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Programm

26.06.2019

Friedensfest dreht sich um die Freiheit

Bild der Friedenstafel auf dem Rathausplatz vom vergangenen Jahr. Das Motto des diesjährigen Friedensfestes „Freiheit“ kommt offenbar gut an, immer mehr Akteure bringen sich ein.

Das diesjährige Motto trifft offenbar einen Nerv: In Augsburg soll es dieses Jahr an 38 Orten 65 Veranstaltungen geben. Die Auswahl ist dabei vielfältig

Immer mehr Akteure bringen immer mehr Themen in das Kulturprogramm zum Hohen Friedensfest ein. Von 21. Juli bis 8. August werden 65 Veranstaltungen an 38 Orten stattfinden. Das diesjährige Motto „Freiheit“ trifft offensichtlich den Nerv der Augsburger – insbesondere der Jüngeren. Auch an die Wurzeln des Friedensfestes bei Martin Luthers „Freiheit eines Christenmenschen“ lässt sich gut anknüpfen, wie Kulturreferent Thomas Weitzel bei der Vorstellung des Programms gestern im Rathaus erklärte.

„Es gibt für Freiheit keine verbindliche Definition, sie muss in einem Gemeinwesen immer neu verhandelt werden“, sagte Weitzel. Zur Eröffnung am 24. Juli wird dazu der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck über „Freiheit und Verantwortung“ im Goldenen Saal reden und dann mit jungen Augsburgern diskutieren. Freiheit, so Weitzel, habe mit Entscheidungen zu tun, was auch die neue Gestaltung des 160 Seiten starken Programmhefts mit hintersinnigen Karikaturen des Künstlers Leo Rothmoser nahelegt. Vielleicht, so Weitzel, bleibe Freiheit letztendlich eine Utopie – und wäre als Festmotto mithin die Fortsetzung des Themas von 2018. Auf jeden Fall passe „Freiheit“ gut zum Jubiläum „70 Jahre Grundgesetz“, das die individuellen Freiheiten der Bürger im Staat festschrieb.

Christiane Lembert-Dobler, die Leiterin des Friedensbüros, hat bei der Vorbereitung des Kulturprogramms bald gemerkt: Eine grenzenlose Freiheit, dass jeder machen kann, was er will, kann es gesellschaftspolitisch nicht geben. Persönliche Freiheit sei immer im Bezug auf die anderen zu bestimmen. Wie schwer es ist, eine liberale Moschee in Berlin zu errichten, wird am 25. Juli die Juristin Seyran Ates mit kurdischen Wurzeln berichten. Zu dem Schluss „Keine Religion ist auch keine Lösung“ kommt am 29. Juli der ehemalige Pastor Karl-Helmut Lechner, der 1975 aus der Kirche austrat und sich der Linken anschloss. Die bayerische Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katharina Schulze, der stellvertretende Juso-Vorsitzende und ein führender Junger Liberaler diskutieren am 5. August über „Der Staat – Garant oder Gegner unserer Freiheit?“

Friedensfest dreht sich um die Freiheit

Ein „Herzstück“ des Programms ist das Festival der Kulturen am 26. und 27. Juli, das Girisha Fernando kuratiert. Bewegend verspricht der gemeinsame Auftritt der polnischen Sängerin Karolina Cicha, die zwischen der traditionellen Musik ihrer Heimat und experimentellen, zeitgemäßen Ausdrucksformen sich bewegt, mit einem Streicherensemble der Augsburger Philharmoniker zu werden. Eine Geschichte des Widerstands verbirgt sich hinter dem „Rai“, einer rebellischen Musik, die der Algerier Sofiane Saidi mit seiner Band Mazalda vortragen wird. Dies ergänzen die Freiheitslieder von der Reformation bis heute, zu hören am 2. August im Kulturcafé Neruda.

Der „Taubenschlag“ öffnet schon am 21. Juli auf dem Moritzplatz. Er bietet Raum für neue Ideen, Workshops, Vorträge, Konzerte. Philosophiestudenten verhandeln dort am 28. Juli „Konsum und Religion“. Am 30. Juli tauscht sich der Runde Tisch der Religionen über die Religionsfreiheit aus. Im Reesepark gönnt sich die Jugend von 24. bis 27. Juli die Freiheit, etwa im Austausch mit der Polizei über „Meine Rechte, deine Rechte“ oder im Workshop „Sei ein Original“. Ihr Bau-Kultur-Camp schlagen junge Handwerker vom 1. bis 4. August auf dem Helmut-Haller-Platz auf und bereiten die Kleine Friedenstafel vor.

Von Delacroix’ Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ inspiriert ist am 28. Juli eine Prozession mit lebenden Bildern. Provokant dürfte das Podium im Textilmuseum mit der Künstlerin Cesy Leonard über die Kunst als Tochter der Freiheit werden. „Filme gegen Zensur“ laufen vom 24. Juli bis 8. August in der Stadtbücherei. Dort versammeln sich bis vom 28. bis 30. Juli so namhafte Schriftsteller wie Sybille Lewitscharoff, Kathrin Röggla und Rainer Merkel zu Augsburger Gesprächen zu Literatur und Engagement. Der Linzer Künstler Reinhard Gupfinger wird während des Fests wieder Töne der Stadt einfangen und in Skulpturen überführen.

Das Heft liegt u.a. in der Bürgerinformation am Rathausplatz auf. Dort sind auch die Tickets für einzelne Veranstaltungen zu haben. Online unter: www.friedensstadt-augsburg.de.

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