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Theater

27.06.2017

Frieden ist in uns

Mit Tanz, Spiel und Sprache umkreisen die Darsteller des Eukitea-Theaters in ihrer Open-Air-Aufführung das Thema Frieden.
Bild: Marcus Merk

Wie er sich entfalten kann, erkundet das Eukitea in seiner Sommeraufführung auf der Anhauser Waldbühne

„Frieden ist!“ – der Titel der diesjährigen Eukitea-Open-Air-Produktion mutet an, als hätte das Ensemble um den künstlerischen Leiter Stephan Eckl seit mindestens 2015 keine Nachrichten geschaut, keine Zeitungen gelesen und das World Wide Web komplett ignoriert. Statt globaler Krisen auf der Waldbühne Anhausen ein lokales Idyll: Theatermacher mit großer Botschaft, Zuschauer teils auf bunten Picknickdecken und ein Theatercafé mit fair-ökologischen „Wald- und Wiesenköstlichkeiten“.

Anspruch von Eckl und Mitregisseur Olaf Dröge ist aber natürlich nicht, den Unfrieden auf der Welt zu übersehen, sondern „in diesen bewegten anspruchsvollen Zeiten zu zeigen: Frieden ist möglich. Jetzt! Frieden ist in uns, immer… und wartet darauf sich entfalten zu dürfen,“ wie es im Programmflyer heißt. Auf der Waldbühne entfaltet sich aus dieser Hoffnung ein Abend mit acht Schauspielern und Geflüchteten, die mit unterschiedlichen theatralen Mitteln das Thema Frieden und was ihm im Wege steht umkreisen. Rund um einen abgeklebten großen weißen Kreis auf den Brettern der Waldbühne liegen Europaletten in allen möglichen Formationen: als Strandgut lebensgefährlich gekenterter Migrationspläne? Als Konsumkritik, weil uns Waren, wie sie tonnenweise auf solchen Paletten transportiert werden, ungleich sicherer erreichen als Menschen, die unsere Hilfe brauchen?

Auf und mit acht Hockern erkunden die Performer vor den Palettenbergen verschiedene Aspekte persönlichen, sozialen und politischen Unfriedens: Zeitmangel, Nachrichten aus Krisenherden, äußere Zwänge… Ein wilder Ausdruckstanz geht augenzwinkernd in die Macarena über und später in Armbewegungen wie den Flügelschlag von Friedenstauben. Sieben Spieler verkörpern auf ihren Hockern wie auf Sockeln stehend Allegorien von Reichtum, Erfolg, Schönheit oder Harmonie, zwischen deren Lockungen eine Frau hin und her irrt und nichts als Unsicherheit und Stress erntet. Ein Performer erzählt die bewegende Liebesgeschichte seiner Eltern im Turin der Kriegs- und Nachkriegsjahre und erspielt ihr ein posthumes Happy End.

Trotz alledem hat die Inszenierung nicht die kreative Verve früherer Eukitea-Sommertheater, wie die des furiosen „Hamlet“ vor zwei Jahren, und manchmal muten die acht an wie gestrandete Außerirdische, die zuletzt während der Friedensbewegung der 70er und 80er Jahre auf der Erde waren. Sätze wie „Der Teppich des Friedens wird bunt und lebendig durch deine Liebe“ erscheinen naiv und die vielen Adjektive, mit denen das Projekt im Flyer beschrieben wird, machen es dem Publikum schwer, eigene Erfahrungen zu machen. So wie die Produkte im Café nicht weniger als „natürlich, homemade, fairtrade und ökologisch“ sind (woran natürlich nichts falsch ist, aber vielleicht würde man lieber mehr erschmecken als erlesen), so wird die Waldtheater-Performance im Flyer unter anderem als „intensiv, poetisch verzaubernd, leidenschaftlich, beherzt, überraschend und tiefberührend“ angekündigt.

In Teilen wirkt „Frieden ist!“ dann aber eher erwartbar und rührend – wenn man es mit feuilletonistischem Blick beurteilt. Lässt man den zu Hause, erlebt man Menschen, deren authentischer, Theater gewordener Optimismus und deren unerschütterlicher Glaube an das Gute von der Waldbühne aus weit über das Schmuttertal strahlen – und vielleicht durch die bewegten Herzen ihrer Zuschauer auch ein Stück weit in den Alltag in und um Augsburg.

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