Letzteres praktiziert die Stadt ja schon erfolgreich, wenn auch mit brachialeren Methoden: Weil die Friedberger Straße wegen der Tram-Bauarbeiten in Friedberg-West stadteinwärts seit Monaten gesperrt ist, sind ohnehin schon deutlich weniger als die zuletzt gezählten 45.000 Autos pro Tag unterwegs. Von Stefan Krog

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