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Augsburg

09.08.2020

Friedensfest 2020: Statt einer langen Tafel gibt es viele Picknicks

Auf der Sommerbühne im Annahof überbrachten die Vertreter verschiedener Augsburger Religionsgemeinschaften ihre Friedensgrüße. Danach stießen sie mit den sogenannten Friedensbechern miteinander an.
Bild: Peter Fastl

Plus Wenn die Stadt das Hohe Friedensfest feiert, gibt es auf dem Rathausplatz einen Tisch für ein gemeinsames Mahl. In diesem Corona-Jahr ist allerdings alles anders.

Wenn in Augsburg das Hohe Friedensfest gefeiert wird, treffen sich die Einwohner der Stadt an einer großen Tafel am Rathausplatz und teilen Speisen miteinander. Doch nicht in diesem Jahr – das Coronavirus zwang die Verantwortlichen, umzudisponieren. Statt einer großen Tafel sollten im gesamten Stadtgebiet Picknicks stattfinden, Interessierte konnten sich vom Friedensbüro kostenlos verteilte, gebackene Friedenstauben liefern lassen. Sie wurden von Lastenrädern im gesamten Stadtgebiet verteilt. Wie das Friedensfest 2020 ablief.

In Augsburger Stadtteilen gab es Friedenspicknicks am Friedensfest

So auch in Hochzoll. Hier trafen sich im Schatten der katholischen Kirche Heilig Geist Menschen zur Friedenstafel. Drei Pfarreien hatten den Tag organisiert: Neben Heilig Geist die evangelische Auferstehungskirche und das ebenfalls evangelische Pfarramt St. Matthäus. Da ausreichend Platz war, wurden mehrere große Tische aufgestellt, an denen zuvor angemeldete Gruppen ihr Friedensmahl einnehmen konnten. Musiker bespielten das schattige Plätzchen.

Friedensfest 2020: Statt einer langen Tafel gibt es viele Picknicks
33 Bilder
So änderte Corona das Hohe Augsburger Friedensfest
Bild: Peter Fastl

Unter den etwa 75 Gästen war auch Lydia Blauth. Sie sei das erste Mal bei einer Friedenstafel dabei, erzählte sie, und froh, dass es so etwas in diesen Zeiten gebe. Aus der Flüchtlingsunterkunft an der Berliner Allee war Azhar Al-Tameemi mit Familie zu Gast. Wie viele andere hängte auch er seinen Friedenswunsch an eine Wäscheleine, die dort aufgespannt war. Grüne, gelbe und rote Zettel hingen dort.

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Bunt ging es auch in den sozialen Medien zu. Die Stadt hatte Nutzer dazu aufgerufen, auf Instagram Bilder des eigenen Friedenspicknicks unter dem Hashtag #friedenteilen zu verbreiten. Am Samstagabend musste man allerdings feststellen: Allzu hoch war die Resonanz darauf nicht. Etwa zehn Beiträge von privaten Nutzern gingen ein, dazu noch ein paar von Vereinen und Organisationen.

Auf Instagram war die Reaktion auf das Friedensfest verhalten

Darauf zu sehen waren üppig und bunt angerichtete Picknicktafeln im Garten, auf dem Balkon oder am Fluss. Auch die Friedenstaube erhielt ihren Auftritt: goldgelb gebacken in großen Körben oder am Rande eines Brunnens liegend. Das Friedensbüro hatte die Tauben an mehr als 30 Adressen in der Stadt ausgeliefert, das Interesse war also durchaus da. In der Innenstadt organisierten der Verein „Augsburg International“ und das Freiwilligen-Zentrum zusammen ein Friedenspicknick.

Mit Maske: Azhar Al-Tameemi hängt seinen Friedenswunsch auf.
Bild: Peter Fastl

Etwa 30 Menschen speisten gemeinsam, ehe es Vorträge gab und diskutiert wurde. Philosophie-Student Michael Brosch hielt einen kurzen Impulsvortrag über Rituale und welchen Einfluss diese zum Beispiel auf das Denken oder die Partnerwahl hätten. Anschließend sprachen die Anwesenden im Innenhof des Jakobsstifts – im Schatten dreier Laubbäume – über ihre eigenen Rituale und wie sie diese begehen.

An der Sommerbühne im Annahof wurde am frühen Samstagnachmittag ebenfalls ein Ritual des Friedensfestes begangen: Vertreter von Augsburger Religionsgemeinschaften sprachen dort ihre Friedensgrüße aus. Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) sprach ebenfalls auf der Bühne. „Rituale wie Hände geben oder das Umarmen vermisse ich schmerzlich.“ Es brauche in der Gesellschaft mehr Rituale des positiven Streitens.

Auf der Bühne standen evangelische, katholische, syrisch-orthodoxe, russisch-orthodoxe, rumänisch-orthodoxe, mennonitische und altkatholische Christen. Außerdem sunnitische und schiitische Muslime. Und Vertreter von Buddhisten, Aleviten und Jesiden. Die jüdische Gemeinde entschuldigte sich, da das diesjährige Friedensfest auf den Sabbat fiel. Eine Vertreterin der Gemeinde sprach einen Gruß.

Corona-Krise lässt gesellschaftlichen Zusammenhalt bröckeln

Die Religionsvertreter griffen in ihren Grüßen aktuelle Themen auf. Georg Neumann von der russisch-orthodoxen Kirche sprach davon, es habe den Anschein, mit zunehmender Dauer der Corona-Pandemie bröckele der gesellschaftliche Zusammenhalt. „Lassen Sie uns dem gemeinsam entgegentreten und den Frieden in unserer Stadtgesellschaft bewahren, mit Mut, mit Hoffnung und mit Liebe.“

Im Innenhof des Jakobsstifts spendeten die Bäume wohltuenden Schatten. Hier wurde gepicknickt und über Rituale gesprochen.
Bild: Peter Fastl

Mustafa Ergen, Vertreter der Sunniten, sagte, mögen „die Nächstenliebe, das Zusammenleben miteinander und nebeneinander ein endloses sowie unanfechtbares Ritual für uns bleiben“. Michael Thoma von der evangelischen Kirche sprach: „Nur wenn wir uns in die Augen sehen, sagen was wir denken und zusammen nach friedvollen Wegen suchen, dann wird der Friede erhalten bleiben.“

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